Zehntausende Menschen kamen am Samstag bundesweit zu Nowruz-Feiern zusammen. Das Fest steht in diesem Jahr besonders stark im Zeichen politischer Spannungen.
Rund 50.000 Menschen haben am Samstag allein in Bonn das persische Neujahrsfest Nowruz gefeiert. Die zentrale Veranstaltung fand in der Rheinaue statt, wo laut Polizei bereits ab dem Vormittag tausende Teilnehmer erwartet wurden. Die Organisatoren rechneten mit einer Anreise von bis zu 4.000 Autos und rund 50 Bussen – auch aus anderen Teilen Deutschlands und dem benachbarten Ausland. Einige haben sogar im Auto übernachtet.
Die Veranstaltung in Bonn stand nicht nur im Zeichen des Frühlingsbeginns. Thema war auch die Lage in den kurdischen Gebieten Syriens. Die Kundgebung war bis in den Abend angesetzt und wurde von einer Privatperson angemeldet.
Die Bonner Polizei sprach am Samstagmittag von einem vollkommen friedlichen Verlauf.
Deutschlandweite Feierlichkeiten
Auch in anderen deutschen Städten fanden große Nowruz-Feierlichkeiten statt. So rechneten in Frankfurt am Main die Veranstalter mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Bereits im Jahr 2025 hatten dort rund 50.000 Menschen das Fest begangen.
In Berlin gaben unter anderem das Humboldt Forum und das Haus der Kulturen der Welt dem Fest einen kulturellen Rahmen.
Die Nowruz-Großveranstaltung in Frankfurt am Main stand zumindest bis 2024 unter Beobachtung des hessischen Verfassungsschutzes, wie aus dem aktuellen Bericht für 2025 hervorgeht. Hintergrund ist, dass Teile der kurdischen Bewegung in Deutschland und der EU mit der als Terrororganisation eingestuften PKK in Verbindung gebracht werden. Entsprechend stehen größere Veranstaltungen dieser Art regelmäßig im Fokus der Sicherheitsbehörden.
Neujahrsfest in Zeiten von Krieg und Konflikt
Nowruz, auch Newroz oder Nauroz genannt, ist ein traditionelles Neujahrs- und Frühlingsfest, das zur Tagundnachtgleiche im März begangen wird. Es hat persische Wurzeln und wird in verschiedenen Regionen gefeiert – unter anderem von Kurden.
In diesem Jahr wird das Fest zudem von aktuellen Konflikten überschattet – insbesondere durch die Lage im Iran. Für viele Teilnehmende ist das Feiern daher ambivalent.
"Manche empfinden es als unangebracht, in der aktuellen Lage zu feiern", sagte eine Teilnehmerin dem Hessischen Rundfunk. "Aber so, wie die Bewegung im Iran gerade aussieht, würde ich sagen: Die Leute versuchen, als Akt des Widerstands nicht aufzuhören."
Schätzungen des Mediendienstes Integration zufolge leben in Deutschland rund 1,3 Millionen Kurden. Eine genaue Zahl gibt es jedoch nicht, da offizielle Statistiken die ethnische Zugehörigkeit nicht erfassen. Da es keinen kurdischen Staat gibt, werden Kurden in Deutschland statistisch deshalb nach ihrer Staatsangehörigkeit erfasst: Sie besitzen entweder die deutsche Staatsbürgerschaft, die Staatsangehörigkeit ihres Herkunftslandes – etwa der Türkei, Syriens oder des Irak – oder sind staatenlos.