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Bab al-Mandab: Irans zweites Nadelöhr neben der Straße von Hormus

Das US-Amphibienlandungsschiff USS Carter Hall und das amphibische Angriffsschiff USS Bataan durchqueren am 9. August 2023 die Straße von Bab-el-Mandeb
Das US-Amphibienlandungsschiff USS Carter Hall und das amphibische Angriffsschiff USS Bataan durchqueren am 9. August 2023 die Straße von Bab-el-Mandeb Copyright  أب
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Von Samia Mekki
Zuerst veröffentlicht am
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Analysten sehen Bab al-Mandab als "zweite Straße von Hormus" für Teheran: ein Hebel, um Druck auf die USA, Israel und die Weltwirtschaft auszuüben. Angriffe wären für Iran vergleichsweise risikoarm – die Houthis könnten sie übernehmen.

Während die Welt auf die Straße von Hormus blickt, deutet Teheran bereits an, dass Bab al-Mandab das nächste Ziel sein könnte.

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In einem Interview mit Al Jazeera warnte ein iranischer Militärvertreter, sein Land könne seine Kampagne auf eine weitere Meerenge ausweiten, falls Washington, wie er sagte, einen "strategischen Fehler" begehe.

Zugleich betonte er, Teheran verfüge weiterhin über militärische Pläne, die sich systematisch und schrittweise umsetzen ließen. Auch wenn der Militärvertreter Bab al-Mandab nicht ausdrücklich nannte, drängt sich diese lebenswichtige Wasserstraße zwischen Jemen und Dschibuti sofort auf, der südliche Zugang zum Roten Meer.

Die Huthis, Verbündete Teherans, können diese Passage kontrollieren, da der Jemen an sie grenzt. Sollte die Gruppe mit grünem Licht aus Teheran dort eingreifen, wäre das ein schwerer Schlag für die internationale Schifffahrt, da es einer der letzten Seewege wäre, über die die Golfstaaten ihr Öl exportieren können.

Ein Mann spaziert am Ufer, während sich Öltanker und Frachtschiffe in der Straße von Hormus aufreihen, 11. März 2026
Ein Mann spaziert am Ufer, während sich Öltanker und Frachtschiffe in der Straße von Hormus aufreihen, 11. März 2026 AP Photo/Altaf Qadri

Analysten sehen in Bab al-Mandab für Teheran eine "zweite Straße von Hormus", mit der sich der Druck auf die USA, auf Israel und auf die ganze Welt erhöhen ließe, indem eine der wichtigsten Arterien der Weltwirtschaft getroffen wird. Ein Angriff dort wäre für den Iran weniger kostspielig, weil er nicht die eigenen Streitkräfte in Gefahr bringen müsste, sondern diese Aufgabe schlicht den Huthis überlassen könnte.

Was wissen wir über Bab al-Mandab?

Bab al-Mandab – das "Tor der Tränen"

Der Überlieferung nach verdankt Bab al-Mandab seinen Namen den Gefahren der Schifffahrt in dieser Passage sowie den zahlreichen Schiffskatastrophen und Menschenleben, die im Laufe der Geschichte hier verloren gingen. Viele Seeleute ertranken in der engen Meerenge, weshalb sie auch als "Tor der Tränen" bezeichnet wird.

Schon früher kam es in diesem Gewässer immer wieder zu Schiffsunglücken. Starke Strömungen und heftige Winde machen die Passage bis heute schwierig zu befahren. Selbst moderne Schiffe sind nicht völlig sicher, auch weil in der Region noch immer Seeminen aus früheren Konflikten eine Gefahr darstellen.

Bab al-Mandab ist heute eine strategisch entscheidende Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean. Auf der westlichen Seite der Meerenge liegen Dschibuti und Eritrea, während sich auf der östlichen Seite der Jemen befindet. Für die Weltwirtschaft ist Bab al-Mandab ein zentraler Knotenpunkt, da ein grosser Teil des globalen Handels über Seewege abgewickelt wird.

ARCHIV– MV Tutor sinkt im Roten Meer, nachdem sie am 12. Juni 2024 von einem Drohnenschiff der Houthis getroffen wurde
ARCHIV– MV Tutor sinkt im Roten Meer, nachdem sie am 12. Juni 2024 von einem Drohnenschiff der Houthis getroffen wurde Etat-Major des Armées/France via AP, File

Bab al-Mandab – eine weitere Lebensader für Öl und Gas aus dem Golf

Bab al-Mandab gilt nach der Straße von Hormus als eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Jährlich passieren mehr als 20.000 Frachtschiffe die Meerenge und transportieren im Durchschnitt rund 1,6 Milliarden Tonnen Güter. Schätzungen zufolge wurden 2018 etwa 6,2 Millionen Barrel Rohöl und raffinierte Erdölprodukte durch Bab al-Mandab verschifft.

Das entspricht rund neun Prozent des weltweiten Öltransports auf dem Seeweg. Nach verschiedenen Berechnungen werden zwischen 12 und 15 Prozent des globalen Handels über diese Passage abgewickelt. Fällt die Route aus, müssen Schiffe Afrika über das Kap der Guten Hoffnung umfahren. Dadurch verlängert sich die Reise um etwa zehn Tage bis zu zwei Wochen. Hinzu kommen deutlich höhere Kosten: Allein der zusätzliche Treibstoffverbrauch kann die Ausgaben pro Fahrt um rund 10 bis 14 Millionen Dollar erhöhen.

Wer kontrolliert Bab al-Mandab?

