Neue Wörter tauchen auf wie Metastasen, erklärte der Organisator der größten Medienkonferenz in Frankreich. Der Wert von Journalisten sei im Umfeld von Fake News und Desinformation immer wichtiger, das zeigt auch ein Barometer.
Es ist ein Rekordwert, der seit vier Jahren nicht mehr erreicht wurde: 89 Prozent der Franzosen sagen, dass Journalisten in der heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle zukommt. Das ergab das Viavoice-Barometer.
Das Barometer wurde am Montag, den 6. April, anlässlich des Forums Assises internationales du journalisme in Tours veröffentlicht. Die Konferent wird von verschiedenen französischen Medien wie Ouest-France, France Médias Monde, Radio France und France Télévisions veranstaltet.
Das Barometer zeigt die Beziehung der Franzosen zu Journalisten auf. Neun von zehn Befragten (92 %) "halten ihre Rolle, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden, für wichtig". 72 Prozent der Befragten "halten sie sogar für unverzichtbar", heißt es in der Umfrage.
Diese Sorge ist auch Jérôme Bouvier, dem Vorsitzenden des Vereins Journalisme & Citoyenneté, dem Organisator der Assises, nicht entgangen. "Neue Wörter tauchen in der öffentlichen Debatte wie Metastasen auf: Fake News; Post-Wahrheit; alternative Wahrheit; Verschwörungstheorie.. .", erklärt er. Und weiter: "Getrieben von menschlicher Dummheit wie von künstlicher Intelligenz, von politischem Zynismus wie von den Interessen der Plattformen, vergiften sie in gefährlicher Weise unsere Fähigkeit, zusammenzuleben."
Fake News werden immer präsenter
Und das aus gutem Grund: 49 Prozent der befragten Franzosen gaben an, "häufiger" und 41 Prozent "genauso häufig wie früher" mit Falschmeldungen konfrontiert worden zu sein - ein Beweis dafür, dass Desinformation allgegenwärtig ist.
Das Barometer zeigt auch, dass 90 Prozent anerkennen, dass es "immer mehr Gerüchte oder falsche Informationen im Internet und in sozialen Netzwerken" gibt. Mehr als jeder vierte Franzose (77 %) gab an, dass es "immer schwieriger wird, die Website eines seriösen Mediums [...] von Websites zu unterscheiden, die alle möglichen Arten von ungeprüften Informationen weitergeben".
Donald Trump stehe demnach für diese Unwahrheit. "Um die erste Lüge am ersten Tag seiner ersten Amtszeit zu vertuschen, bestreitet Donald Trumps Presseberaterin 2017 jeden Begriff von 'Wahrheit' und fordert das Recht, ihr 'alternative Fakten' vorzuziehen. Fast zehn Jahre später zwingt [Donald] Trump der Welt das rasante Tempo seiner Wahrheiten auf, die keine sind", schreiben die Assises.
Die Folgen der Verbreitung von Fake News: 19 Prozent der Franzosen - das ist fast jeder Fünfte - glauben, dass "Impfstoffe gegen Covid-19 in Wirklichkeit Überwachungsinstrumente sind", dass "die globale Erwärmung ein rein natürliches Phänomen ist, das nichts mit menschlichen Aktivitäten zu tun hat" und 7 Prozent glauben immer noch, dass die Erde flach ist.
"Meinungen sind frei, Fakten sind heilig"
"In diesem Informationsnebel, der uns blind macht, steht der Journalist an vorderster Front. Umstritten, geschwächt und bedroht, ist er dennoch das ultimative 'demokratische Schutzschild'. Auf der Suche nach der Wahrheit, wie es ihre ethischen Grundsätze verkünden. Entschlossen, den Tatsachen auf den Grund zu gehen, wie es ihr Beruf verlangt", so Bouvier weiter.
Nach Ansicht der Befragten sollte die Hauptaufgabe eines Journalisten darin bestehen, überprüfte Fakten zu ermitteln, "auch wenn dies weit verbreiteten Meinungen widerspricht" (54 %), und "im Alltag das Wahre vom Falschen zu trennen" (51 %).
61 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Medien "bestimmten kontroversen Aussagen von Politikern wie Donald Trump zu viel Aufmerksamkeit schenken". Wie Jérôme Bouvier den britischen Journalisten Charles Prestwich zitiert: "Meinungen sind frei, Fakten sind heilig".