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Wo ist der Frühling hin? Polarluft und Unwetter fegen über Deutschland

In dieser Woche wird ein starker Wetterwechsel in weiten Teilen Deutschlands erwartet.
In dieser Woche wird ein starker Wetterwechsel in weiten Teilen Deutschlands erwartet. Copyright  Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Noch am Wochenende schwitzten die Deutschen bei fast 30 Grad, jetzt kommt die Wetter-Wende: Polarluft, Dauerregen, Gewitter und sogar Bodenfrost. Der Mai gibt sich diese Woche von seiner ungemütlichsten Seite.

Eigentlich macht der April immer was er will. Doch auch der Mai zeigt sich von seiner launischen Seite. Noch am vergangenen Wochenende registrierten Wetterstationen im brandenburgischen Cottbus und Senftenberg fast 30 Grad – Freibadbedingungen mitten im Mai. Doch damit ist es vorerst vorbei. Eine Kaltfront schiebt sich über Deutschland, und die nächsten Tage bringen alles, was das Wetter so unangenehm machen kann: Dauerregen, Gewitter, Hagel, Sturmböen und in manchen Regionen sogar die Gefahr von Bodenfrost.

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Polarluft trifft auf aufgeheizte Erde

Dass der Frühling so abrupt ins Wetterchaos kippt, ist kein Zufall. Im Hintergrund spielen globale Klimaphänomene eine Rolle. Klimaforscher beobachten derzeit aufmerksam den Pazifik, wo sich möglicherweise ein neues El-Niño-Ereignis entwickelt. "Der erwärmte Pazifik wirkt wie eine gigantische Heizung für die Atmosphäre", sagte der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Diese verschiebt Niederschlags- und Wettermuster weltweit. Mit spürbaren Folgen auch für Europa.

Gleichzeitig sorgt ein sogenanntes Blockadehoch über dem Atlantik, das von den Azoren bis weit nach Grönland in den Polarwirbel hineinreicht, dafür, dass immer wieder Tiefdrucksysteme Deutschland erreichen und kräftige Schauer und Gewitter auslösen, erklärt das Portal Wetterprognose und Wettervorhersage. Genau diese eisige Polarluft ist es, die sich dieser Woche über Deutschland schiebt und den drastischen Temperatursturz von fast 30 Grad am Wochenende auf stellenweise unter 10 Grad Mitte der Woche verursacht.

Eine Luftmassengrenze spaltet Deutschland

Das meteorologische Kernproblem dieser Woche ist eine sogenannte Luftmassengrenze, die sich quer über die Mitte Deutschlands gelegt hat. Nördlich davon strömt polare Kaltluft heran, im Süden lagert noch subtropische Warmluft. "Im Wochenverlauf legt sich eine Luftmassengrenze über die Mitte Deutschlands", erklärte DWD-Meteorologin Sabine Krüger dem Nachrichtenportal t-online. "Entlang der Luftmassengrenze muss wiederholt und teils andauernd mit Regen gerechnet werden."

Genau an dieser unsichtbaren Grenze entfaltet sich das eigentliche Unwetterpotenzial. Wo warme und kalte Luftmassen aufeinandertreffen, entstehen Turbulenzen. In velen Regionen muss mit Starkregen gerechnet werden.

Dauerregen, Gewitter und Kälte

Besonders ungemütlich wird es am heutigen Dienstag und am Mittwoch. Von Nordrhein-Westfalen über Hessen bis nach Brandenburg und Sachsen werden zwischen 20 und 50 Liter Regen pro Quadratmeter erwartet, in Staulagen am Schwarzwald und an den Nordalpen lokal auch 40 bis 60 Liter binnen 24 Stunden, wie Diplom-Meteorologe Dominik Jung in einer Wetterkolumne für die Frankfurter Rundschau schreibt.

