Unter den Getöteten sind Demonstranten und mutmaßliche Oppositionelle. Die UN berichtet von Foltervorwürfen, unfairen Verfahren und einer wachsenden Zahl von Verhaftungen.
Das Teheraner Regime hat in den drei Wochen seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar mindestens 14 Gefangene aus politischen und sicherheitsrelevanten Gründen hingerichtet. Gleichzeitig ist das Internet seit mehr als einem Monat nahezu vollständig abgeschaltet.
Sieben der Hingerichteten waren während der Proteste im Januar verhaftet worden. Ihnen wurde vorgeworfen, einen Basij-Stützpunkt im Osten Teherans in Brand gesetzt zu haben.
Sechs weitere waren wegen angeblicher Verbindungen zur Mujahedin-e-Khalq-Organisation (MEK) – einer iranischen Oppositionsgruppe, die den Sturz der Islamischen Republik anstrebt – zum Tode verurteilt worden. Eine weitere Person wurde während des 12-tägigen Konflikts im vergangenen Sommer unter dem Vorwurf der Spionage für Israel hingerichtet.
Mai Sato, die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte im Iran, berichtete, dass im Jahr 2025 mindestens 1.639 Menschen hingerichtet wurden, im Jahr 2024 waren es 975. Allein im Januar 2026 seien bereits mindestens 100 Menschen hingerichtet worden, erklärte sie in einem am 9. März veröffentlichten Bericht.
Der iranische Justizchef Gholamhossein Mohseni Ejei sagte am Dienstag, Urteile, die die "Konfiszierung von Eigentum und die Hinrichtung" von Personen mit Verbindungen zu feindlichen Gruppen vorsehen, sollten schneller vollstreckt werden. "Es ist ein regelrechter Krieg gegen uns im Gange", sagte er.
Nach den Protesten am 7. und 8. Januar brachte Mohseni Ejei mehrere Demonstranten und Inhaftierte öffentlich mit Israel in Verbindung und bezeichnete sie als "Verräter". Für ihre Bestrafung werde es keine Nachsicht geben, kündigte er an.
Liste der Hinrichtungen wird länger
Die aktuelle Hinrichtungswelle begann am 17. März mit dem iranisch-schwedischen Doppelbürger Kourosh Keyvani, der unter dem Vorwurf der Spionage hingerichtet wurde.
Am 18. März wurden drei während der Januar-Demonstrationen verhaftete Demonstranten – Saleh Mohammadi (19), Saeed Davoudi (21) und Mehdi Ghasemi – in Qom wegen politischer und sicherheitsbezogener Vorwürfe hingerichtet.
Am 30. März folgten die Hinrichtungen von Akbar Daneshvar Kar und Mohammad Taghavi Sangdehi, die zwei Jahre zuvor festgenommen worden waren. Die iranische Justiz erklärte, sie hätten Verbindungen zur MEK gehabt und bewaffnete Operationen in Teheran durchgeführt.
Schon Monate zuvor hatte Sato die iranischen Behörden aufgefordert, die Urteile aufzuheben. In einem Schreiben vom 5. September 2025 erklärte sie, die beiden seien unter Folter und nach langer Einzelhaft zu Geständnissen gezwungen worden.
Sie seien schwer körperlich und psychisch misshandelt worden, hätten keinen Zugang zu Anwälten oder Familienangehörigen gehabt und seien in kurzen Verfahren verurteilt worden, die nicht internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprochen hätten.
Am folgenden Tag wurden Babak Alipour und Pouya Ghabadi hingerichtet. Ihnen wurde vorgeworfen, an bewaffneten Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein und der MEK angehört zu haben.
Die Hinrichtungen setzten sich bis Anfang April fort. Am 2. April wurde der 18-jährige Amirhossein Hatami hingerichtet. Er war während der Januar-Proteste festgenommen und im Zusammenhang mit dem Beschuss einer Basij-Basis angeklagt worden.
Zwei Tage später richteten die Behörden Abolhassan Montazer (66) und Vahid Baniamerian (33) unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der MEK hin. Sie waren im Dezember 2022 verhaftet worden.
Mohammad Amin Biglari und Shahin Vahedparast wurden am 5. April im Zusammenhang mit demselben Fall hingerichtet. Einen Tag später folgte die Hinrichtung des 23-jährigen Demonstranten Ali Fahim, der ebenfalls mit dem Vorfall an der Basij-Basis in Verbindung gebracht wurde.
Umstrittenes Feuer auf die Basij-Basis
Besondere Aufmerksamkeit erregte der Fall von sieben Personen, die beschuldigt wurden, einen Basij-Stützpunkt im Osten Teherans angegriffen zu haben. Alle sieben wurden schließlich hingerichtet.
Nach Angaben der Behörden ereignete sich der Angriff am 7. Januar während landesweiter Proteste. Die Verdächtigen wurden noch in derselben Nacht festgenommen. Zehn Tage später strahlten staatliche Medien Videos aus, in denen fünf von ihnen Geständnisse ablegten und als "fehlgeleitete Jugendliche" dargestellt wurden, die von "vom Ausland unterstützten terroristischen Elementen" beeinflusst worden seien.
