Krawalle, Flammen und Tränengas - Proteste gegen Übergangsregierung in Lima

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Von Andrea Büring
Großaufgebot der Polizei. Lima, 19.1.2022
Großaufgebot der Polizei. Lima, 19.1.2022   -  Copyright  Martin Mejia/Copyright 2023 The AP. All rights reserved

Tausende von Protestierenden aus ganz Peru sind erneut nach Lima gezogen, um für die Absetzung der Interims-Präsidentin zu demonstieren. Die Wut über Dina Boluarte entlud sich auf den Straßen. Dabei kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Demonstrant:innen auseinanderzutreiben. Offiziellen Angaben zufolge wurden mehr als ein Dutzend Menschen in der Hauptstadt verletzt. Landesweit waren es mindestes 38 Menschen.

Viele Student:innen und Gewerkschaften waren bei den Protesten anwesend. An der Universität und in der historischen Altstadt von Lima war ein Großaufgebot der Polizei - 11.800 Sicherheitskräfte - im Einsatz. 

Präsidentin droht nach Protesten mit Strafen

Einige Protestierende warfen mit Steinen nach der Polizei und versuchten, die Barrieren zu durchbrechen. Die Sicherheitskräfte antworteten mit Tränengas ein. Die Regierung hatte die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben und von dort zu arbeiten.

Am Abend meldete sich Boluarte im Fernsehen zu Wort. Sie warf den Demonstrant:innen vor, keine soziale Agenda zu haben und dankte der Polizei für ihre Arbeit, die - so wörtlich - "gewaltsamen Proteste" unter Kontrolle zu halten. Den Verantwortlichen drohte sie mit Strafen. 

Die Interims-Präsidentin kündigte auch an, 2024 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abzuhalten - zwei Jahre früher als geplant - ein Zugeständnis an die Protestierenden. 

Doch später in der Nacht eskalierte die Gewalt, es brach ein Großfeuer in der Stadtmitte aus. Zunächst war jedoch nicht klar, ob es einen Zusammenhang mit den Protesten gab. Menschen eilten in die brennenden Gebäude, um Wertgegenstände herauszuholen.

Protestierende sympathisieren mit abgesetztem Präsidenten Castillo

Die Proteste hatten begonnen, als ihr Vorgänger Pedro Castillo abgesetzt und Boluarte Anfang Dezember eingeschworen wurde. 

Die Kundgebungen wurden in den vergangenen Wochen nach und nach größer und haben ein Ausmaß erreicht, dass sich die Demonstrant:innen womöglich nicht mit Boluartes Rücktritt begnügen werden. Sie fordern die Auflösung des Parlaments, sofortige Neuwahlen und strukturelle Reformen. 

Castillo war der erste Präsident Perus, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt. Seine Eltern waren Analphabeten. Er wurde seines Amtes enthoben, als er vergeblich versuchte, das Parlament aufzulösen.