Sturm Goretti bringt Orkanböen, Schnee und verursacht Stromausfälle sowie Reisechaos in mehreren Ländern. Viele Schulen bleiben geschlossen. Mehr als zehn Menschen sind in dieser Woche bei wetterbedingten Unfällen in ganz Europa ums Leben gekommen.
Tausende Haushalte und Unternehmen in Nordfrankreich und Südengland waren am Freitagmorgen ohne Strom. Auch in anderen Teilen Europas kam es zu teils massiven Reiseverzögerungen. Auslöser war Sturm Goretti, der vom Atlantik her über die Region zog und starken Wind, Regen und Schnee brachte.
In Frankreich waren nach Angaben des Netzbetreibers Enedis rund 380.000 Haushalte ohne Strom, die meisten in der nördlichen Normandie. In der nordwestfranzösischen Region Manche wurden nach Angaben der Behörden über Nacht Sturmböen von bis zu 216 Stundenkilometern registriert.
Riesige Wellen krachten über Nacht über die Hafenmauern im äußersten Nordwesten Frankreichs. Als der Sturm ostwärts zog, führte er zu Überschwemmungen und erzwang die Schließung von Straßen und Häfen, einschließlich Dieppe.
Auch Deutschland stark vom Unwetter betroffen
In Norddeutschland kam es aufgrund der starken Schneefälle und Stürme des Sturms Elli zu schweren Beeinträchtigungen. In Hamburg und Bremen wurden Schulen geschlossen und der Fernverkehr eingestellt.
Auf dem Hamburger Flughafen wurden Flüge gestrichen oder verschoben, während mehrere Hauptverkehrsstraßen lahmgelegt wurden, darunter auch einige Hundert Kilometer weiter südlich in der Region Frankfurt.
Der Deutsche Wetterdienst warnte vor Orkanböen an der Nordsee und im Südwesten sowie vor bis zu 15 Zentimetern Neuschnee in Teilen des Landes.
Auch der Sport war betroffen: Das für Samstag angesetzte Bundesligaspiel zwischen Leipzig und St. Pauli wurde wegen starken Schneefalls abgesagt, weitere Spiele hängen in der Schwebe.
Der Fußballclub St. Pauli aus dem norddeutschen Hamburg erklärte, man habe "alles getan, um eine sichere Durchführung des Spiels zu gewährleisten", doch das sei nicht möglich gewesen.
Trotz mehrtägiger Räumungsarbeiten sei es besonders schwierig gewesen, den Schnee vom Stadiondach zu entfernen, so St. Pauli.
Man habe dem Verein geraten, das Spiel abzusagen, um die Belastung für die Rettungsdienste, das Verkehrsnetz und das Gesundheitssystem zu verringern.
Überschwemmungen gehen zurück
In Moldawien blieben rund 600 Schulen bis zum kommenden Montag geschlossen, in Rumänien waren rund 1.000 Haushalte ohne Strom.
In Teilen des Balkans sind die Überschwemmungen am Freitag zurückgegangen. Zuvor hatten starke Schneefälle und sintflutartige Regenfälle Anfang der Woche in mehreren Ländern Hunderte Menschen zur Evakuierung gezwungen und mindestens zwei Todesopfer gefordert.
In Albanien kündigte Ministerpräsident Edi Rama an, die Schäden würden nun erfasst, nachdem vor allem im Süden viele Häuser überflutet worden waren.
Wetterwarnungen vor Glatteis und Schnee blieben jedoch vielerorts in Kraft, unter anderem in Serbien. Dort waren Regionen weiterhin ohne Strom, nachdem Schnee und Wind Leitungen beschädigt hatten.
Seltene Alarmstufe Rot in Kraft
Über Nacht traf das Tiefdruckgebiet auch die Scilly-Inseln vor der Südwestspitze Englands. Dort wurden sehr starke Böen gemessen. Behörden meldeten blockierte Straßen, Schäden an Gebäuden und Stromausfälle. Teilweise waren auch Wasserversorgungen beeinträchtigt.
Nach Angaben von National Grid waren im Südwesten Englands, in den Midlands und in Wales mehr als 57.000 Menschen ohne Strom. Der Sturm traf zudem auf sehr kalte Luft: Im Norden fiel Schnee, im Süden setzte starker Regen ein.
Besonders betroffen war Nordschottland: Schneepflüge waren im Dauereinsatz, nachdem Anfang der Woche mehr als ein halber Meter Schnee gefallen war. Mehr als 250 Schulen blieben am Freitag geschlossen, teilweise bereits den fünften Tag in Folge.
Der Flughafen Birmingham meldete nach einer kurzen Schließung wegen Schnees wieder Betrieb, allerdings mit eingeschränkter Landebahnnutzung. Zuvor hatte das Met Office für Südwestengland eine seltene rote Wetterwarnung herausgegeben. Diese höchste Warnstufe gilt, wenn lebensbedrohliche Bedingungen als sehr wahrscheinlich eingestuft werden.
Europaweit kamen in dieser Woche nach Angaben aus verschiedenen Ländern mehr als zehn Menschen bei wetterbedingten Unfällen ums Leben. Die jüngsten Todesfälle wurden aus der Türkei gemeldet, dort soll es laut lokalen Medien fünf Opfer gegeben haben.