In seiner bisher längsten Erklärung aus dem Verborgenen erklärt Irans neuer Ayatollah, US-Stützpunkte hätten in der Region keinen Platz; CENTCOM meldet nächtliche Angriffe auf Raketenstellungen und iranische Minenlegerboote, nahe Oman wird ein Tanker getroffen.
Irans Ayatollah Mojtaba Khamenei hat in seiner ersten größeren öffentlichen Stellungnahme seit seinem Amtsantritt erklärt, die Staaten der Region würden künftig nicht länger als Aufmarschgebiete für US-Militärbasen dienen. Zuvor hatte das US-Zentralkommando CENTCOM bestätigt, über Nacht Raketenstellungen und Boote im Süden Irans angegriffen zu haben.
In einer 14-seitigen schriftlichen Botschaft zum Opferfest Eid al-Adha und zur Hadsch nach Mekka schrieb Khamenei, die USA hätten in der Region "keine sicheren Häfen mehr für Aggressionen und den Aufbau militärischer Stützpunkte" und entfernten sich "mit jedem Tag weiter von ihrer früheren Stellung".
"Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, und die Völker und Länder der Region werden nicht länger als Schutzschilde für amerikanische Basen dienen", fügte er hinzu.
Der 56-jährige Khamenei hat sich seit seiner Amtsübernahme nicht mehr öffentlich gezeigt. Er folgte seinem Vater Ali Khamenei nach, der am 28. Februar bei den ersten US-israelischen Angriffen auf den Iran zu Beginn des Krieges getötet worden war.
Die am Dienstag vom staatlichen Fernsehen verbreitete Botschaft ist die bislang ausführlichste öffentliche Erklärung, die ihm seit seinem Amtsantritt zugeschrieben wird.
Internationale Medien hatten zuvor unter Berufung auf iranische Offizielle berichtet, Mojtaba Khamenei sei schwer verletzt worden und habe umfangreiche Operationen benötigt. Teheran hat diese Berichte bislang nicht kommentiert.
"Eklatanter Verstoß" gegen Waffenruhe
CENTCOM erklärte, man habe Raketenstellungen und Boote angegriffen, die versucht hätten, vor der Südküste Irans Minen zu legen. Die Einsätze seien in "Selbstverteidigung" erfolgt und nicht darauf angelegt gewesen, die Waffenruhe zu verletzen, betonte das Kommando.
Das iranische Außenministerium wies diese Darstellung zurück und warf den USA vor, in den vergangenen 48 Stunden "eklatant gegen die Waffenruhe in der Region Hormozgan" verstoßen zu haben.
"Die Islamische Republik Iran wird keinen Angriff unbeantwortet lassen und bei der Verteidigung der Integrität Irans keinen Moment zögern", hieß es weiter.
Staatliche Medien berichteten von Explosionen in der Hafenstadt Bandar Abbas, nannten jedoch keine weiteren Details. Inländische Medien meldeten außerdem, bei dem Vorfall seien vier Mitglieder der Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Die Behörden in Teheran haben die US-Angriffe bislang jedoch nicht offiziell bestätigt.
Die Revolutionsgarden erklärten zudem, sie hätten eine US-Drohne abgeschossen und auf weitere Flugzeuge gefeuert, die in den iranischen Luftraum eindringen wollten. Einen Zeitpunkt für diese Vorfälle nannten sie nicht.
Auf See meldete das britische Überwachungszentrum UK Maritime Trade Operations (UKMTO) eine Explosion an einem Tankschiff rund 60 Seemeilen östlich der omanischen Hauptstadt Maskat. Die Detonation ereignete sich demnach nahe der Wasserlinie am backbordseitigen Heck.
Die Besatzung blieb unverletzt, allerdings trat Treibstoff ins Meer aus.
Zu der militärischen Eskalation kam es, während iranische Unterhändler in Doha mit katarischen Gesprächspartnern über einen möglichen Friedensrahmen berieten.
Medien mit Nähe zu den Revolutionsgarden berichteten, Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf sei nach den Gesprächen nach Teheran zurückgekehrt.
Khameneis Botschaft lobte zudem die von ihm so genannte "Widerstandsfront" in der Region. Den Angriff der Hamas vom 7. Oktober auf Israel bezeichnete er als "Sturm von al-Aqsa" und erklärte, es sei "die Waffe des Allahu Akbar" gewesen, die Israel "den Atem stocken ließ".
Nasser Arasteh, stellvertretender Leiter des militärischen Beratungsgremiums des Ayatollah, schlug einen ähnlichen Ton an: "Künftig werden die Vereinigten Staaten keinen Platz mehr im Persischen Golf haben. Das wird sich mit Krieg oder ohne Krieg verwirklichen."
Das iranische Außenministerium räumte ein, dass Teheran und Washington in vielen Fragen Übereinkünfte erzielt hätten. Ein endgültiges Abkommen sei jedoch nicht in Sicht.