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Bis zu 60 Cent billiger: Tanktourismus nach Polen und Tschechien boomt

Benzin und Diesel sind so teuer wie seit Jahren nicht.
Benzin und Diesel sind so teuer wie seit Jahren nicht. Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Weil der Iran-Krieg die Spritpreise in Deutschland auf über zwei Euro getrieben hat, weichen immer mehr Autofahrer ins Ausland aus. Der deutsche Zoll hat das registriert und greift nun gezielt durch.

Der sogenannte Tanktourismus ist keine neue Erscheinung – doch in den vergangenen Tagen hat er eine neue Dimension angenommen. Immer mehr Deutsche fahren gezielt an die Grenzen zu Polen und Tschechien, um dort deutlich günstiger zu tanken.

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Nun hat der deutsche Zoll reagiert und bundesweit Stichprobenkontrollen an den Grenzübergängen verschärft. "Wir kontrollieren verstärkt Tanktouristen", bestätigt eine Zoll-Sprecherin gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung.

Auch Frankreich und Österreich profitieren von deutschen "Eintankern" – selbst die Schweiz wird neuerdings attraktiv, denn auch dort liegen die Benzinpreise unter dem deutschen Niveau. Das setzt auch die deutsche Wirtschaft unter Druck.

Auslöser der Entwicklung ist der Krieg im Iran. Seit dem Ausbruch der Kampfhandlungen gelten die Lieferwege für Öl und Gas als deutlich risikoreicher – besonders rund um die Straße von Hormus. Das treibt die Energiepreise weltweit nach oben, in Deutschland aber besonders stark.

Bis zu 60 Cent Unterschied: Woidke spricht von "Abzocke"

In Polen kostet der Liter Benzin derzeit umgerechnet rund 1,40 bis 1,55 Euro. In Deutschland zahlen Verbraucher dagegen mancherorts bereits mehr als zwei Euro für einen Liter Super. Je nach Kraftstoff und Tageszeit beträgt der Unterschied bis zu 60 Cent pro Liter. Für eine volle Tankladung lohnt sich die rein pragmatische Reise ins Ausland somit.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat die Entwicklung scharf kritisiert. "Kein Mensch versteht, warum die Preise in Deutschland für den gleichen Sprit um 60 Cent höher sind als in Polen. Und das, obwohl beide Länder benachbarte EU-Staaten sind", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er ergänzte: "Die Preistreiberei an den Tankstellen ist reine Abzocke." Die Verantwortung sieht Woidke bei der Bundesregierung.

Zusätzlichen Rückenwind erhalten deutsche Tanktouristen durch den Wechselkurs: Der polnische Zloty hat seit Beginn des Iran-Kriegs gegenüber dem Euro nachgegeben – dadurch fällt der Preisvorteil für Käufer aus Deutschland noch größer aus.

Warum ist Sprit in Deutschland so teuer?

Ein wesentlicher Faktor ist die nationale CO₂-Abgabe, die in Polen deutlich niedriger ausfällt. Laut ADAC liegt der CO₂-Preis in Deutschland in diesem Jahr bei 55 bis 65 Euro je Tonne. Daraus ergeben sich für 2026 Aufschläge von 15,7 bis 18,6 Cent pro Liter Benzin sowie 17,3 bis 20,5 Cent pro Liter Diesel – frühere Preissteigerungen sind dabei noch nicht eingerechnet. Im internationalen Vergleich liegt Deutschlands CO₂-Bepreisung zwar unter dem Niveau in Schweden, aber spürbar über dem vieler östlicher Nachbarländer.

Der Zoll kontrolliert an der deutschen Grenze zu Polen verstärkt Tank-Touristen.
Der Zoll kontrolliert an der deutschen Grenze zu Polen verstärkt Tank-Touristen. Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Der Zoll greift durch: Was ist erlaubt?

Schwerpunkte der Zoll-Kontrollen sind die Übergänge in Brandenburg, Sachsen und Bayern – also überall dort, wo die Grenzen zu Polen und Tschechien verlaufen.

Die Regeln sind klar: Privatpersonen dürfen ihr Auto volltanken und zusätzlich einen Reservekanister mit maximal 20 Litern mitführen. Wer jedoch mehrere Kanister transportiert oder Kraftstoff für ein anderes Fahrzeug mitbringt, muss Energiesteuern entrichten: beim Benzin rund 90 Cent je Liter, beim Diesel rund 70 Cent. Damit ist der Preisvorteil schnell aufgebraucht.

Einen zusätzlichen Fallstrick beschreibt das österreichische Portal Heute.at: Wer in einem Benziner einen Kanister mit Diesel mitführt, gilt aus Sicht des Zolls als Kraftstoffimporteur für ein anderes Fahrzeug – und wird damit steuerpflichtig.

Kartellamt kündigt harte Linie an

Auch das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklung. Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte: "Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen." Die Behörde prüft derzeit, ob die Preissprünge allein durch den Ölmarkt erklärbar sind – oder ob Konzerne die Lage gezielt ausnutzen.

Deutsche Tankstellen geraten unter Druck

Für die Wirtschaft im Grenzraum sind die Folgen bereits spürbar. Die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg berichtet von Staus an polnischen Zapfsäulen und von einer zunehmend schwierigen Lage für deutsche Tankstellen, denen Kunden wegbrechen.

Besonders hart trifft es das Transportgewerbe: Viele Unternehmen haben langfristige Lieferverträge mit festen Preisen abgeschlossen und können höhere Spritkosten nicht weitergeben. "Die Preisschere zwischen einheimischen und ausländischen Transportunternehmen öffnet sich weiter", warnte Robert Radzimanowski, Leiter für Regionalpolitik bei der IHK Ostbrandenburg, gegenüber der dpa.

Damit dürfte der Druck auf Politik, Behörden und Mineralölkonzerne weiter steigen.

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