Erleben Sie Beduinentraditionen in der Wüste. Besuchen Sie Schildkrötenschutzgebiete an der Küste und wandern Sie in Omans Bergen.
Dubai ächzt unter einem Tourismusboom. Saudi-Arabien hat Milliardenprojekte gestartet, um noch mehr Gäste zu locken. Der Nachbar Oman dagegen freut sich leise über steigendes Interesse als Reiseziel.
Der Staat im Nahen Osten zieht Reisende an, die weniger Kommerz und mehr authentische Erlebnisse von Kultur und Natur suchen.
Die Omanis sind sehr stolz auf ihre Natur und ihr kulturelles Erbe, und die Tourismuspolitik schützt beides, sagt Daniel Waters, Sales Manager beim Abenteuerreiseanbieter Wild Frontiers.
Wolkenkratzerstädte und austauschbare Resort-Erlebnisse sucht man vergeblich. Hinzu kommen gutes Wetter im europäischen Winter und die Mittelstreckenlage. So erklärt sich Omans rasanter Aufstieg.
Eine aktuelle Studie der Datenanalyse-Spezialisten Mabrian zeigt: Kulturelle Erlebnisse bleiben ein zentrales Standbein von Omans Tourismus. Natur- und Aktivangebote sind zuletzt zur Hauptquelle der Urlaubsfreuden im Sultanat geworden.
Wer ohnehin in anderen Golfstaaten unterwegs ist, kommt bald noch leichter über die Grenze. Anfang 2026 startet ein neues Touristenvisum. Damit lassen sich Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate mit einer einzigen Genehmigung besuchen.
Für Abenteurer: So entdecken Sie Beduinentraditionen in der Wüste, Schildkrötenstationen an der Küste und Bergtouren in Oman.
Ist Oman für Reisende sicher?
Ausländische Touristinnen und Touristen, besonders Frauen oder LGBTQ+-Reisende, sollten in der Region Sicherheit und gesellschaftliche Etikette im Blick haben. Waters rät dennoch nicht von Oman ab – mit der richtigen Planung.
Oman ist ein sehr sicheres und gastfreundliches Land, sagt er. Zugleich bleibt es im Kern traditionell; etwas kulturelles Feingefühl hilft viel.
Beim Besuch von Moscheen sollten Männer und Frauen Arme und Beine bedecken; Frauen müssen zudem das Haar verhüllen. Außerhalb von religiösen Stätten gilt: lieber dezent. Shorts sind für Männer in Ordnung; Frauen können knielange Shorts oder Röcke tragen.
Beim Schwimmen an öffentlichen Orten wie Stadtstränden oder beliebten Wadis sollten Männer und Frauen Oberkörper bedecken und knielange Shorts tragen.
An privaten Hotelpools oder an abgelegenen Orten ist übliche Badekleidung akzeptiert. Alkohol gibt es in den meisten großen Hotels und vielen Restaurants, sagt Waters.
Schildkrötenstationen an der Küste besuchen
Ein großer Pluspunkt für Naturliebhaber: Oman bietet auf engem Raum enorme Vielfalt.
Weit fahren muss man dafür nicht – Berge, Wüste und Küste liegen nur wenige Autostunden auseinander, sagt Waters.
Entlang der Küste locken Schnorchel- und Tauchspots sowie Bootstouren. Für üppig-grüne, fast tropische Landschaften empfiehlt Waters das Gouvernement Dhofar in der Khareef-Monsunzeit von Ende Juni bis Mitte September.
Außerdem lebt an Omans Küste die weltweit größte Population bedrohter Unechter Karett- und Suppenschildkröten. Ein Besuch in einer Schildkrötenstation gehört daher auf die Route.
Zu den bekanntesten zählt das Ras Al Jinz Turtle Reserve im Gouvernement Ash Sharqiyah South im Norden des Landes. Das Gebiet ist ein wichtiges Nistgebiet für mehrere Arten, darunter Suppen-, Unechte Karett- und Echte Karettschildkröten.
Das Reservat bietet geführte Touren zu den Nistplätzen, dazu ein interaktives Museum und Forschungseinrichtungen, in denen Besucher mehr über die bedrohten Tiere erfahren.
Vogelbeobachtung in den Bergen und Wanderungen durch Wadis
Nicht nur Schildkröten begeistern Tierfreunde. Der Veranstalter Naturetrek organisiert 13-tägige Oman-Reisen rund um Vogelbeobachtung und andere Wildtiere.
Von Spaziergängen zur Vogelbeobachtung in den Bergen über Bootstouren auf der Suche nach Hochseearten bis zu seltenen Säugetieren und Reptilien der Wüsten: Oman hat Naturfans enorm viel zu bieten, sagt Experte Dan Lay.
Lay führt Gäste durchs ganze Land: auf die Halbinsel Ras al Sawadi im Norden für Möwen und Watvögel an der Küste. Weiter ins Landesinnere in das "Leere Viertel" des Arabischen Plateaus und zur Quelle von Muntasar, wo sich Hunderte Sandhühner sammeln. Und in das Wadi Al Mughsayl, das sich tief in die Berge windet, für Wüsteneulen.
Abseits der Vogelwelt lassen sich auf Bootstouren Delfine und Wale beobachten. In den Wadis kann man dem duftenden Weihrauchbaum nachspüren.
Wüstentraditionen in den Sharqiya Sands entdecken
In Oman gehen Natur und Kultur Hand in Hand. Die Sharqiya Sands liegen etwa zweieinhalb Stunden vom internationalen Flughafen Maskat entfernt. Dieses Meer aus rot-goldenen Dünen erstreckt sich über mehr als 12.000 Quadratkilometer und gehört zu den unberührtesten Regionen der Arabischen Halbinsel.
Hier leben Beduinen; dieses Gebiet der Sahara-Wüste gewährt Einblicke in eine uralte Lebensweise, die durch moderne Annehmlichkeiten und den Schwund nomadischer Traditionen zunehmend verschwindet.
Zwischen den Dünen sind Zelt-Camps entstanden. So lässt sich eine Nacht in der Wüste mit Beduinentraditionen erleben.
Anwar Al Shaikh betreibt das familiengeführte Luxury Desert Camp – eine Sammlung aus Kuppelzelten und großen Pavillons, betrieben mit Solarenergie, mit Grauwasser-Recycling und umweltfreundlichen Produkten.
Er ermutigt Gäste zu einem Kamelritt. Dabei lernen sie die Wüstenflora kennen, etwa Ghaf-Bäume und widerstandsfähige Sträucher, und entdecken Tiere wie Wüstenfüchse oder Zugvögel.
Unterwegs begegnen sie einigen der wenigen verbliebenen Beduinenfamilien. Sie beobachten ihren Alltag, ihre Zelte und ihre besondere Art, sich in der Wüste zu orientieren und zu überleben.
Zurück im Camp probieren Gäste traditionelle Tätigkeiten: omanischen Kaffee zubereiten, mit Kamelwolle weben, Kajal auftragen und Wüstenwerkzeuge herstellen – angeleitet von Beduinenfrauen.
Die Sharqiya Sands sind außerdem ein Hotspot für Wüstenabenteuer wie Dune Bashing und Sandboarding.