Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Neues Homeoffice-Visum für Kroatien: Digitale Nomadin arbeitet, wo es schön ist

Access to the comments Kommentare
Von Isabel Putinja
Labin in Kroatien
Labin in Kroatien   -   Copyright  Croation National Tourist Board
Schriftgrösse Aa Aa

Sie arbeitet an einem malerischen Ort. Von ihrem Haus in der Bergstadt Labin auf Kroatiens Halbinsel Istrien aus betreibt Melissa Paul ihr Business in den USA. Sie ist Social-Media-Managerin und Blog-Redakteurin. Und sie kann eine Besonderheit für sich beanspruchen: die erste offizielle digitale Nomadin des Landes.

Seit dem 1. Januar ist Kroatien eines der wenigen europäischen Länder, die digitale Nomadinnen und Nomaden mit einem Langzeitvisums willkommen heißen. Eine neue Gesetzgebung, die den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern im Homeoffice regelt, wurde im Dezember 2020 eingeführt.

Was ist ein "digitaler Nomade" und wie funktioniert das Visum?

Die neuen Maßnahmen definieren eine digitale Nomadin oder einen digitalen Nomaden als eine Person, die von außerhalb der EU kommt und die in der "Kommunikationstechnologie" entweder als Beschäftigter im Homeoffice oder für ein eigenes Unternehmen mit Sitz im Ausland arbeitet.

Unter der Voraussetzung, dass sie kein Touristenvisum für die Einreise nach Kroatien benötigen, können im Homeoffice Tätige nach ihrer Ankunft eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Sie dürfen keine Dienstleistungen für kroatische Unternehmen erbringen und sind nicht einkommenssteuerpflichtig.

Das neue Visum für digitale Nomadinnen und Nomaden kann helfen, ganzjährig Besucher anzuziehen und Kroatiens schwächelnde Tourismusindustrie anzukurbeln. Die technikaffinen Neuankömmlinge werden als ein Segen für die lokale Wirtschaft gesehen, da sie lokale Waren und Dienstleistungen konsumieren, einschließlich der Touristenappartements und -villen, die normalerweise während der Wintermonate leer stehen.

Kroatische Tourismusbehörde
Labin in IstrienKroatische Tourismusbehörde

Gutes Wetter und entspannte Atmosphäre

Als eines der wenigen EU-Länder, die bereits in den vergangenen Monaten für Touristen geöffnet waren, hat Kroatien viele im Homeoffice Arbeitende aus den USA und anderen Ländern angezogen. Sie kamen her, um die Pandemie abzuwarten und das gute Wetter und die entspannte Atmosphäre zu genießen. Viele hoffen, dass sie dank des neuen Visums in Kroatien bleiben können.

PRIVAT
Melissa PaulPRIVAT

Die amerikanische Unternehmerin Melissa Paul ist seit dem 15. Januar die erste offizielle digitale Nomadin Kroatiens. Melissa Paul lebte bereits seit 2014 in Kroatien, als sie mit ihrem kroatisch-amerikanischen Ehemann hierher zog. Nach ihrer Scheidung im Jahr 2018 stellte sie fest, dass sie nach dem Ende ihrer Ehe mit einem kroatischen Staatsbürger keinen dauerhaften Aufenthaltssatus mehr hatte. Trotzdem wurde ihr eine Verlängerung ihrer befristeten Aufenthaltserlaubnis gewährt, aber als diese im Januar 2021 ablief, brauchte sie eine neue Lösung.

Mit der Einführung des Visums für digitale Nomadinnen und Nomaden erfuhr Melissa Paul, dass sie sich als digitale Unternehmerin bewerben konnte. "Als das Visum im Dezember angekündigt wurde, war ich sehr aufgeregt, weil es mir die Möglichkeit gab, länger in Kroatien zu bleiben", sagt sie. "Als Drittstaatsangehörige sind die Möglichkeiten, hier langfristig zu leben, eigentlich ziemlich begrenzt. Ich sah, dass die Bedingungen des neuen Visums auf mich zutrafen, da ich meine eigene Firma habe und aus der Ferne arbeite."

"Beamte hier lieben Briefmarken"

"Die Beamten auf meiner örtlichen Polizeistation waren sich nicht ganz sicher, was benötigt wird und wie die Anforderungen zu interpretieren sind, weil der Prozess für sie neu war", sagt Paul.

"Es gab ein langes Hin und Her mit dem Ministerium in Zagreb. Ich brauchte viele schriftliche Erklärungen: was ich tue, wo meine Firma ansässig ist, Gründungsdokumente, den Nachweis, dass sie einen guten Ruf genießt, und sogar einen Arbeitsvertrag mit mir selbst. Oh, und natürlich einen offiziellen Stempel. Eine Sache, die ich gelernt habe, ist, dass die Beamten hier Briefmarken lieben."

Wie kam es zu dieser Initiative?

