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Der Koloss nebenan: Überlebt die deutsche Ostsee Polens Mega-Hotel?

Das Hotel Gołębiewski in Pobierowo soll das bislang größte Hotel an der Ostseee werden.
Das Hotel Gołębiewski in Pobierowo soll das bislang größte Hotel an der Ostseee werden. Copyright  Facebook/ Hotel Gołębiewski Pobierowo
Copyright Facebook/ Hotel Gołębiewski Pobierowo
Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern blickt nervös über die Grenze: In Pobierowo (deutsch Poberow) wächst mit dem Gołębiewski-Mega-Hotel ein "kleines Dubai“ an der Ostsee. Die Sorge ist groß, dass Gäste und Arbeitskräfte abwandern, während auf polnischer Seite kräftig investiert wird.

Ein gestrandetes Kreuzfahrtschiff an der polnischen Ostseeküste – nur, dass es sich nicht mehr bewegen wird. Das Hotel "Gołębiewski" in Pobierowo, Westpommern, hätte schon 2021 öffnen sollen, ist aber bis heute nicht eröffnet. In einem Facebook-Post vom 21. Januar kündigt das Unternehmen an: "Wir eröffnen bald ein neues Hotel in Pobierów." In dem Post wirbt das Hotel um Personal. Gesucht werden Housekeeper, Köche, Rezeptionisten – nicht wenige Stellen müssen besetzt werden.

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In Mecklenburg-Vorpommern schrillen die Alarmglocken: Werden Gäste und Arbeitskräfte künftig im großen Stil abgeworben? Das Projekt hat in deutschen Medien früh den Spitznamen "kleines Dubai" bekommen. Geplant sind 13 Etagen, 1.200 Zimmer und bis zu 3.000 Gäste. Pobierowo selbst zählt laut Gemeindestatistik nur rund 1.000 Einwohner.

Zum Vergleich: Das Morada Resort Kühlungsborn und das Hotel Neptun in Warnemünde gehören zu den größten Hotels an der deutschen Ostseeküste. Das Neptun wurde 1971 als Prestigeprojekt der DDR eröffnet und ist seit über 50 Jahren ein Wahrzeichen des deutschen Ostseeurlaubs. Beide liegen mit unter 500 Zimmern allerdings in einer völlig anderen Größenordnung als der Bau aus Pobierowo.

Bald keine Urlauber mehr auf der deutschen Seite?

Von der deutschen Grenze bei Ahlbeck ist das Mega-Hotel rund 60 Kilometer entfernt. Und weil ein Wellnessbereich in einem Fünf-Sterne-Haus längst Standard ist, lockt der Komplex zusätzlich mit Aquapark, Kinosaal und Tennisplatz. Das Gelände soll so viel bieten, dass Gäste es kaum verlassen müssen.

Die Gołębiewski-Kette scheint dabei einem klaren Muster zu folgen: Jedes neue Hotel ist größer als das vorherige. Mikołajki in Masuren, Karpacz in Niederschlesien oder Wisła – jeder Standort war bei seiner Eröffnung Polens größtes Haus, bis das nächste Projekt die Messlatte wieder höher legte. Pobierowo ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung.

"Kleines Dubai" mit langer Leidensgeschichte

Gründer Tadeusz Gołębiewski, ein Süßwarenfabrikant, der mit Waffelröllchen reich wurde, stieg 1991 ins Hotelgeschäft ein. 2018 legte er den Grundstein für Pobierowo – sein fünftes und größtes Projekt, auf einem früheren Militärgelände mit 34 Gebäuden, das die Gemeinde Rewal 2017 für 50,5 Millionen Złoty (umgerechnet rund 11,8 Millionen Euro) verkaufte.

Doch der Bau geriet ins Stocken: Corona, Lieferengpässe, Baurechtsstreitigkeiten – und im Juni 2022 starb Tadeusz Gołębiewski. Kreisbauinspektor Janusz Zaryczański erklärte im September 2025 gegenüber dem polnischen Nachrichtenportal money.pl, man warte noch auf die Umweltgenehmigung der Gemeinde Rewal – die letzte Hürde vor den abschließenden Prüfungen durch Feuerwehr, Gesundheitsamt und Bauaufsicht. Ursprünglich war Łeba als Standort geplant – doch die Umweltbehörde lehnte das Vorhaben ab, da es sich um ein europäisches Naturschutzgebiet handelt. Pobierowo war Plan B.

1.500 Bäume für 3.000 Gäste

Auf Anfrage von Euronews gibt sich das Hotel zum Eröffnungstermin bedeckt: Man befinde sich in der "letzten Phase" und bereite die Immobilie auf die Eröffnung vor. Genauere Informationen wolle man "in naher Zukunft" mitteilen.

Für das Projekt wurden rund 1.500 Bäume in einem Küstenwald gerodet. Die Kritik daran weist das Hotel auf Anfrage von Euronews zurück: Das Gelände sei kein unberührtes Waldgebiet, sondern eine frühere Militäranlage – "ein bereits transformiertes und vom Menschen genutztes Gebiet". Die Rodung sei auf das notwendige Minimum beschränkt worden. Als Ausgleich seien rund 4.000 Neupflanzungen geplant.

