Die Verteidigungsminister der E5-Gruppe haben bei ihrem Treffen in Krakau die Kooperation für eine billigere Luftabwehr unbemannter Drohnen vereinbart. Kostengünstige Drohnen und Anti-Drohnen-Systeme werden derzeit am dringendsten benötigt.
Die E5-Gruppe der Verteidigungsminister Polens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und des Vereinigten Königreichs sowie - online - der Ukraine haben bei ihrem Treffen am Freitag in Krakau eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von Drohnenflugkörpern, zur kostengünstigen gemeinsamen Produktion und zum gemeinsamen Kauf von Drohneneffektoren bzw. Kampfnutzlasten unterzeichnet - die sogenannte "Low-Cost Effectors and Autonomous Platforms"-Initiative, kurz LEAP.
Denn die Abwehr vermutlich russischer Drohnen, die immer wieder in Europas Luftraum eindringen, wie bisher mit Kampfjets ist zu teuer.
"Technologien und Kampftechniken ändern sich dynamisch - wir müssen schnell und angemessen reagieren", erklärte der polnische Verteidigungsminister und stellvertretende Regierungschef Władysław Kosiniak-Kamysz.
Er fügte hinzu, dass unbemannte Systeme während des Krieges in der Ukraine eine Revolution ausgelöst hätten.
"Sie veränderten die Vorgehensweise, den Ansatz der Einsatzplanung vieler Armeen. Drohnen werden ständig weiterentwickelt. Sie werden nicht auf Vorrat gekauft, sondern befinden sich in einem ständigen Modernisierungszyklus. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Drohnensystemen ist in unserer Erklärung festgeschrieben. Wir sprechen über ganze Systeme, nicht über einzelne Plattformen. Dies ist eine gemeinsame Initiative, die auf einen britischen Vorschlag zurückgeht, die Produktionskapazitäten für kostengünstige Effektoren zu erhöhen."
Seine französische Amtskollegin Catherine Vautrin betonte, wie wichtig die Nutzung der polnischen Infrastrukturen sei: "Hier in Krakau möchte ich betonen, wie wichtig es ist, die polnische Infrastruktur nutzen zu können - zum Beispiel in Rzeszów, das ein wichtiger logistischer Knotenpunkt ist, der von verbündeten Ländern zur Unterstützung der Ukraine genutzt wird. Wir alle wissen, dass wir die europäische Dimension der Sicherheit stärken müssen, insbesondere im Hinblick auf den nächsten Gipfel in Ankara."
"Europa ist aufgewacht"
Neben den Verteidigungsministern nahmen auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Radmila Szekerinska an dem Treffen teil.
Die Ministerinnen und Minister erörterten in Polen weitere zentrale Fragen der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa: Unterstützung für die Ukraine, Entwicklung der Rüstungsindustrie und der Produktionskapazitäten, Stärkung der Einsatzbereitschaft, Bekämpfung hybrider Bedrohungen generell. Es ging auch darum, die gemeinsame Verantwortung für die Sicherheit im euro-atlantischen Raum zu bekräftigen. Seit 2024 war es bereits das siebte Treffen in diesem Format.
"Wir sind entschlossen, den Prozess der Modernisierung und Wiederbewaffnung unserer Streitkräfte, der Ausbildung unserer Armeen und der Stärkung der Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaften weiter zu beschleunigen. Die Stärke des Bündnisses und die Stärke der E5 wurden heute einmal mehr bestätigt", erklärte Kosiniak-Kamysz nach dem Treffen.
Kosiniak-Kamysz zufolge bekräftigten alle Anwesenden die Bündnisbeziehungen und den Willen, die Arbeit innerhalb der Gruppe der 5 fortzusetzen: "Wir haben auch die Umsetzung der erklärten Fähigkeiten unserer Streitkräfte im Rahmen der NATO-Programme und der nationalen Abschreckungs- und Verteidigungssysteme bekräftigt."
"Wir setzen die Erfahrungen aus der Ukraine um und entwickeln unser industrielles Potenzial auf dynamische Art und Weise. Europa ist aufgewacht. Als wir uns Ende 2024 zum ersten Mal in Berlin trafen, herrschte eine große Unsicherheit", sagte Kosiniak-Kamysz.
Zur Vorbereitung auf den NATO-Gipfel in Ankara werde noch ein weiteres Treffen stattfinden:
"Wir wissen bereits, dass es auf dem Gipfel in Ankara darum gehen wird, die Fähigkeiten der NATO zu bewerten und sie zu präsentieren. So wie wir in Den Haag über die Höhe der Ausgaben entschieden haben, werden wir in Ankara konkrete Fähigkeiten diskutieren und vorstellen", kündigte er an.