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Amerikas Elite-Jet in Israel: Neue Machtdemonstration im Nahen Osten

Ein F-22 Raptor der US-Luftwaffe führt auf der Langley Air Force Base in Hampton, Virginia, am Montag, 30. April 2012, Demonstrationsmanöver durch.
Ein F-22 Raptor der US-Luftwaffe führt auf der Langley Air Force Base in Hampton, Virginia, am Montag, 30. April 2012, Demonstrationsmanöver durch. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Hassan Haidar & Euronews
Zuerst veröffentlicht am
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Die USA haben zwölf F-22-"Raptor"-Jets nach Israel verlegt und senden damit ein klares Signal an den Iran. Der Hightech-Jet gilt als Speerspitze der US-Luftwaffe und wird nicht exportiert. Während diplomatisch verhandelt wird, baut Washington seine Militärpräsenz in der Region sichtbar aus.

Mit der Landung von zwölf F-22-"Raptor"-Jets auf einem Stützpunkt der israelischen Luftwaffe haben die USA ein deutliches Signal in die Region gesendet. Die Lage mit dem Iran ist angespannt, Washington baut seine Militärpräsenz im Nahen Osten aus. Das war keine reine Routine- oder Logistikaktion. Es ist Teil einer größeren Operation, in der die USA ihre Luft- und Seestreitkräfte verstärken und ihre Fähigkeiten für unterschiedliche Szenarien neu positionieren.

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Zusätzliche Bedeutung bekommt der Schritt durch die Rolle dieses Flugzeugs in der Operation "Midnight Hammer" im Juni 2025. Damals begleiteten F-22 unter anderem B-2-Bomber und sicherten den Luftraum, während Ziele im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm angegriffen wurden.

In den vergangenen Wochen hat sich gezeigt: Die USA beschränken sich nicht darauf, den diplomatischen Prozess zu begleiten. Sie flankieren ihn mit sichtbarer militärischer Abschreckung. Die F-22 gilt als Speerspitze der amerikanischen Luftüberlegenheit. Sie ist zudem ein System, das die USA aus Gründen des Technologievorsprungs nicht exportieren.

Dass ausgerechnet dieses Muster außerhalb des US-Territoriums auftaucht, wirft Fragen auf. Was kann die F-22, was andere Kampfflugzeuge nicht können? Warum ist ihre Verlegung in eine Krisenregion mehr als eine technische Notiz? Und welche Botschaft steckt dahinter, wenn Washington ein solches System in Reichweite potenzieller Konfliktzonen stationiert?

Die F-22 "Raptor": Symbol für Luftüberlegenheit

Die F-22 ist ein Kampfflugzeug der fünften Generation. Sie steht für ein Konzept, das Geschwindigkeit, Tarnkappentechnik, extreme Wendigkeit und Sensorik kombiniert. Ziel ist, den Luftraum von Beginn an zu dominieren: Gegner sollen früher erkannt, verfolgt und bekämpft werden, als sie selbst reagieren können.

Auf diesem Dateifoto vom Freitag, 26. Oktober 2007, ist eine F-22 Raptor bei einer Flugshow auf der New Orleans Air Show in Belle Chasse, Louisiana, zu sehen.
Auf diesem Dateifoto vom Freitag, 26. Oktober 2007, ist ein F-22 Raptor bei einer Flugvorführung auf der New Orleans Air Show in Belle Chasse, Louisiana, zu sehen. Alex Brandon/AP2007

Konstruktionsidee: Kontrolle vor dem Kampf

Laut US-Luftwaffe ist die F-22 eine Kombination aus Tarnkappe, Überschallflug ohne Nachbrenner, überlegener Manövrierfähigkeit und integrierter Avionik. Die USAF bezeichnet das Flugzeug als "Quantensprung in den Kampffähigkeiten". Es soll schnell über große Entfernungen Lufthoheit herstellen und Bedrohungen ausschalten, bevor sie US-Kräfte gefährden.

Die Grundidee lautet: Der Gegner soll den Kampf verlieren, bevor er überhaupt richtig beginnt. Dazu muss die F-22 Bedrohungen entdecken, verfolgen und anvisieren können, bevor sie selbst entdeckt wird.

Tarnkappe: Weniger Zeit für den Gegner

Die geringe Radar-Signatur der F-22 verkleinert nach Darstellung der US-Luftwaffe den wirksamen Einsatzbereich gegnerischer Flugabwehrsysteme. Der Gegner sieht das Ziel später, hat weniger Reaktionszeit und verliert die Initiative. Tarnkappe bedeutet dabei nicht "unsichtbar", aber deutlich schwerer zu orten und zu verfolgen.

