Mehrere europäische Staaten verschärfen ihre Reisehinweise für Israel und die palästinensischen Gebiete. Gleichzeitig häufen sich Berichte über eine verstärkte US-Militärpräsenz in der Region und diplomatische Warnungen aus China. Steht ein US-Angriff auf den Iran unmittelbar bevor?
Die Warnsignale für einen möglichen US-Angriff auf den Iran verdichten sich: Mehrere europäische Regierungen haben ihre Reisehinweise für Israel verschärft.
Auswärtiges Amt rät "dringend" von Reisen nach Israel ab
Das deutsche Auswärtige Amt rät deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern "dringend" davon ab, nach Israel und nach Ostjerusalem zu reisen. "Von Reisen nach Israel sowie nach Ostjerusalem wird dringend abgeraten", heißt es auf der Reise- und Sicherheitsseite zu Israel des Auswärtigen Amtes. Israel befinde sich weiterhin formell im Kriegszustand.
Auch Frankreich, Portugal und Griechenland warnen ausdrücklich vor Reisen in die Region. Das französische Außenministerium erinnert seine Staatsbürger daran, dass es "nicht ratsam" sei, nach Israel, Jerusalem und in die Westbank zu reisen, "auch nicht touristischer oder familiärer Natur", und verweist auf die Sicherheitslage im Iran sowie mögliche Flugausfälle und -verschiebungen.
Die griechische Regierung rät seinen Staatsbürgern, "nicht-essentielle Reisen" nach Israel, in die palästinensischen Gebiete und in den Iran zu vermeiden, wie sie in einer aktuellen Erklärung mitteilt.
USA setzen weiterhin auf Diplomatie
Neben militärischen Signalen setzt die US-Regierung weiter auf diplomatische Hebel. Außenminister Marco Rubio will laut US-Außenministerium am Montag und Dienstag nach Israel reisen, um unter anderem über Iran, den Libanon und Trumps Gaza-Friedensplan zu sprechen. Das Treffen könnte darauf hindeuten, dass Washington die Verhandlungsfrist noch einmal verlängern will, statt einen unmittelbaren Angriff zu führen.
Gleichzeitig wächst der Kreis der Länder mit Reise- und Abreisewarnungen. Die US-Botschaft in Jerusalem hat die "authorised departure" für nicht essenzielle US-Regierungsmitarbeiter und deren Familien angeordnet. Sie können damit freiwillig auf Staatskosten ausreisen. Begründet wird das mit "Sicherheitsrisiken". Betroffenen wird geraten, das Land möglichst rasch zu verlassen, solange noch kommerzielle Flüge verfügbar sind.
Berichte: Hinweise auf verstärkte US-Militärpräsenz
Parallel dazu häufen sich laut Berichten aus Deutschland und internationalen Medien Hinweise auf einen möglichen US-Militärschlag gegen den Iran. Die Zeitung BILD berichtet, dass der Flugzeugträger USS Gerald Ford vor der israelischen Küste eintreffen soll und damit der zweite US-Träger in der Region wäre – ein Schritt, der die US-Luftpräsenz im Nahen Osten auf das höchste Niveau seit dem Irakkrieg 2003 heben würde.
Laut weiteren Berichten sollen 14 amerikanische Tankflugzeuge auf dem Flughafen "Ben Gurion" in Israel gelandet sein und mehrere US-Kampfjets auf israelischen Basen startbereit stehen.
Die Spannungen spiegeln sich auch in diplomatischen Warnungen Chinas. Die chinesische Regierung hat nach mehreren internationalen Berichten ihre Staatsbürger im Iran aufgefordert, das Land "so schnell wie möglich" zu verlassen, und zuvor bereits von Reisen in den Iran abgeraten. Gleichzeitig warnte Peking seine Staatsbürger in Israel zu besonderer Wachsamkeit, weil die Sicherheitsrisiken in der Region deutlich gestiegen seien.
Ungewissheit über hochangereichertes Uran
Einen weiteren Beleg für die angespannte Sicherheitslage liefert die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Laut einem vertraulichen Bericht, der Reuters vorliegt, hat die UN‑Atomaufsicht Teheran aufgefordert, Inspektoren umgehend wieder Zugang zu allen iranischen Nuklearanlagen zu gewähren. Besondere Sorge herrsche um den Verbleib hochangereicherten Urans sowie um die Lage am Standort Isfahan. Die Behörde betont demnach, dass die Wiederaufnahme der Überprüfungen "unverzichtbar und dringend" sei.
Seit den Luftangriffen der USA und Israels auf iranische Atomstätten im Juni 2025 haben die IAEA‑Inspektoren keinen Zugang mehr zu den drei bekannten Anreicherungsanlagen, die zu diesem Zeitpunkt in Betrieb waren. Die Atomaufseher wissen daher weder, in welchem Zustand sich die Anlagen aktuell befinden, noch was mit den dort gelagerten Materialbeständen geschehen ist.
Trump "nicht glücklich" mit Iran
In der US-Politik verstärken sich zudem die kommunikativen Signale. US‑Präsident Donald Trump selbst hat die Lage noch einmal verschärft – ohne eine Entscheidung für einen Angriff klar zu bestätigen.
Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag meldet, sagte Trump in Washington, er sei "nicht glücklich" mit der Haltung Irans bei den Verhandlungen. "Ich bin nicht glücklich über die Tatsache, dass sie nicht bereit sind, uns das zu geben, was wir haben müssen. Deshalb bin ich auch nicht begeistert", erklärte er gegenüber Journalisten. Trump betonte demnach, er habe noch nicht entschieden, ob er den angedrohten Militärschlag gegen den Iran tatsächlich durchführen werde.
US-Vizepräsident JD Vance betonte zudem in einem Interview mit der Washington Post, die USA dürften "die Fehler der Vergangenheit" nicht wiederholen, aber auch "nicht zu viel aus den Lehren der Vergangenheit ableiten" – eine Formulierung, die eine militärische Option offenlässt.
Ob US-Präsident Donald Trump bereits eine Entscheidung zum Angriff getroffen hat, ist unklar. Die aktuellen Reisewarnungen europäischer Staaten, die sichtbare militärische Aufrüstung der USA im Nahen Osten und die Warnungen Chinas deuten jedoch darauf hin, dass die Region in eine besonders heikle Phase vor möglichen militärischen Schritten eintritt.