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Trotz Protesten: Regierung will Syrien finanziell unterstützen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem syrischen Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt, Berlin am 30. März 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem syrischen Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt, Berlin am 30. März 2026 Copyright  NADJA WOHLLEBEN
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Von Laura Fleischmann
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Deutschland sieht Chancen im zerstörten Syrien: Regierung und Wirtschaft setzen auf Wiederaufbau und Investitionen. Doch Vorwürfe gegen al-Scharaa und Proteste werfen Schatten auf den Kurs.

Trotz schwerer Vorwürfe der Unterdrückung von Minderheiten gegen den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa spricht sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) klar dafür aus, das Land zu unterstützen: "Wir stehen an der Seite Syriens", so Wadephul in einer Rede bei einem deutsch-syrischen Wirtschaftstreffen.

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"Die Syrer verdienen eine Chance, und wir möchten helfen, dass diese Chance gut genutzt wird", erklärte Wadephul. Die Bundesregierung sehe bei der wirtschaftlichen Entwicklung Syriens eine "starke Rolle für Deutschland".

"Geschäftschancen" sieht auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), so n-tv. Optionen gäbe es beispielsweise im Energiesektor, in der Bauwirtschaft oder im Maschinen- und Anlagenbau. Thema sei bei dem Gipfel auch der Bau von Kraftwerken. Reiche hoffe auf einen "florierenden Handel" mit Syrien. An dem Treffen sollen rund 40 deutsche Unternehmen teilgenommen haben.

Die Zerstörung in Syrien sei "gigantisch", doch das biete die Chance auf einen "Neuanfang", so der ehemalige Dschihadist al-Scharaa in Berlin. Sein Land sei ein "sicherer Hafen für Lieferketten" sowie eine "große Investitionschance im Bereich der Infrastruktur". Auch für Touristen sei Syrien attraktiv.

Syrischer Präsident Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt, Berlin, 30. März 2026
Syrischer Präsident Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt, Berlin, 30. März 2026 Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Im Zuge des Besuchs finden in Berlin zahlreiche Demonstrationen statt. Sie werfen al-Scharaa vor, Minderheiten in Syrien zu unterdrücken. Vergangenes Wochenende sollen Christen in Al-Suqaylabiyahangegriffen worden sein. Medienberichten zufolge hätten die Angreifer versucht, mehrere Häuser in Brand zu stecken. Al-Scharaa war einst Mitglied der islamistischen Organisation al-Qaida und später Anführer der islamistischen Gruppierung al-Nusra. Er war maßgeblich am Sturz des Diktators Baschar al-Assad beteiligt.

"Es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Unterdrückung systematisch wird", sagt der Jurist und Nahostexperte Naseef Naeem zu Euronews. Gleichzeitig sei der Wiederaufbau Syriens aus europäischer Perspektive wichtig.

"Dass sich das Land durch Diplomatie und Entwicklungshilfe stabilisiert, liegt in unserem Interesse. Beispielsweise wird auch über Syrien als mögliches Energietransferland nachgedacht", so Naeem. "Das ist jetzt, angesichts der Lage am Golf und der Straße von Hormus, besonders wichtig."

Unterstützer des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin, 30. März 2026
Unterstützer des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin, 30. März 2026 Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Auch Sophie Bischoff, Co-Geschäftsführerin von Adopt a Revolution, begrüßt den Dialog zwischen deutschen und syrischen Vertretern. "Der Wiederaufbau in Syrien braucht Unterstützung. Diese sollte jedoch an klare Bedingungen geknüpft sein. So müssen alle gesellschaftlichen Gruppen in Syrien in politische Prozesse eingebunden werden."

"Gleichzeitig sollte die Bundesregierung auf eine zügige Demokratisierung des Landes drängen", plädiert Bischoff. "Abschiebungen sollten vorerst ausgesetzt werden, da sich das Land weiterhin in Trümmern befindet." Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa hatte Merz eine Rückkehr von 80 Prozent der in Deutschland lebenden syrischen Flüchtlinge fordert.

Im Dezember 2025, ein Jahr nach Ende des Bürgerkriegs, sind mehr als zwei Drittel der syrischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen, so die Welthungerhilfe. 9,1 Millionen Menschen leiden akut unter Hunger. Mehr als ein Drittel der Infrastruktur sei zerstört.

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