Eilmeldung
This content is not available in your region

Maskiert und abgeriegelt: Venedig feiert Filmfest

euronews_icons_loading
Jury unter der Leitung von Cate Blanchett
Jury unter der Leitung von Cate Blanchett   -   Copyright  Joel C Ryan/Joel C Ryan/Invision/AP
Schriftgrösse Aa Aa

Viel Glamour, aber auch Masken, das ist der schmale Grad, auf dem die Veranstalter des Internationalen Filmfestivals von Venedig schreiten.

Das prestigeträchtige Filmtreffen findet trotz Cornonakrise wie geplant statt - aber mit strikten Sicherheitsvorkehrungen, die so gar keine Feierlaune aufkommen lassen. Der Rote Teppich ist abgeriegelt. Treffen mit Stars oder gar Selfies so gut wie unmöglich.

So hoffen die Organisatoren, den Ruf des ältesten Filmfestivals der Welt zu retten, eine Verschiebung oder gar Verlegung ins Internet kam nicht in Frage.

"Wir wollten eine positive Botschaft aussenden, eine Botschaft des Optimismus und der Aufmunterung", sagt Festivalleiter Alberto Barbera. "Wir wollten Solidarität mit der Welt des Kinos im Allgemeinen zeigen: mit Regisseuren, Produzenten, allen beteiligten Personen. Aber wir wollten auch ein Signal an alle Kinos senden. Wir müssen das System neu starten, wir können nicht wieder einen längeren Lockdown oder Isolation erleben wie in den letzten Monaten. Und wir müssen dem Publikum ein Gefühl des Vertrauens zurückgeben".

"Es ist eine Schande!"

Rund um das Festival Areal wurde eine Wand gezogen, Zugang nur mit Fiebermessen und nur für Akkreditierte. Ein Schutzwall gegen Covid-19 - und ein Ärgernis für Anwohner und Filmtouristen.

"All die Schauspieler und anderen Beteiligten zu sehen, ist doch der aufregendste Teil", meinte eine Frau. "Ok, man darf nicht um Autogramme bitten. Aber sie hätten uns wenigstens erlauben können, sie zu sehen!"

Eine andere Venezianerin spricht gar von einer Schande. "Sie hätten es an einem anderen Ort organisieren sollen. Diese Absperrung ist beleidigend für uns und all die Leute, die aus der ganzen Welt kommen, um die Schauspieler zu sehen!"

Inspirationsquelle Lockdown

Apropos Abschottung: Der Lockdown ist bereits zur Inspirationsquelle für Filmemacher geworden. Der italienische Beitrag "Molecole" von Andrea Segre zeigt die menschenleere Stadt Venedig als Metapher für den Stillstand, der Italien zum Höhepunkt der Coronakrise heimsuchte.

"Ich habe versucht, mich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass unser Leben unweigerlich begrenzt ist. Das ist es, was die Pandemie uns vor Augen geführt hat, was können wir also daraus lernen? Ich denke, es lehrt uns, mit dem Unvermeidlichen und Zerbrechlichen zu leben, ohne dagegen anzukämpfen."

Die Festspiele in Venedig sind die ersten großen, die seit Beginn der Pandemie wieder physisch stattfinden. Ein Neuanfang im Zeichen von Corona - stellvertretend für eine ganze Branche mit ungewisser Zukunft.