Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Wunderbaum Moringa entfernt achtundneunzig Prozent Mikroplastik aus Trinkwasser

Forschende prüften ein salzbasiertes Extrakt aus Moringasamen im Vergleich zu Aluminiumsulfat.
Forschende verglichen einen salzhaltigen Extrakt aus Moringasamen mit Aluminiumsulfat. Copyright  Canva
Copyright Canva
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Forscher gehen davon aus, dass die alten Ägypter Moringa nutzten, um Wasser keimfreier zu machen.

Eine jahrtausendealte Reinigungstechnik könnte Europas von Mikroplastik belastetes Trinkwasser retten.

WERBUNG
WERBUNG

In einer aktuellen Studie (Quelle auf Englisch) haben Forschende gezeigt, dass Samen des „Wunderbaums“ Moringa gealterte PVC-Mikroplastikpartikel genauso gut oder sogar besser herausfiltern als ihr chemisches Pendant. PVC gehört zu den gesundheitsschädlichsten Plastikarten. Die Ergebnisse könnten den Weg für eine umweltfreundlichere Alternative in Aufbereitungsanlagen ebnen.

Winzige Plastikteilchen aus Autoreifen, Farben, Textilien und zerfallenen Verpackungen reichern sich seit Jahrzehnten in Gewässern auf der ganzen Welt an. So entsteht ein stilles, aber wachsendes Gesundheitsrisiko.

Im Jahr 2024 hat die EU die Überwachung von Mikroplastik im Trinkwasser deutlich ausgeweitet. Im vergangenen Jahr warnten Forschende jedoch, dass besonders kleine Partikel, die leichter aus dem Darm in Blut und Organe gelangen, möglicherweise durch das Kontrollnetz schlüpfen.

Die Nutzung von Moringa zur Wasserreinigung ist so alt wie innovativ. Schon im Alten Ägypten dürfte man die Pflanze eingesetzt haben, um Bakterien zu entfernen und Wasser klarer zu machen.

Der Baum wächst schnell, kommt mit Trockenheit aus und benötigt wenig Wasser. Als mehrjährige Kulturpflanze braucht er nur minimale Bewirtschaftung. Gleichzeitig bindet er Kohlenstoff, gedeiht auf trockenen, degradierten Böden und fördert die Artenvielfalt.

Die breite Palette an Einsatzmöglichkeiten von Moringa – von der Behandlung von Mangelernährung und Krankheiten über die Wasserreinigung bis hin zu Anti-Aging-Produkten – hat ihm den Spitznamen „Wunderbaum“ eingebracht.

Warum sind Mikroplastik und ihre Filtermethoden gefährlich?

Über die direkten Gesundheitsfolgen hinaus, die mit Krebs, Herzinfarkten und Problemen bei der Fortpflanzung zusammenhängen könnten, haben Mikroplastikpartikel mit weniger als fünf Millimeter Länge noch eine weitere Eigenschaft: Sie können andere Schadstoffe aufnehmen, durch Ökosysteme transportieren und so in die Nahrungskette eintragen.

Derzeit setzen europäische Länder auf physikalische und chemische Verfahren, um Mikroplastik aus Abwasser zu entfernen.

Aluminiumsulfat, oft einfach Alaun genannt, ist ein anorganisches Salz. Es dient in der Wasseraufbereitung als Flockungsmittel und trennt Mikroplastik sowie andere Verunreinigungen vom Wasser.

Das Mittel reinigt zwar effektiv. Bei unsachgemäßer Anwendung können sich jedoch erhöhte Aluminiumwerte im Wasser bilden, die mit möglichen neurologischen Erkrankungen, darunter Alzheimer, in Verbindung stehen.

Bei der Flockung entsteht zudem viel Schlamm. Er lässt sich nur schwer behandeln und entsorgen und landet meist auf Deponien, wo er Gifte in Böden und Gewässer freisetzen kann.

Auch die Herstellung von Alaun ist problematisch. Dafür braucht es Bauxit, das in tropischen Regionen wie Australien, Brasilien, Guinea, Guyana und Jamaika im Tagebau gewonnen wird. Das kann zu Abholzung und zum Verlust von Lebensräumen führen. Die Veredelung der Rohstoffe zu Alaun benötigt viel Wärmeenergie und verursacht damit große Mengen klimaheizender Emissionen.

„Wunderbaum“-Samen entfernt 98 Prozent des Mikroplastiks aus Wasser

Die neue Studie unter Leitung von Gabrielle Batista von der Staatlichen Universität São Paulo (UNESP) in Brasilien, veröffentlicht im Fachjournal ACS Omega, zeigt das Potenzial des „Wunderbaums“ Moringa als pflanzliche, ungiftige Alternative.

Das Team verglich Alaun mit einem salzbasierten Extrakt aus Moringa-Samen. Beide Flockungsmittel neutralisieren die negative elektrische Ladung, durch die sich Mikroplastikpartikel gegenseitig abstoßen und Filter umgehen.

Sind die Ladungen neutralisiert, verklumpen die Teilchen zu größeren Aggregaten, sogenannten Flocken. Ein Sandfilter kann sie dann zurückhalten.

Sowohl Alaun als auch der Moringa-Extrakt entfernten mehr als 98 Prozent der PVC-Partikel aus dem Wasser. Moringa lieferte über einen größeren pH-Bereich hinweg sogar verlässlichere Ergebnisse.

Die Kunststoffteilchen waren etwa 15 Mikrometer groß – klein genug, um herkömmliche Filter zu durchdringen.

Moringa erwies sich sowohl bei der Inline-Filtration als auch bei der Direktfiltration als gleich wirksam. Wasserwerke könnten dadurch den energie- und kostenintensiven Flockungsschritt einsparen, bei dem die gebildeten Partikel zusätzlich gebunden werden.

Die Forschenden sehen jedoch auch einen Punkt, der genauer untersucht werden muss: Während der Behandlung löst sich organischer Kohlenstoff aus den Samen. Das könnte nachgelagerte Reinigungsstufen komplizierter machen. Zudem muss sich Moringa noch in großtechnischem Maßstab bewähren.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Terramation: Aus toten Körpern wird schöne, nährstoffreiche Erde

Afrikas Solarboom: künstlich billige China-Preise laufen aus

Leise, bequem, fast emissionsfrei: Eine fliegende Fähre verändert Stockholms Wasserwege