1.200 Zimmer sollen bis zu 3.000 Gäste beherbergen.
1.200 Zimmer sollen bis zu 3.000 Gäste beherbergen. Hotel Gołębiewski/ Facebook

"Das muss man mögen" – Alarm in Mecklenburg-Vorpommern

Während Polen gespannt auf die Eröffnung wartet, beobachtet die Tourismusbranche jenseits der Grenze die Entwicklung kritisch. Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. (DEHOGA) Mecklenburg-Vorpommern – dem Verband der Hotellerie und Gastronomie des Bundeslandes –, sagt im Gespräch mit Euronews:

"Sorge würde mir machen, wenn die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf solche Sachen nicht reagieren würde", sagt Schwarz. Auf der polnischen Seite werde mit staatlichen Fördermitteln in Infrastruktur und Kapazitäten investiert, während Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern mit älteren Strukturen mithalten müssten.

Besonders das Thema Personal treibt ihn um: Viele Hotels in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen Mitarbeiter aus dem polnischen Grenzraum. Sollte das Gołębiewski-Hotel diesen Pendlern ortsnahe Angebote machen, "könnte das problematisch werden", so Schwarz. Mittelfristig schließt er diesen Trend nicht aus.

Hinzu kommt der strukturelle Preisdruck: Im Gespräch mit Euronews rechnet Schwarz vor, dass auf der polnischen Seite teils nur "ein Drittel vom deutschen Mindestlohn" gezahlt werde. Über den Preis könne man diesen Wettbewerb deshalb nicht gewinnen, sagt er – entscheidend seien Angebot und Qualität. Was er vom Massenkonzept hält, beschreibt er plastisch: "Wenn da zweitausend Mann zum Frühstück kommen" – in engen Zeitkorridoren, mit leeren Auslagen, Lärm und Stress – "dann muss man das mögen." Das Haus spreche eher Kreuzfahrttouristen an, die solche Dimensionen gewohnt seien.

"Der Wettbewerb ist hart"

Die Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern habe sich bewusst gegen Massentourismus positioniert, betont Schwarz: "Das ist schwierig und hat keine Akzeptanz bei der Bevölkerung." Darin sieht er die Stärke der Region: Individualität, Ruhe, Gediegenheit – Qualitäten, die ein Haus mit 3.000 Betten strukturell kaum liefern könne.

Seine Forderungen an die Landesregierung sind konkret: Investitionen in Seebrücken, öffentliche Toiletten, Strandversorgung und Veranstaltungsflächen. Und ein Modernisierungsprogramm für die Betriebe, wie es während der Corona-Zeit aufgelegt worden sei. "Das muss dann tatsächlich passieren. Der Wettbewerb ist hart."

Das Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern äußerte sich auf Anfrage von Euronews bis Redaktionsschluss nicht.

Die Ostseeinsel Usedom zählte im Jahr 2024 knapp sechs Millionen Übernachtungen.
Die Ostseeinsel Usedom zählte im Jahr 2024 knapp sechs Millionen Übernachtungen. (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Eine deutsche Hotel-Kette als wichtiger Arbeitgeber auf Usedom

Mit rund 450 Mitarbeitern zählt die SEETELHOTELS-Gruppe zu den größten Arbeitgebern auf der deutschen Seite Usedoms. Rolf Seelige-Steinhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der SEETELHOTELS, gibt sich auf Anfrage von Euronews zunächst gelassen: "Konkurrenz gehört zum Tourismus dazu und kann auch positive Impulse für eine gesamte Destination setzen." Gleichzeitig stellt er fest: "Dieses Objekt ist deutlich zu groß für diese Region, und es wird damit zu großen Wettbewerbsverzerrungen kommen."

Beim Thema Personal setzt Seelige-Steinhoff auf Bindung: "Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte ist in der gesamten Branche spürbar – unabhängig von einzelnen Projekten. Viele unserer Mitarbeitenden kommen aus der Region oder aus Polen und sind seit vielen Jahren Teil unseres Teams. Wir setzen daher stark auf langfristige Mitarbeiterbindung, faire Arbeitsbedingungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine familiäre Unternehmenskultur."

Strategisch formuliert er den Ansatz klar: "Unser Ziel ist es nicht, über Größe zu konkurrieren, sondern über Qualität, Persönlichkeit und Erlebnis." Von der Politik wünscht er sich verlässliche Infrastruktur und Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung.

Das Hotel selbst: Kein Konkurrenzproblem?

Die Vorwürfe aus Deutschland weist die polnische Hotelkette auf Anfrage von Euronews zurück. Unterschiede im Lohnniveau zwischen Ländern seien "auf unterschiedliche wirtschaftliche und systemische Bedingungen zurückzuführen und nicht auf das Handeln einzelner Unternehmen". Mitarbeiter aus dem Ausland seien willkommen, zugleich betont das Unternehmen: "Ein starkes und vielfältiges Angebot auf beiden Seiten der Grenze kann sich gegenseitig ergänzen und zur weiteren Entwicklung der gesamten Region als attraktives Touristenziel beitragen."

Optimismus trotz Gegenwind

Bei aller Sorge bleibt Mecklenburg-Vorpommerns DEHOGA-Chef Schwarz am Ende zuversichtlich: Er ist überzeugt, dass Mecklenburg-Vorpommern 2026 erneut ein Rekordjahr aufstellen kann. "Wir müssen uns mit Abstand nicht verstecken", sagt er – und meint damit nicht nur die Landschaft, sondern die Professionalität der Kollegen. "Das nehmen wir eher zum Ansporn, als dass wir uns einschüchtern lassen."

Zudem sei vor allem eins entscheidend: "Ein Gast, der einmal kommt, bringt nichts", stellt Schwarz nüchtern fest. Das gilt für beide Seiten der Grenze. Der Hotelriese in Pobierowo muss dafür allerdings erst noch seine Lobby-Türen öffnen.

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