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Krieg, Betrug, Geldwäsche: Wie Ukrainerinnen in illegale Wettgeschäfte gerieten

Beschlagnahme im Rahmen der Operation Sonnenblumen
Beschlagnahme im Rahmen der Operation Sonnenblumen Copyright  Policía Nacional
Copyright Policía Nacional
Von Jesús Maturana
Zuerst veröffentlicht am
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Die Nationalpolizei Spaniens hat ein ukrainisches Verbrechernetz zerschlagen, das mit gestohlenen Identitäten und Frauen aus Kriegsgebieten fast fünf Millionen Euro ergaunerte.

Die Ermittlungen zur Operation "Sonnenblumen" begannen im Oktober 2023 und zogen sich über mehr als zwei Jahre hin, bis sich das wahre Ausmaß der Aktivitäten klar herauskristallisierte. Die Beamten der spanischen Nationalen Polizei sind auf eine gut organisierte Betrugsstruktur gestoßen, die wusste, wo sie viele ihrer Opfer finden konnte – in den am stärksten vom Krieg betroffenen Regionen der Ukraine.

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Das System operierte größtenteils innerhalb Spaniens, insbesondere in den Regionen Alicante und Valencia, die Drahtzieher kamen ebenfalls aus der Ukraine.

Die Betrüger rekrutierten vor allem junge Frauen, die sich in besonders prekären Situationen befanden. Sie übernahmen die Kosten für eine Reise nach Spanien und sicherten Unterkunft sowie Verpflegung zu.

Nach ihrer Ankunft wurden die Frauen in die sogenannten CREADE-Zentren für Vertriebene gebracht, wo sie vorübergehenden Schutz erhielten. Mit diesen offiziellen Dokumenten in der Hand war der nächste Schritt die Bank: Es wurden Girokonten eröffnet und Kreditkarten ausgestellt, die von diesem Moment an vollständig unter Kontrolle der Organisation standen. Auf diese Weise konnten mindestens 55 Frauen identifiziert werden.

Bots, niedrige Quoten und 5.000 gefälschte Identitäten

Das eigentliche Geschäft des Netzwerks war nicht Menschenhandel, sondern das, was mit den Bankkonten geschah. Die Organisation setzte automatisierte Wettprogramme – sogenannte Bots – ein.

Das System war simpel: Tausende gleichzeitige Wetten zu sehr niedrigen Quoten reduzierten das Risiko und generierten einen konstanten Strom kleiner Gewinne, die sich zu Millionen summierten.

Um diese Wetten zu platzieren, wurden Konten auf Glücksspielplattformen benötigt – und dafür Identitäten, die gestohlen wurden. Das Netzwerk nutzte insgesamt Daten von über 5.000 Personen aus 17 Ländern, ohne dass diese davon wussten. Die geschätzten Gewinne belaufen sich auf rund 4,75 Millionen Euro.

Luxusimmobilien und Kryptowährungen für Geldwäsche

Das auf den Glücksspielplattformen erwirtschaftete Geld erschien für die Ermittler zunächst legitim. Von dort aus wurde es auf die Konten der Ukrainerinnen oder auf die eigenen Konten der Organisation in verschiedenen Ländern überwiesen. Mit diesen Mitteln kauften sie Luxusimmobilien in Europa, die anschließend touristisch vermietet wurden, um die Gewinne zu steigern und das Geld zu verschleiern.

Bei gleichzeitig durchgeführten Razzien in Spanien und der Ukraine – neun in Spanien, acht in der Ukraine – beschlagnahmten die Ermittler mehr als 200.000 Euro in Kryptowährungen, 73.000 Euro in bar, vier hochwertige Fahrzeuge, 88 Mobiltelefone, 20 Computer und 22 Bots.

Zudem wurden zehn Immobilien im Wert von über zwei Millionen Euro sowie Bankkonten in zehn Ländern mit knapp 470.000 Euro eingefroren. Sechs der zwölf Festgenommenen kamen in Untersuchungshaft. Die Operation erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Europol, Interpol, der ukrainischen Polizei und der spanischen Generaldirektion für Glücksspielregulierung.

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