Die Idee für das Visum für digitale Nomadinnen und Nomaden wurde von Jan de Jong, einem niederländischen Unternehmer und Investor, ins Leben gerufen. De Jong brachte die Idee, digitale Nomadinnen und Nomaden als Langzeittouristen anzulocken, erstmals im April 2020 als Podiumsteilnehmer einer virtuellen Konferenz ein, die sich mit der Frage beschäftigte, wie man Kroatien zu einem Ganzjahresreiseziel machen könnte.

Copyright: Jan de Jong
Jan de Jong mit dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej PlenkovićCopyright: Jan de Jong

Daraufhin warb er auf LinkedIn für die Idee und schrieb einen offenen Brief an Ministerpräsident Andrej Plenković auf LinkedIn. Darin skizzierte er die potenziellen wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der Anwerbung hochbezahlter Fernarbeitskräfte durch ein digitales Nomadenvisum ergeben, ähnlich dem, das in Estland im Juni 2020 eingeführt wurde.

"Kurz darauf wurde ich vom Innenministerium kontaktiert und zu einem Treffen eingeladen", erklärt de Jong, der seit langem in der Stadt Split an der sonnigen dalmatinischen Küste Kroatiens lebt. "Ich stellte ihnen die Idee vor und sie verstanden sofort das Potenzial. Zu der Zeit wurde gerade über eine Änderung des Ausländergesetzes nachgedacht, und sie waren der Meinung, dass die Initiative schnell umgesetzt werden könnte. Ich traf mich auch mit dem Ministerpräsidenten, und er unterstützte die Vision, dass Kroatien eines der ersten Länder ist, das ein Visum für digitale Nomaden einführt, voll und ganz."

De Jong wurde während der Ausarbeitung konsultiert. Er sah die Notwendigkeit, mit anderen Ländern wettbewerbsfähig zu sein, die ähnliche Programme für digitale Nomadinnen und Nomaden einführen. Dies beinhaltete Maßnahmen zur vorgeschlagenen Aufenthaltsdauer, zu den Antragsgebühren sowie zu den Anforderungen an Einkommenssteuer und Krankenversicherung.

Expats in Kroatien waren sofort interessiert

Seit der Verabschiedung des neuen Gesetzes im Dezember 2020 war die beste Online-Ressource für im Home Office Arbeitende, die mit ihren Laptops nach Kroatien gehen wollten, ein detaillierter Blogbeitrag auf der Website von Expat in Croatia. 'Wie man die Aufenthaltsgenehmigung für digitale Nomaden in Kroatien beantragt: Leitfaden für 2021" hatte seit seiner Veröffentlichung Mitte Dezember Tausende von Seitenaufrufen. Was die Popularität nach Nationen angeht, so kommen 18 Prozent der ausländischen Klicks aus den USA, gefolgt von Großbritannien, Nordmazedonien und Kanada.

Die Amerikanerin Sara Dyson startete die Website als Informationsquelle im Juli 2013, ein Jahr nachdem sie nach Kroatien gezogen war. Sie beschreibt sich selbst als "Expertin für kroatische Bürokratie": "Ich mache es für Menschen einfacher, nach Kroatien zu ziehen und dort zu leben", stellt sie klar. "Ich biete auch persönliche Einzelberatungen an, um den Leuten zu helfen, wie sie hierher ziehen und auch die Staatsbürgerschaft effizient beantragen können."

Dienstleistungen wie die, die Dyson anbietet, haben einen steilen Anstieg der Anfragen erlebt. "Ich hatte schon über 100 persönliche Anfragen, vor allem von Amerikanern, gefolgt von Briten, Kanadiern und Australiern", sagt sie. "Viele sind bereits in Kroatien und möchten zu dieser Aufenthaltserlaubnis wechseln, weil sie günstiger ist als die, die sie derzeit haben."

Hotels in Kroatien haben aus dem Trend der digitalen Nomadinnen und Nomaden Kapital geschlagen, indem sie Rabatte für längere Aufenthalte während der Wintersaison anbieten, wenn viele Hotels normalerweise schließen. Inzwischen haben Einheimische, die private Touristenunterkünfte vermieten, langfristige Mieter gefunden.

In den vergangenen Jahren haben Kroatiens junge Hochschulabsolventen das Land zunehmend auf der Suche nach besser bezahlten Arbeitsmöglichkeiten anderswo in der EU verlassen. Mit dem Aufschwung des digitalen Nomadenlebens wird das Land eine Art umgekehrtes Phänomen von gut bezahlten ausländischen Arbeitskräften erleben.

Corona-Beschränkungen

Abgesehen von Ausnahmen müssen die meisten Reisenden, die nach Kroatien einreisen wollen, einen kürzlich durchgeführten negativen PCR-Test vorweisen oder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise einen Test machen.

Wenn sie aus Großbritannien kommen, müssen Reisende zusätzlich eine 14-tägige Isolationszeit einhalten, die halbiert wird, wenn nach 7 Tagen ein negativer Test durchgeführt wird.