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Nach Lockdown - "Latin Gangs" terrorisieren Madrid

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Von Jaime Velázquez, su  mit AFP, EFE
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Nach Lockdown - "Latin Gangs" terrorisieren Madrid
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Offenbar ansteckend, bisweilen tödlich – befällt vor allem Jugendliche: Die Corona-Pandemie hat in und um Madrid die sogenannten „Bandas Latinas“ mächtig wachsen lassen – sieben dieser Jugendbanden mit lateinamerikanischen Wurzeln sollen allein in Madrid mindestens 2.500 Mitglieder haben, zwei von dreien minderjährig, ein Fünftel unter 13 – schon 11jährige treten laut Experten bei, angelockt durch soziale Netzwerke. Die Zahl der Gangmitglieder habe sich seit der Pandemie  verdoppelt (Observatorio de Bandas Latinas).

ZWEI TOTE IN DER "SCHWARZEN NACHT VON MADRID"

In der sogenannten „Schwarzen Nacht“ von Madrid wurden Anfang des Monats zwei junge Leute tödlich niedergemetzelt – vermutlich im Zusammenhang mit den Banden – einer war erst 15: Jaime Guerrero (Messousi), ein Nachwuchsfussballer.

Mindestens 130 minderjährige Kinder wurden im vergangenen Jahr in Madrid im Zusammenhang mit diesen Banden festgenommen.

TÖTEN ALS AUFNAHMEPRÜFUNG

Artur verließ die Latin Kings-Gang vor sechs Jahren. Er kann seine Identität aber immer noch nicht preisgeben, da er Vergeltungsmaßnahmen befürchtet. Er trat der Bande mit 14 bei und beging sein erstes Verbrechen, bevor er 15 war.

Artur, ehemaliges Mitglied der "Latin Kings":

„Wenn Sie den Latin Kings beitreten, müssen Sie eine „Probe“ bestehen. Durch diese Aufnahmeprüfung kommt nur, wer einen von einer rivalisierenden Bande ersticht. Die Erwachsenen, 18 oder 19 Jahre alt, benutzen Kinder für Verbrechen, weil gegen Minderjährige keine Gefängnisstrafen verhängt werden.“

Und die Jugendlichen wenden sich den Banden zu, weil sie von ihrer Machtdemonstration, ihrem Auftreten und ihrer Musik angezogen werden, eine Subkultur, die in den sozialen Medien explodiert.

Jaime Velázquez, Euronews:

„Die Latin Gangs benutzen ihre Telefone als Schlachtfeld. Sie sehen sich auf Tik Tok und killen sich dann auf der Straße.“

FATALER LOCKDOWN

Ein Pastor und seine Gemeinde helfen Kindern, aus den Banden auszusteigen. Während der Pandemie und des landesweiten Lockdowns bemerkten sie eine wahre Explosion an Kandidaten.

Pastor Alberto Díaz, Christliches Hilfszentrum/Centro de Ayuda Cristiano:

„Das war eine ziemlich lange Zeit ohne die elementaren sozialen Dienste wie etwa Schulbesuch. Die Kinder haben viel Zeit mit ihren Telefonen und Computern verbracht und waren Inhalten von Latin-Gangs ausgesetzt und als sie wieder rauskonnten, war die Saat bereits gesät".

Die spanischen Behörden verdoppeln jetzt ihre Anstrengungen - mehr als 500 Polizisten sollen die Ausbreitung von Jugendbanden bekämpfen. Aber Experten bestehen darauf, dass mehr Präventionsarbeit zur geleistet werden muss. Es sei zwar möglich, aus einer Bande rauszukommen. Viel einfacher sei es aber, wenn man gar nicht erst eintritt.

Jaime Velázquez, su mit AFP, EFE