Etwa einen Monat später, am 7. Februar, wurden alle sieben Angeklagten vor einem Revolutionsgericht unter Vorsitz des Richters Abolghasem Salavati zum Tode verurteilt.
Menschenrechtsanwälte, die Videoaufnahmen vom Tatort ausgewertet haben, erklären jedoch, dass diese zeigen, wie Personen in das Gebäude gedrängt und anschließend die Türen verschlossen wurden.
Nach Ansicht der Anwälte handelte es sich bei diesen Personen offenbar um Regierungsbeamte, da sie den Zugang zum Gebäude kontrollierten.
Auf dem Video sind Stimmen zu hören, die "nicht drängeln" rufen. Kurz darauf wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Unklar ist bis heute, wer das Feuer gelegt hat.
Die Eingeschlossenen sollen nach oben geflüchtet sein und Fenster eingeschlagen haben, um Luft zu bekommen, bevor sie von Feuerwehrleuten gerettet und unmittelbar festgenommen wurden.
Die Anwälte vermuten, der Vorfall könnte inszeniert worden sein, um Opfer zu verursachen und harte Strafen zu rechtfertigen.
Sie weisen zudem den Vorwurf zurück, die Angeklagten hätten versucht, Waffen zu beschaffen. Einige von ihnen seien nicht einmal Demonstranten gewesen. Zwei sollen Obdachlose gewesen sein, die lediglich zum Ort des Geschehens gekommen seien, um zu sehen, was vor sich ging.
Sato erklärte, die jüngsten Hinrichtungen seien "die Fortsetzung eines langjährigen Musters, bei dem die Todesstrafe eingesetzt wird, um abweichende Meinungen zu unterdrücken".
Sie ergänzte, dass die Einstufung von Demonstranten als Terroristen oder ausländische Agenten bereits während der Proteste von 2022 zu beobachten gewesen sei, die nach dem Tod von Mahsa Amini begonnen hatten.
Menschenrechtsgruppen zufolge wird politischen Gefangenen im Iran häufig der Zugang zu Anwälten verweigert. Zudem würden sie unter Folter zu Geständnissen gezwungen, die später vor Gericht als Beweismittel verwendet werden.
Sato betonte, dass der Begriff "Verbrechen gegen die nationale Sicherheit" im Iran so weit gefasst sei, dass nahezu jede Form von Protest darunter fallen könne. Diese Gesetze würden häufig eingesetzt, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen und die Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit einzuschränken.
Anklagen wie "Krieg gegen Gott", "bewaffnete Rebellion", "Korruption auf Erden", Spionage oder "Handeln gegen die nationale Sicherheit" würden häufig ohne ausreichende Beweise vor Gerichten erhoben, denen es an Transparenz und fairen Verfahren mangele.
Da nur etwa sieben Prozent der Hinrichtungen offiziell bekannt gegeben würden, sei die tatsächliche Zahl vermutlich deutlich höher, erklärte Sato. Einige Oppositionsgruppen gehen davon aus, dass in diesem Jahr bereits mehr als 300 Menschen hingerichtet wurden.
Massenverhaftungen und Inhaftierungen
Seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Militäraktionen gegen Iran am 28. Februar wurde zudem eine neue Welle von Verhaftungen und Fällen gewaltsamen Verschwindenlassens gemeldet. Viele Festgenommene werden beschuldigt, Kontakte zu ausländischen Medien zu haben oder verletzten Demonstranten geholfen zu haben.
Staatliche iranische Medien berichteten am 16. Januar von rund 3.000 Verhaftungen. Menschenrechtsgruppen schätzen jedoch, dass die tatsächliche Zahl in die Zehntausende gehen könnte.
Zu den Festgenommenen zählen Ärzte, Studenten, Künstler, Schriftsteller, Rechtsanwälte, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten.
Die Justiz bestätigte, dass rund 9.000 Anklagen erhoben wurden.
Eine Liste, die Sato am 16. Februar vorgelegt wurde, dokumentiert mehr als 100 inhaftierte Angehörige von Gesundheitsberufen, darunter Ärzte, Krankenschwestern, Apotheker und Medizinstudenten.
Berichten zufolge wurden einige von ihnen nach ihrer Festnahme gefoltert. Der Aufenthaltsort vieler ist weiterhin unbekannt.
Einigen wird vorgeworfen, einen "Krieg gegen Gott" geführt zu haben, weil sie verletzte Demonstranten behandelt haben. Andere wurden festgenommen, weil sie sich Sicherheitskräften widersetzten, die versuchten, Verwundete festzuhalten.
Auch Todesfälle in Haft wurden gemeldet. So starb Berichten zufolge der 28-jährige behinderte Mann Hossein Ghavi aus Ahvaz in einer Hafteinrichtung der Revolutionsgarde (IRGC).