Kampf um Cherson: Warn-SMS an Zivilbevölkerung, bald ukrainischer Vorstoß?

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Von Euronews  mit AFP/DPA/AP
Zerstörte Wohnhäuser am Stadtrand von Charkiw
Zerstörte Wohnhäuser am Stadtrand von Charkiw   -   Copyright  Dimitar DILKOFF / AFP

Die schweren Kämpfe im Osten und Süden der Ukraine halten an. Während russische Steitkräfte ihre Angriffe in der heftig umkämpften Region Donezk verstärkten, erhielten Einwohner im russisch kontrollierten Cherson Nachrichten auf ihren Handys mit der dringenden Forderung, die Stadt unverzüglich zu verlassen.

Die russischen Besatzungstruppen versuchen schon seit Tagen, die Zivilbevölkerung von Cherson zum Verlassen der Region zu bewegen. Die russische Seite spricht von "Evakuierungen", die ukrainische von "Zwangsumdiedlungen".

Die Ukraine will das Gebiet, das seit März unter russischer Kontrolle steht, möglichst bald zurückerobern und hat den Druck auf die russischen Truppen am Westufer des Flusses Dnipro erhöht. Die Rückeroberung Chersons wäre eine bedeutende Niederlage für Moskau.

Boote auf dem Dnipro zerstört

Nach Darstellung des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte wurde in der Ortschaft Kachowka ein Gebäude zerstört, in dem sich rund 200 russische Soldaten aufhielten. Die Folgen dieses Angriffs würden von russischer Seite "sorgfältig verschleiert", hieß es. Bei Radensk sei eine Kolonne gepanzerter russischer Fahrzeuge zerstört worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Entlang des Flusses Dnipro begannen die russischen Besatzer nach Darstellung des ukrainischen Militärs, die Boote der dortigen Zivilbevölkerung zu zerstören. Zudem beschlagnahme das russische Militär Motoren und Geräte aus den Booten. Damit verstoße das russische Militär eklatant gegen Gesetze und die Regeln der Kriegsführung mit Blick auf die Zivilbevölkerung, hieß es.

 Ukrainische Panzertruppen meldeten, dass sie mit einem baldigen Vormarsch auf die Stadt Cherson rechnen. Auch Analysten halten dies für wahrscheinlich, da sich das Wetter rapide verschlechtert und sich der Boden in eine undurchdringliche Schlammschicht zu verwandeln droht.

Rekrutenausbildung und Gefangenenaustausch

Das russische Verteidigungsministerium hat Videos veröffentlicht, auf denen zu sehen ist, wie neue Rekruten ihre Ausbildung in Sibirien fortsetzen. Es soll sich um Soldaten handeln, die nach der von Putin im September angekündigten landesweiten Teilmobilmaching "zum Schutz der russischen Souveränität" eingezogen wurden.

Bilder vom Sonntag zeigten pro-russische Kämpfer aus Donezk bei ihrer Rückkehr in die Stadt Amwrossijiwka. Sie wurden im Zuge eines Gefangenenaustauschs mit dem ukrainischen Militär in der vergangenen Woche wieder freigelassen. Insgesamt wurden zu beiden Seite jeweils 107 Offiziere und Soldaten ausgetauscht.