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Rechtsradikaler Thierry Baudet feiert "Putins heldenhaften Kampf" in der Ukraine

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AP, Twitter, NL Times, Le Monde
Der Rechtsextreme Thierry Baudet im Parlament der Niederlande
Der Rechtsextreme Thierry Baudet im Parlament der Niederlande   -   Copyright  Peter Dejong/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Dass Russland Europas Rechtsextreme unterstützt, ist seit Jahren bekannt. So hatte die Partei von Marine Le Pen 2014 einen Kredit in Höhe von 9 Millionen Euro aus dem Kreml bekommen. 2017 wurde die französische Opppositionspolitikerin von Wladimir Putin persönlich empfangen. Doch seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat Marine Le Pen ihre Position korrigiert. So erklärte die Vorsitzende des "Rassemblement national" Ende März 2022, sie verbinde keine Freundschaft mit Wladimir Putin, sie habe ihn nur ein Mal in ihrem Leben getroffen.

Anders sieht es offenbar der niederländische Rechtsextreme Thierry Baudet. Der 39-Jährige Jurist und Historiker hat mehrmals den Holocaust-Leugner Jean-Marie Le Pen getroffen. Während Marine Le Pen einiges unternommen hat, um den Einfluss ihres Vaters auf ihre Partei einzudämmen, sieht der Journalist Marijn Kruk den inzwischen 94-jährigen Jean-Marie Le Pen als "ideologischen Taufpaten" von Thierry Baudet.

In einem Statement des von ihm geleiteten "Forum für Demokratie" spricht Thierry Baudet jetzt von seiner Bewunderung für Wladimir Putin. In diesem Sommer habe er eine Biographie von Putin gelesen. Und Baudet kommt zu dem Schluss: "Putin ist ein großer Held! Was er in der Ukraine tut ist heldenhaft! Er kämpft gegen den 'deep State' in der Ukraine. (...) Die Globalisten hassen den Erfolg der russischen Armee, sie hassen die überlegene Intelligenz Putins."

Der sogenannte "deep State" ist eine Verschwörungstheorie, wonach Eliten die Demokratie unterlaufen haben und dunkle Mächte die Poltik bestimmen. 

2018 hatte Baudet auch den Putin-nahestehenden nationalistischen Ideologen Alexander Dugin getroffen, dessen Tochter jetzt durch eine Autobombe getötet wurde. 

Eine Psychologin, die sich auf Twitter dr. Marina nennt, hat Baudets Worte auf Twitter veröffentlicht.

2015 hatte Thierry Baudet, der sich selbst gern als Intellektueller darstellt, das "Forum für Demokratie" (FvD) gegründet. Eigentlich als Think Tank gedacht, ist die Partei seit 2017 im niederländischen Parlament vertreten. Wegen offen neonazistischer Ansichten und antisemitischer Äußerungen in der Jugendorganisation seiner Partei musste Baudet 2019 auf die Spitzenkandidatur bei den Parlamentswahlen verzichten.

Der Virologe Marc Van Ranst, der während der Covid-19-Pandemie von Coronaleugnern bedroht wurde, schreibt auf Twitter: "Thierry Baudet hat nur noch ein Ziel: die Niederlande zu destabilisieren und auf seiner Abwärtsspirale möglichst viele Menschen mitzureißen."

Das aktuelle Projekt des rechtsextremen "Forum für Demokratie" besteht darin, im September eine Grundschule in Almere zu eröffnen, wie NL Times berichtet. Einige Beobachterinnen und Beobachter meinen, Thierry Baudet wolle eine "rechte Parallelgesellschaft" in den Niederlanden aufbauen. Angeblich sind schon 18 Kinder für die geplante Grundschule angemeldet.