Auf diesem von der US-Luftwaffe am 1. September 2019 veröffentlichten Foto ist ein F-22 Raptor der US-Luftwaffe zu sehen.
Auf diesem von der US Air Force am 1. September 2019 veröffentlichten Bild ist ein F-22 Raptor der US Air Force zu sehen. U.S. Air Force

"Supercruise": Überschall ohne Nachbrenner

Die F-22 wird von zwei Pratt & Whitney F119-PW-100-Triebwerken angetrieben. Damit kann sie Geschwindigkeiten von über Mach 1,5 erreichen, ohne den Nachbrenner zu nutzen. Diese Fähigkeit heißt "Supercruise". Der Vorteil: weniger Treibstoffverbrauch als beim Nachbrenner, größere Reichweite und längere Verweildauer im Einsatzgebiet bei hoher Geschwindigkeit.

Wendigkeit: Überlegenheit im Luftkampf

Die F-22 setzt auf ein hohes Schub-Gewichts-Verhältnis und Schubvektorsteuerung. Das heißt: Die Triebwerke können den Schub gezielt umlenken, um extrem schnelle Richtungswechsel zu ermöglichen. Nach Angaben der US-Luftwaffe soll diese Kombination eine Manövrierfähigkeit liefern, die auch zukünftigen Flugzeugen überlegen sei. Das ist besonders im Nahkampf relevant, aber auch für Ausweichmanöver und Überlebensfähigkeit.

Sensoren und Datenfusion: "Erstschlagchance"

Der US-amerikanische Rüstungs- und Technologiekonzern Lockheed Martin stellt das Flugzeug in Zusammenarbeit mit Boeing her. Das Unternehmen erklärt, dass der Kern der Überlegenheit der F-22 in der Integration von fortschrittlichen Sensorsystemen mit Avionik und Bewaffnung in ein einziges integriertes System liegt.

Die F-22 soll Daten aus verschiedenen Quellen zu einem Lagebild zusammenführen. Das reduziert die Informationsflut und beschleunigt Entscheidungen. In der Praxis soll das die "Erstschlagchance" erhöhen: Gegner entdecken und bekämpfen, bevor sie überhaupt wissen, dass sie im Visier sind.

 Ein F-22 Raptor der US Air Force führt während einer Vorführung auf der Langley Air Force Base in Hampton, Virginia, am Montag, den 30. April 2012, Manöver mit geöffneten Waffenklappen durch.
Ein F-22 Raptor der US Air Force führt während einer Vorführung auf der Langley Air Force Base in Hampton, Virginia, am Montag, 30. April 2012, Manöver mit geöffneten Waffenklappen durch. Steve Helber/AP

Bei Luftüberlegenheitsmissionen kann die F-22 ihre Bewaffnung intern tragen, damit die Radar-Signatur niedrig bleibt. Typisch sind bis zu sechs AIM-120-Luft-Luft-Raketen und zwei AIM-9, dazu eine 20-mm-Bordkanone. Für Luft-Boden-Einsätze kann sie auch präzisionsgelenkte Bomben tragen, etwa aus der GBU-Reihe. Entscheidend ist dabei: Die Waffen bleiben möglichst im Rumpf, um die Stealth-Eigenschaften nicht zu verschlechtern.

Die F-22 wurde im Dezember 2005 in Dienst gestellt. Offiziellen Angaben zufolge sind bis August 2022 183 Maschinen im Einsatz. Die Kosten werden häufig mit rund 143 Millionen US-Dollar pro Flugzeug angegeben. Je nach Berechnungsmethode können die Zahlen jedoch variieren.

Warum die F-22 nicht exportiert wird

Die USA untersagen den Export der F-22 selbst an engste Verbündete. Grundlage ist eine gesetzliche Regelung, die als "Obey Amendment" bekannt ist und im Verteidigungshaushalt Ende der 1990er Jahre verankert wurde. Sie verhindert, dass Bundesmittel für den Export oder die Exportgenehmigung genutzt werden.

Die Produktionslinie wurde 2011 gestoppt. Insgesamt wurden 195 Flugzeuge gebaut, davon gingen 187 in den aktiven Bestand. Als Gründe gelten hohe Kosten und die Verlagerung auf andere Programme wie die F-35.

Das Exportverbot hat nicht nur finanzielle Gründe. Es geht auch um besonders sensible Technologien, etwa Tarnkappeneigenschaften, Sensorfusion und Triebwerkstechnik.

Mehr als Technik: eine strategische Botschaft

Die F-22 ist damit nicht nur ein weiteres Kampfflugzeug, sondern ein System zur Durchsetzung von Lufthoheit. Wenn Washington sie in eine Krisenregion verlegt, ist das auch strategisch motiviert. Die Botschaft lautet: Die USA können den Luftraum kontrollieren, schnell reagieren und ihre Abschreckung glaubhaft unterlegen.

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