Die Umweltschutzorganisation Healthy Seas ist in der Region aktiv. Sie holt Geisternetze vor Ithaka aus dem Meer und drängt die Behörden, das Problem ernst zu nehmen, denn Geisternetze sind nicht nur für das Ökosystem des Meeres gefährlich.
In den vergangenen fünf Jahren haben wir drei Einsätze auf Ithaka begleitet, um die sogenannten „Geisternetze“ zu dokumentieren. Dabei geht es um Fischfarmen, die ihre Betreiber aufgegeben haben. Als sie die Insel verließen, holten sie die Netze nicht aus dem Meer. Das führte zu großflächiger Verschmutzung und tötete zahlreiche Fische. Außerdem ließen die Betreiber auch die Betriebsgebäude zurück. Schon bald landeten Dachziegel, Plastik und Holz im Meer.
Lange blieb diese Situation unverändert. Doch das Engagement der Umweltschutzorganisation „Healthy Seas“ und die breite Berichterstattung in den Medien, darunter auch bei euronews, scheinen positive Veränderungen angestoßen zu haben.
Aufgegebene Aquakulturanlagen nahe Modi in Westgriechenland hat der Betreiber inzwischen abbauen lassen; nach seinen Angaben gingen die Materialien in das Recycling.
„Für Healthy Seas markiert dieser Fall einen wichtigen Wandel im Umgang mit verlassenen Aquakulturanlagen in Griechenland: Nicht nur direkte Säuberungsaktionen von NGOs sind nötig, sondern auch strategischer Druck, klare Verantwortlichkeit der Behörden und abgestimmte Zusammenarbeit, die die Betreiber selbst zum Handeln bringt.“, heißt es in der Pressemitteilung der Umweltschutzorganisation.
Healthy Seas hatte den Zustand an dem Standort Modi schon vor einigen Jahren dokumentiert – bei gemeinsamen Erkundungen mit Ghost Diving Greece und in Zusammenarbeit mit der griechischen NGO OZON. Damals erfassten die Teams vier Aquakultur-Ringe, die bereits als faktisch stillgelegt und verlassen galten.
Die Lage spitzte sich im Februar 2026 zu. Damals entdeckten Behörden einen großen Fischzuchtring, der im Ionischen Meer trieb und schließlich nahe Ithaka anlandete, nachdem er in eine Route geraten war, die von Passagierschiffen genutzt wird. Aus Sorge um die Sicherheit auf See stoppte die Küstenwache die Konstruktion und brachte sie an Land.
Im April 2026 war euronews auf Ithaka vor Ort und begleitete den Einsatz zur Bergung und Entfernung des Rings.
Nach dem Vorfall setzte Healthy Seas alles daran, die mögliche Herkunft der treibenden Anlage zu klären. Auf Grundlage früherer Recherchen stellte die Organisation einen möglichen Zusammenhang mit dem aufgegebenen Standort Modi her.
Der Ringtyp ist in der Region äußerst selten, was eine Verbindung zu Modi nur schwer von der Hand weisen lässt. Parallel zur Bergung und der Organisation des Recyclings des auf Ithaka sichergestellten Rings intensivierte Healthy Seas seine Aktivitäten: Die NGO arbeitete eng mit den Behörden zusammen, erhöhte den öffentlichen Druck und schrieb alle zuständigen Stellen offiziell an, informierte sie über die Lage und forderte ein Einschreiten.
Kurz darauf untersuchte die Küstenwache den Standort Modi erneut. Sie bestätigte, dass die dort dokumentierten Anlagen – einschließlich des Zeitraums des treibenden Rings, als Healthy Seas den Druck erhöhte – inzwischen entfernt waren. Nach Angaben der Behörden teilte der Betreiber der Küstenwache mit, die Konstruktionen seien an ein Recyclingunternehmen übergeben worden.
Auch wenn der Betreiber nach Medienberichten bestreitet, dass der treibende Ring aus seiner Anlage stammte, wurden die zuvor in Modi registrierten, verlassenen Konstruktionen abgebaut und offenbar zum Recycling gebracht.
Unabhängig von der Herkunft des Rings bleibt das Ergebnis gleich: Ein weiteres „Gespenst“ ist aus den griechischen Gewässern verschwunden. „Seit Jahren konzentriert sich unsere Arbeit vor allem darauf, aufgegebene Aquakultur-Infrastruktur physisch aus dem Meer zu entfernen“, sagt Veronica Mikos, Direktorin von Healthy Seas. „Wichtig an diesem Fall ist, dass er einen alternativen Weg zeigt: strategische Einflussnahme, institutioneller Druck und koordinierte Maßnahmen können Betreiber dazu bewegen, selbst Verantwortung zu übernehmen, bevor diese Strukturen zu noch größeren Umwelt- oder Gefahrenquellen auf See werden.“
Der Fall verweist zudem auf ein größeres Problem, das im Mittelmeer immer sichtbarer wird: Aquakulturanlagen können in der Praxis jahrelang stillstehen, während sie auf dem Papier weiter als aktiv geführt werden.
Mit der Zeit können solche verlassenen Konstruktionen abtreiben und damit die Schifffahrt, den Tourismus und die marinen Ökosysteme gefährden.
„Es geht nicht nur um ein weiteres Problem von Meeresmüll“, ergänzt Veronica Mikos. „Der treibende Ring bei Ithaka hat gezeigt, dass aufgegebene Aquakulturanlagen in stark befahrenen Seegebieten gefährlich werden können. Um solche Situationen zu verhindern, braucht es Überwachung, klare Verantwortung und eine rechtzeitige Stilllegung, bevor die Strukturen zerfallen“, betont die Leiterin von Healthy Seas.