Polen entwickelt sich zu einem der wichtigsten Investitionsstandorte Europas – zu diesem Schluss kommt der frühere US-Botschafter Mark Brzezinski im Gespräch mit Euronews. Er hebt dabei vor allem die Stabilität, die wirtschaftliche Dynamik und die wachsende strategische Bedeutung des Landes hervor.
Beim Europäischen Wirtschaftskongress in Katowice hat der frühere US-Botschafter in Polen, Mark Brzezinski, die wachsende Bedeutung des Landes als einen der wichtigsten Investitionsstandorte in Europa hervorgehoben. Die Veranstaltung stand unter der Medienpartnerschaft von Euronews.
Aus Sicht des Diplomaten verbindet Polen wirtschaftliche Dynamik zunehmend mit strategischem Gewicht in der Region. Eine der zentralen Entwicklungen der vergangenen Jahre sei, dass das Land nicht länger als Randgebiet wahrgenommen werde.
"Polen ist heute ein Staat, in dem Unternehmen mit Milliardenbewertung tätig sind, und der Wohlstand der Gesellschaft ist deutlich gestiegen. Es ist kein armes Land mehr, das auf externe Unterstützung angewiesen ist", betonte Brzezinski. Er hob zudem die hohe Qualifikation und Flexibilität der polnischen Arbeitskräfte hervor.
Zusammen mit der politischen Stabilität entstehe so ein besonders attraktives Umfeld für Investoren. "Trotz des Krieges im benachbarten Kyjiw bleibt das Land stabil, sicher und wirtschaftlich stark", sagte er. Auch die Beziehungen zwischen Polen und den USA bezeichnete Brzezinski als belastbar. Sie beruhten auf einem soliden Fundament und seien unabhängig von politischen Veränderungen in Washington.
In ähnlichem Ton äußerte sich anlässlich des polnischen Verfassungstags am 3. Mai auch US-Außenminister Marco Rubio. In einer Erklärung sagte er: "Die USA schätzen ihre Partnerschaft mit Polen sehr – sie umfasst eine enge und wachsende Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Handel und Energiesicherheit."
Zugleich erinnerte er daran, dass "polnische Verfechter der Freiheit" die Geschichte der USA von Beginn an mitgeprägt hätten – eine Anspielung auf Persönlichkeiten wie Tadeusz Kościuszko und Kazimierz Pułaski, die als Helden im amerikanischen Unabhängigkeitskampf gelten.
Zentrale Investitionsfelder
Nach Einschätzung von Mark Brzezinski richtet sich das Interesse internationaler Investoren derzeit vor allem auf den Verteidigungs- und Energiesektor. Dabei verwies er auf das enorme Volumen des Programms zur Modernisierung der polnischen Streitkräfte. "Polen setzt derzeit ein Modernisierungsprogramm für seine Armee im Umfang von 140 Milliarden Dollar um. Entsprechend kommen Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie aus aller Welt ins Land", sagte Brzezinski.
Gleichzeitig, so betonte er, baue Polen gezielt eigene technologische Fähigkeiten aus. "Die polnische Regierung macht klar, dass bei der Beschaffung militärischer Technologien Montage, Entwicklung und Ingenieurleistungen im Land selbst stattfinden sollen." Der Krieg in der Ukraine habe diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt. "Polen ist zu einem Ort geworden, an dem Technologien, die in der Ukraine erprobt werden, weiterentwickelt und verbessert werden – und von dort aus auch global zum Einsatz kommen können", erklärte Brzezinski.
Sicherheit und US-Präsenz in Europa
Im Zusammenhang mit der Sicherheitslage äußerte sich Mark Brzezinski auch zur Entscheidung der Regierung von Donald Trump, einen Teil der US-Truppen aus Deutschland abzuziehen – ein Schritt, der bei NATO-Partnern für Unruhe sorgt. "Präsident Trump wird seine Entscheidungen im Einklang mit seinen eigenen Prioritäten treffen", sagte Brzezinski.
Zur Einordnung: Trump und das Pentagon hatten angekündigt, innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate rund 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Derzeit sind dort etwa 36.000 US-Soldaten stationiert.