In Berlin und im Umland muss laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) neben anhaltendem Regen auch mit Starkregen von bis zu 20 bis 30 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden sowie kräftigen Gewittern gerechnet werden, so der aktuelle Warnlagebericht der Regionalen Wetterberatung Ost. Die Temperaturen fallen in der Nacht auf 11 bis 7 Grad, in der Mitte und im Osten Deutschlands sind tagsüber kaum mehr als 8 bis 10 Grad möglich – schreibt Jung auch in seiner Kolumne für den Merkur.

Vier Regionen besonders im Fokus

Bayern, Sachsen, Thüringen und Brandenburg trifft es dieser Woche am härtesten. Hier zieht der Niederschlagsschwerpunkt des Tiefs durch, lokal mit unwetterartigen Regenmengen, vereinzelt sogar mit Hagel. Der DWD hat für Teile von NRW und Hessen amtliche Warnungen der Kategorie Orange vor starken Gewittern herausgegeben, berichtet t-online. Im Westen des Landes dominiert demnach eher anhaltender Regen, während der äußerste Norden und Nordwesten zeitweise trocken und mit maximal 13 bis 19 Grad noch am glimpflichsten davonkommen.

Bodenfrost droht: Achtung für Hobbygärtner

Nicht nur Regen und Sturm bereiten Sorgen. Wenn die Wolkendecke in der zweiten Wochenhälfte aufreißt und der Wind einschläft, kühlt die Luft in Tallagen stark aus. Besonders im norddeutschen Binnenland, im Bayerischen Wald, im Erzgebirge und in der Eifel sind 0 bis minus 2 Grad in fünf Zentimetern Höhe in der Nacht zu Donnerstag und Freitag möglich, warnte Meteorologe Jung auf Merkur.

Als Faustregel gilt: Empfindliche Pflanzen bei Frostgefahr entweder wieder hereinholen oder mit Gartenvlies abdecken.

Trockenheit trotz Starkregen – ein Paradox

Wer hofft, dass der viele Regen zumindest der monatelangen Trockenheit ein Ende bereitet, wird enttäuscht. Der April brachte deutschlandweit nur etwa 25 Liter pro Quadratmeter – gerade einmal 41 Prozent des langjährigen Solls, warnen Meteorologen. Die Böden sind so ausgetrocknet und hart, dass der Starkregen kaum versickern kann. Das Wasser läuft oberflächlich ab, was Sturzfluten an Hängen, vollgelaufene Keller in Senken und überflutete Straßen regional sehr wahrscheinlich macht. Besonders Brandenburg ist derzeit gefährdet. Erst am vergangenen Wochenende war bei Jüterbog ein Waldbrand ausgebrochen und hatte sich in kurzer Zeit ausgebreitet.

Der Begriff "Eisheilige" bezeichnet einn Zeitraum im Mai, in der es noch einmal deutlich kälter werden kann.
Der Begriff "Eisheilige" bezeichnet einn Zeitraum im Mai, in der es noch einmal deutlich kälter werden kann. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Kein Zusammenhang mit den Eisheiligen

Was viele derzeit verwirrt: Das alles hat nichts mit den Eisheiligen zu tun, die erst vom 11. bis 15. Mai anstehen. Das europäische Wettermodell ECMWF rechnet laut wetter.com für die eigentliche Eisheiligen-Woche sogar mit Temperaturen bis zu 3 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Frost scheint dann eher unwahrscheinlich.

Ab Freitag: Der Frühling meldet sich zurück

Die gute Nachricht: Das Tief zieht am Freitag, dem 8. Mai, nach Nordosten ab. Von Westen schiebt sich Hochdruckeinfluss heran, die Temperaturen erholen sich auf 17 bis 23 Grad, die Sonne kommt zurück, so die Prognose der Wetterportale. Auch für das kommende Wochenende zeichnet sich zunehmend freundliches Frühlingswetter ab, wenn auch weiterhin mit lokaler Schauer- und Gewittergefahr, besonders im Süden.

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