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Bangen nach dem Horror-Crash: "Alle Knochen im Gesicht gebrochen"

Dylan Groenewegen vorne im Bild
Dylan Groenewegen vorne im Bild   -   Copyright  Tomasz Markowski/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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Der 23 Jahre alte Fabio Jakobsen liegt nach einem schrecklichen Unfall bei der Polen-Rundfahrt in Kattowitz im künstlichen Koma. "Alle Knochen in seinem Gesicht sind gebrochen," erklärte Patrick Lefevere vom Team Deceuninck-Quick Step. "Wir beten, dass er überlebt."

Und Lefevere wählte drastische Worte. "Ich werfe ihm einen Mordanschlag vor, nichts mehr und nichts weniger", sagte der Teamchef am Donnerstag im belgischen Radio. Er meinte den niederländischen Radprofi Dylan Groenewegen, der am Mittwoch auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt Quick-Step-Profi und Landsmann Fabio Jakobsen beim Zielsprint in Kattowitz abgedrängt und durch seine Aktion einen folgenschweren Crash ausgelöst hatte.

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Viele Fahrer am Boden in KattowitzSTR/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

Rennärztin Barbara Jerschena gab nach der OP zumindest eine erste Entwarnung und sagte der Nachrichtenagentur PAP, Jacobsen habe die Operation gut überstanden und sei nicht mehr in Lebensgefahr. Bis Freitagmorgen soll Jakobsen schrittweise aus dem künstlichen Koma geholt werden.

Der verletzte Fabio Jakobsen wurde zum Gewinner der Etappe erklärt. Dylan Groenewen wurde disqualifiziert.

Der Radsportweltverband UCI teilte am Mittwochabend mit, dass man den Fall an die Disziplinarkommission weitergeleitet habe, um Sanktionen gegen Groenewegen zu beantragen. "Die UCI verurteilt das gefährliche Verhalten auf das Schärfste", hieß es in dem Statement.

"Ich finde es schrecklich, was gestern passiert ist. Ich kann nicht beschreiben, wie schlimm ich es finde für Fabio und die anderen, die gestürzt oder betroffen sind. Im Moment ist die Gesundheit von Fabio das Wichtigste. Ich denke ständig an ihn", twitterte Groenewegen am Donnerstag. Auch der Sturzverursacher kam nicht unbeschadet davon, er wurde am Donnerstag in Opole am Schlüsselbein operiert.

Heftige Kritik an den Veranstaltern der fünftägigen WorldTour-Rundfahrt übten CCC-Profi Simon Geschke und weitere Radprofis. "Jedes Jahr derselbe dumme Bergab-Sprint bei der Polen-Rundfahrt. Jedes Jahr frage ich mich, warum die Organisatoren denken, das sei eine gute Idee", schrieb der 34 Jahre alte gebürtige Berliner auf Twitter. Dieser Tweet wurde tausenfach geteilt. "Massensprints sind gefährlich genug, man braucht kein Bergab-Finale mit 80 km/h", ergänzte der Tour-de-France-Etappensieger von 2015.

"Ich habe mir das Finale und den Crash bestimmt 30 Mal angeguckt und die Brutalität des Crash schockiert mich noch immer", twitterte Ex-Weltklassesprinter Marcel Kittel. "Ich will da jetzt niemanden angreifen. Ich bin die Polen-Rundfahrt noch nie gefahren, aber ich habe von anderen Rennfahrern gehört, dass die Rundfahrt eh schon sehr berühmt-berüchtigt ist. Ein Bergab-Sprint, bei dem man bis zu 85 km/h erreicht, da fragt man sich schon: Muss das sein?" sagte Rick Zabel, der in Polen nicht im Einsatz ist, der Deutschen Presse-Agentur.

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Dylan Groenewegen vorne im BildTomasz Markowski/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

"Ein normaler Sprint mit 50-60 km/h ist schon schnell genug. Da muss man es nicht noch riskanter machen. Solche Zielankünfte sollten verboten werden. Es ist immer schade, dass erst was passieren muss, ehe solche Diskussionen entstehen", sagte Rick Zabel. Ähnlich sieht es Kittel. Er hoffe, dass die Frage nun ernsthaft diskutiert werde, ob es Bergab-Sprints mit Geschwindigkeiten von 80 km/h geben müsse, sagte der 14-malige Tour-Etappengewinner dem «Münchner Merkur».

Der bei dem Unfall am Mittwoch ebenfalls schwer am Kopf verletzte Mitarbeiter sei wieder bei Bewusstsein und ebenfalls in einem «stabilen Zustand», wie die Renn-Organisatoren mitteilten. Zudem würden noch drei weitere Radprofis in Krankenhäusern behandelt.

Bereits im Vorjahr sorgte ein folgenschwerer Sturz bei der Polen-Rundfahrt für einen dramatischen Zwischenfall, als der erst 22 Jahre alte Belgier Bjorg Lambrecht auf der Etappe nach Zabrze bei vergleichsweise moderatem Tempo gegen eine Betonkonstruktion prallte und später seinen schweren Verletzungen erlag.