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State of the Union: Warum Jean-Claude Juncker trotz allem optimistisch ist

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State of the Union: Warum Jean-Claude Juncker trotz allem optimistisch ist
Copyright  Thanassis Stavrakis/AP
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Vor gerade einmal ein paar Wochen haben wir das neue Jahr mit Hoffnung begrüßt. Das Leben könne nur besser werden, haben wir gedacht. Nun ist der erste Monat von 2021 noch nicht ganz vorbei, und der Enthusiasmus ist einer Desillusion und einer Enttäuschung gewichen.

Anstatt eines breiten Fortschritts im Kampf gegen Covid haben wir mit neuen gefährlichen Mutationen des Virus zu kämpfen. Anstatt einer Rückkehr zum normalen Leben müssen wir mehr Lockdowns und Reisebeschränkungen erleiden.

Und anstatt einer raschen und effizienten Impfkampagne werden wir Zeugen von Verzögerungen, gebrochenen Versprechen und Inkompetenz.

Über die Probleme bei den Impfkampagnen in Europa sprach Euronews mit dem früheren Präsidenten der EU-Kommission Jean-Claude Juncker.

Euronews: Wir kommen vom Optimismus des vergangenen Jahresendes zu Wut und Enttäuschung darüber, dass die Impfungen so schleppend verlaufen. Was ist mit Europa los?

Juncker: Ich muss sagen, vor einem Jahr im Januar und Februar 2020 glaubte niemand, wir würden diesen Impfstoff haben. Das ist schon einmal ein großer Erfolg für die europäische und internationale Wissenschaft. Ich denke, dass die Kommission gut gehandelt hat, ohne genau zu wissen, was vor sich ging.

Ich denke, es war die richtige Entscheidung der Kommisison diesen Impfstoff im Namen aller 27 Mitgliedsstaaten zu bestellen. Was wir jetzt erleben, sind Geburtsprobleme bei der Produktion und der Verteilung.

Euronews: Sehen Sie das Risiko von Impf-Nationalismus oder einem Wettrennen mit anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien?

Juncker: Was die Europäische Union angeht, so sehe ich ein solches Risiko nicht. Das nationale Impf-Monopol, dass einige Leute in verschiedenen Mitgliedsstaaten fordern, sehe ich nicht. Ich glaube nicht, dass das kommen wird. Ich sehe aber, dass die Produktion und die Verteilung von Impfstoffen in der EU und Großbritannien anders gehandhabt wird.

Insgesamt denke ich, dass sich all diese Probleme in einigen Wochen wieder einrenken werden. Ich bin darüber nicht pessimistisch.

Euronews: Befürchten Sie eine neue wirtschaftliche Krise?

Juncker: Nicht wirklich, denn die verschiedenen nationalen Volkswirtschaften - was eingentlich eine idiotische Bezeichnung ist, nach alle dem, was in Europa passiert ist -, also die europäische Wirtschaft ist widerstandsfähig.

Sorgen mache ich mir aber über die Nachlässigkeit bei einigen Regierungen im Bezug auf die öffentlichen Schulden. Öffentliche Schulden sind Gift, langfristig und kurzfristig. Ich würde mir daher Mitgliedsstaaten wünschen, die die Möglichkeiten ihrer Wirtschaft stärken, den Konsequenzen aus der Pandemie zu widerstehen.

Ich mag es nicht, wenn die öffentlichen Schulden nicht als ein großes Problem angesehen werden.

Das Gespräch führte Efi Koutsokosta.