Die polnische Bischofskonferenz hat eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet, die zusammen mit dem Innen- und dem Verteidigungsministerium einen Aktionsplan für den Fall eines bewaffneten Konflikts in Polen entwickelt.
Am 17. März 2026 trafen sich Polens stellvertretender Ministerpräsident und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz und Innenminister Marcin Kierwiński mit katholischen Bischöfen in Warschau.
Sie sprachen über eine mögliche Zusammenarbeit im Fall von Naturkatastrophen, Unglücksfällen und militärischen Bedrohungen. In einem Kommuniqué nach dem Treffen bezeichnete das Innenministerium die Kirche als eine "Säule zur Stärkung der lokalen Sicherheit".
Sorge, dass der Krieg Polen erreichen könnte
In einem Interview mit der Polnischen Presseagentur, das am 7. April veröffentlicht wurde, erklärte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz**,** Erzbischof Tadeusz Wojda: "Es gibt Befürchtungen, dass der Krieg Polen erreichen wird. Glücklicherweise sehen wir nicht tatenlos zu und warten ab, wie sich die Ereignisse entwickeln".
Der katholische Würdenträge betonte, dass sich die staatlichen Behörden der besonderen Rolle der Kirche in Krisensituationen voll bewusst sind.
"Die Regierung ist sich bewusst, dass sich die meisten Polen in einer Krisensituation zuerst an die Kirche und erst dann an die kommunalen Einrichtungen und Ämter wenden werden. Deshalb ist es wichtig, Zugang zu Ressourcen zu haben, die es der Zivilbevölkerung ermöglichen, in einer Krisensituation zu überleben", sagte der Präsident der polnischen Bischofskonferenz in einem Interview mit der Nachrichtenagentur PAP.
Routine im Bereich Zivilschutz und Verteidigung
"Bei der Polnischen Bischofskonferenz wurde ein Expertenteam gebildet, das systemische Lösungen für die Vorbereitung der Kirche auf Krisensituationen und Sicherheitsbedrohungen entwickeln soll**.** Koordinator des in Bildung befindlichen Teams ist Pfr. Dr. Jarosław Mrówczyński, stellvertretender Generalsekretär der Bischofskonferenz," teilte der Sprecher der polnischen Bischofskonferenz, Pater Leszek Gęsiak, in einer Nachricht an Euronews mit.
Wie der Vertreter der katholischen Kirche in Polen erklärt, werden die Aktivitäten des Expertenteams "routinemäßiger Natur sein und zu den Standardaufgaben des Staates im Bereich des Zivilschutzes und der Zivilverteidigung gehören". Ziel der Arbeit ist es, klare, koordinierte Verfahren zu schaffen, um die Bürger und Bürgerinnen im Krisenfall wirksam zu unterstützen.
Pater Leszek Gęsiak fügte hinzu, dass der genaue Umfang der Hilfe bei der Organisation von materieller und logistischer Unterstützung für die Kirchengemeinden noch zwischen Vertretern der Kirche und lokalen Regierungseinheiten vereinbart werden soll.
Arbeitsgruppe, mehr als ein Dutzend Institutionen, drei Bereiche
Der kirchlichen Arbeitsgruppe gehören Vertreter von mehr als einem Dutzend Institutionen an, darunter auch die Caritas Polen, die, wie Erzbischof Wojda betonte, "über eine große Erfahrung in der Unterstützung von Zivilisten verfügt". Der Plan umfasst drei Schlüsselbereiche.
Der erste ist die Unterstützung von Flüchtlingen und die Organisation humanitärer Korridore, wobei das ausgedehnte Netz von Pfarrgemeinden für die Verteilung von Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften genutzt werden könnte. Das zweite Element ist die Sicherung von Gemeindeeinrichtungen als Erste-Hilfe-Stellen - die Regierung hat erklärt, den Gemeinden würde im Krisenfall Material zur Verfügung gestellt: Stromgeneratoren, Wasservorräte, Medikamente und Hygieneartikel. Das dritte Element beinhaltet die Evakuierung und den Schutz von Denkmälern.
Auf die Frage nach der Bereitschaft des Klerus versicherte Erzbischof Wojda, dass "die Priester sich des Problems, das auf sie zukommen könnte, bewusst sind" und vielerorts bereits "spezielle Workshops und Schulungen" durchgeführt würden.
"Der Staat hat uns zugesichert, dass in einer Krisensituation den Pfarreien materielle Hilfen in Form von Stromgeneratoren, Wasservorräten, Medikamenten oder Hygieneartikeln zur Verfügung gestellt werden", sagte Erzbischof Tadeusz Wojda in einem Interview.
"Übliche Praxis"
Ein Sprecher der katholischen Kirche erklärte in einer Nachricht an Euronews, dass die Zusammenarbeit von sozialen Organisationen, einschließlich religiöser Vereinigungen, im Rahmen des Krisenmanagementsystems in Polen und auf der ganzen Welt gängige Praxis ist. "Die Erfahrungen der letzten Jahre - die Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine oder die Reaktion auf das Hochwasser 2024 - haben den Wert einer solchen Zusammenarbeit bestätigt", schrieb er.
Das Innenministerium hatte zuvor betont, dass es in der Zusammenarbeit mit der Kirche "eine Säule sieht, die die lokale Sicherheit stärkt".