Aufgrund seiner strategischen Bedeutung unterliegt Bab al-Mandab den Regeln der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in London. An seiner engsten Stelle ist die Meerenge nur etwa 26 Kilometer breit. Wegen dieser geringen Breite fallen ihre Gewässer völkerrechtlich in die Hoheitsgebiete zweier Staaten: Dschibuti auf der westlichen und der Jemen auf der östlichen Seite.

Genau darin liegt auch das Risiko, dass die Huthis in die derzeitige Konfrontation zwischen dem Iran auf der einen sowie Israel und den USA auf der anderen Seite hineingezogen werden könnten. Bislang hat die Gruppe keine klaren Anzeichen für einen direkten Kriegseintritt gegeben. Zwar verurteilte ihr Anführer Abdul Malik al-Houthi vor mehr als einer Woche die Tötung des Revolutionsführers Ali Chamenei und rief die Iraner dazu auf, standhaft zu bleiben.

Eine konkrete Drohung, selbst in die Kämpfe einzugreifen oder neben der Front im Libanon eine weitere Front zu eröffnen, sprach er jedoch nicht aus. Trotz al-Houthis Behauptung, die Bewegung halte weiterhin die Fäden in der Hand, deuten Beobachter dieses Schweigen als Zeichen der Vorsicht. Viele sehen darin die Sorge vor einer harten Reaktion der USA – insbesondere nachdem im Mai 2025 ein Waffenstillstand mit Washington vereinbart worden war.

Öltanker und Frachtschiffe reihen sich in der Straße von Hormus auf, 11. März 2026
Öltanker und Frachtschiffe reihen sich in der Straße von Hormus auf, 11. März 2026 AP Photo/Altaf Qadri

Sollte sich die Lage dennoch ändern, könnte dies das Ende der "relativen Ruhe" bedeuten, die die Beziehungen zu Saudi-Arabien seit fast vier Jahren geprägt hat. Eine Blockade der Schifffahrt in der Straße von Hormus würde diese fragile Stabilität gefährden, denn der Seeweg ist für Riad und andere Golfstaaten zu einer der wichtigsten Routen geworden, um weiterhin Öl nach Europa und Asien zu exportieren.

Was würde passieren, wenn Bab al-Mandab blockiert wird?

Sollten die Huthis Bab al-Mandab blockieren, käme das faktisch einer Unterbrechung der Ölexporte der Golfstaaten gleich. Saudi-Arabien etwa ist auf ein Netz von Pipelines angewiesen, die den Osten und Westen des Königreichs mit den Häfen am Roten Meer verbinden und von dort weiter zu den asiatischen Märkten führen. Eine Schließung der Passage würde diese lebenswichtige Route unterbrechen und nach Einschätzung von Beobachtern die Öllieferungen aus der Region innerhalb weniger Wochen weitgehend zum Stillstand bringen.

Auch die Schifffahrt zwischen dem Golf und den europäischen Märkten wäre massiv betroffen. Der derzeit kürzeste Seeweg führt über den Suezkanal. Fiele Bab al-Mandab aus, müssten Schiffe ihre Route ändern und einen Umweg von etwa 3.000 bis 4.000 Seemeilen in Kauf nehmen. Dadurch würden sowohl die Transportzeiten als auch die Treibstoffkosten erheblich steigen. Selbst ohne eine vollständige Schließung hat die Passage bereits deutlich an Bedeutung verloren.

Die aktuellen Spannungen sowie die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran haben den Schiffsverkehr spürbar beeinträchtigt. Seit Anfang 2026 ist der Transit im Vergleich zu Ende 2023 um rund 40 bis 60 Prozent zurückgegangen. Damals hatten die Huthis im Zuge ihrer Unterstützung für die Palästinenser im Gazastreifen eine Konfrontation mit Israel begonnen und eine Blockade gegen Schiffe verhängt, die aus dem Roten Meer israelische Häfen anlaufen wollten.

Bis Ende 2024 war der Öltransport durch Bab al-Mandab bereits um mehr als die Hälfte gesunken, während Tanker für Flüssigerdgas nahezu vollständig gestoppt wurden. Auch heute hat sich die Lage noch nicht normalisiert. Daten eines Seeverkehrsdienstes zeigten am 9. März lediglich 16 Schiffe, die die Meerenge mit Rohöl, Containern oder anderer Fracht passierten.

Dieses relativ geringe Verkehrsaufkommen liegt zwar über dem derzeit nahezu zum Erliegen gekommenen Verkehr in der Straße von Hormus, die mit Ausnahme von Schiffen, die von den iranischen Revolutionsgarden genehmigt wurden, praktisch geschlossen bleibt.

Die wirtschaftliche Bedeutung bestimmt das militärische Vorgehen

Die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Bab al-Mandab gilt als einer der Hauptgründe für die umfangreichen Maßnahmen zur Sicherung der Schifffahrtswege. Sie erklärt auch die hohe Zahl ausländischer Militärstützpunkte am westlichen Ufer der Meerenge, vor allem in Dschibuti.

Dort unterhalten unter anderem China, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Japan und Italien militärische Einrichtungen. Das kleine Land mit knapp einer Million Einwohnern und einer Fläche von rund 23.200 Quadratkilometern hat seine strategische Lage geschickt genutzt. Dschibuti liegt an der Nordostküste Afrikas und in unmittelbarer Nähe zu Bab al-Mandab.

Diese Position hat es dem Staat ermöglicht, Grossmächten und regionalen Regierungen sein Territorium für den Bau von Landebahnen, Ausbildungszentren, Häfen und logistischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.

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