Die Entscheidung fiel, nachdem Trump scharf auf Kritik des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz an der US-Politik gegenüber dem Iran reagiert hatte. Bereits zuvor hatte der US-Präsident wiederholt die Haltung von NATO-Verbündeten im Kontext der Spannungen im Nahen Osten kritisiert und dabei sogar einen möglichen Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Bündnis ins Spiel gebracht. Eine Sprecherin der NATO, Allison Hart, erklärte, das Bündnis stehe im Austausch mit den USA, um sich "ein genaues Bild der Details" der Entscheidung zu verschaffen.
Nach dem Beginn der groß angelegten Invasion Russlands der Ukraine im Jahr 2022 sind die Sicherheitsbedenken in den baltischen Staaten und in Polen deutlich gewachsen. Im Gespräch mit Euronews warnte Mark Brzezinski, dass die Politik von Wladimir Putin eine reale Bedrohung für die Souveränität Polens darstelle.
"Polen befindet sich in einer tatsächlichen Gefahrenzone gegenüber Putin", sagte er. Zugleich bemühte sich Brzezinski, zu beruhigen: Die Präsenz amerikanischer Truppen in Polen habe eine starke abschreckende Wirkung und bleibe stabil. "Als ich US-Botschafter in Polen war, entsandte Präsident Joe Biden nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs Tausende amerikanische Soldaten ins Land.
Zeitweise waren es rund 13.500 – ein Höchststand", erklärte er. Zudem sei die erste dauerhafte US-Militärstruktur in Polen geschaffen worden: ein vorgeschobenes Hauptquartier der US-Armee in Posen. "Das hat die Abschreckung weiter verstärkt. In der Folge hat Russland seine militärischen Aktivitäten nicht auf Polen ausgeweitet", so Brzezinski.
Polens Atomenergie nimmt Fahrt auf
Derzeit werden in Polen zahlreiche Projekte im Bereich der Kernenergie vorangetrieben – von großen Reaktoren wie dem AP1000 von Westinghouse Electric Company bis hin zu kleinen modularen Reaktoren (SMR). "Polen erlebt eine Renaissance der Kernenergie", sagte Mark Brzezinski.
Er hob dabei besonders die Investition des Konsortiums aus Westinghouse und Bechtel hervor. "Während meiner Zeit als Botschafter habe ich dazu beigetragen, den ersten Vertrag für den Bau eines zivilen Kernkraftwerks in Polen auf den Weg zu bringen – ein Projekt im Umfang von 30 Milliarden Dollar", erklärte er. Dabei habe es sich um das größte Vorhaben gehandelt, das 2022 weltweit von einer US-Botschaft unterstützt wurde.Polen im Zentrum der zukünftigen Veränderungen
Polen im Zentrum künftiger Entwicklungen
Der frühere US-Botschafter Mark Brzezinski betonte, dass die Zukunft der Region maßgeblich vom Verlauf des Krieges in der Ukraine abhänge. Warschau bereite sich darauf vor, eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Landes zu übernehmen und zugleich seine internationale Position weiter auszubauen. "Polen ist ein Land des Wohlstands – und wir wollen, dass andere daran anknüpfen können", sagte er.
Zum Abschluss zeigte sich Brzezinski beeindruckt von der Entwicklung des Landes. "Als Amerikaner mit polnischen Wurzeln erfüllt es mich mit großem Stolz, was Polen erreicht hat. Es ist ein Staat, der den kommenden Generationen deutlich mehr Chancen bietet als früheren", betonte er. Zugleich unterstrich er, wie wichtig es sei, die polnische Wirtschaft international sichtbarer zu machen.
In diesem Zusammenhang verwies er auf die geplante Teilnahme von Präsident Karol Nawrocki am G20-Gipfel in Miami im Dezember. Dieser könne eine wichtige Gelegenheit bieten, das Potenzial polnischer Unternehmen zu präsentieren und das Image des Landes als moderne, dynamisch wachsende Volkswirtschaft weiter zu stärken.