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Ist Polen ein Hauptziel für Cyberangriffe in Europa? Exklusives Gespräch mit Vizepremierminister Gawkowski

Vizepremierminister und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski im Gespräch mit Euronews auf dem Europäischen Wirtschaftskongress in Katowice, 23.04.2026.
Vizepremierminister und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski im Gespräch mit Euronews auf dem Europäischen Wirtschaftskongress in Katowice, 23.04.2026. Copyright  Paweł Głogowski / Euronews.
Copyright Paweł Głogowski / Euronews.
Von Mateusz Jaronski
Zuerst veröffentlicht am
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"Polen ist mit einem Anstieg der Cyberangriffe konfrontiert und bleibt das am häufigsten angegriffene Land in der EU". Das sagt der stellvertretende Premierminister und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski im Interview mit Euronews.

Während des Europäischen Wirtschaftskongresses in Katowice, bei dem Euronews einer der Medienpartner war, hat der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski Polens Pläne zur Cybersicherheit präsentiert.

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Er bezog sich auf die neuesten Daten von CERT Polska,die einen starken Anstieg der Zahl der Online-Angriffezeigen.

Lawinenartiger Anstieg von Cyberangriffen

Dem Bericht zufolge hat sich die Zahl der Cyberangriffe im Jahr 2025 um 152 Prozent erhöht.

Der stellvertretende Premierminister betont, dass das Ausmaß der Bedrohungen in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens steht.

"Der Cyberspace wird immer gefährlicher, weil immer mehr Technologie in unser Leben Einzug gehalten hat", betont Gawkowski. Fast alle Bereiche des Staates und der Bürger basieren auf digitalen Systemen, erklärt er und betont, wie wichtig "digitalen Hygiene" sei. Dazu gehört unter anderem die Verwendung von starken Passwörtern und einer Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Außerdem fordert Gawkowski die Trennung von privaten und geschäftlichen Umgebungen. "Wir sollten keine privaten Apps auf geschäftlichen Geräten installieren".

Wir sind das am meisten angegriffene Land im EU-Cyberspace!
Krzysztof Gawkowski
Stellvertretender Premierminister und Minister für Digitalisierung

Wachsende Bedrohungen

Der stellvertretende Premierminister warnt auch wegen der wachsenden Zahl von Online-Betrügereien. Phishing und gefälschte Links gehören zu den häufigsten Methoden der Cyberkriminellen.

Dabei wird zunehmend Social Engineering eingesetzt und laut Gawkowski setzt ein wirksamer Schutz das Bewusstsein der Nutzer voraus.

Der Minister erinnert an staatliche Instrumente, wie das Portal cyber.gov.pl, das Warnungen, Ratschläge und Tools zum Schutz vor Bedrohungen enthält. Zudem gibt es die mCitizen-App, die unter anderem die schnelle Reservierung einer sogenannten PESEL-Nummer ermöglicht.

"Jeder von uns sollte seine PESEL-Nummer reservieren. Es dauert nur ein paar Sekunden." so Gawkowski. "Ich empfehle es, denn diese Methode ist sofort und führt dazu, dass niemand einen Kredit bei uns aufnimmt, eine notarielle Urkunde unterschreibt oder eine Erpressung begeht".

Vizepremierminister und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski im Gespräch mit Euronews auf dem Europäischen Wirtschaftskongress in Katowice, 23.04.2026.
Vizepremierminister und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski im Gespräch mit Euronews auf dem Europäischen Wirtschaftskongress in Katowice, 23.04.2026. Paweł Głogowski / Euronews.

Polen im Visier der russischen Geheimdienste?

Der Minister für Digitalisierung erinnert daran, dass Polen derzeit eines der am meisten angegriffenen Länder in der Europäischen Union ist.

"Wir sind das am meisten angegriffene Land im Cyberspace der Europäischen Union! Im Vergleich zum Vorjahr haben wir 144 % mehr Angriffe zu verzeichnen", erklärt Gawkowski. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass sich die nationalen Verteidigungssysteme durch hohe Effektivität auszeichnen.

Polen ist sowohl mit krimineller Cyberkriminalität als auch mit organisierten staatlichen Operationen konfrontiert.

Als Quelle für die fortschrittlichsten Angriffe nennt Gawkowski die russischen GRU-Spezialdienste.

"Im Jahr 2025 haben wir die meisten systematischen Angriffe auf kritische Infrastrukturen aus Russland in den Bereichen Gesundheit, Energie oder Wasser- und Abwassernetze erlebt".

Am 12. März berichtete der stellvertretende Ministerpräsident Gawkowski über einen versuchten Hackerangriff auf die Server des Nationalen Zentrums für Kernforschung.

Milliarden für Cybersicherheit

Die Regierung erhöht die Ausgaben für die Cybersicherheit. Der stellvertretende Ministerpräsident gab an, dass im Jahr 2026 rund 5 Mrd. PLN - 1,17 Mrd. Euro - für diesen Zweck bereitgestellt werden sollen.

Die Mittel sollen an lokale Regierungen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gehen.

Ein wichtiges Element der Strategie ist auch die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit der Ukraine. Der stellvertretende Premierminister erinnerte an das 2024 unterzeichnete Memorandum zur Cybersicherheit.

"Der Informationsaustausch zwischen Polen und der Ukraine auf strategischer Ebene in der Cyberzone ist sehr wichtig", sagt er. Gawkowski fügt hinzu, dass die Zusammenarbeit der Dienste die Widerstandsfähigkeit beider Länder gegen Angriffe in einem laufenden Krieg erhöhe.

Verfügt Polen über ein stabiles Finanzsystem?

Der stellvertretende Ministerpräsident verwies auch auf technische Probleme in den Zahlungssystemen, darunter die Ausfälle von BLIK, Visa und Mastercard, die am 20. und 21. April 2026 und am 28. Februar 2026 auftraten.

Im Internet wurden Bedenken geäußert, ob die Polen aufgrund der immer häufigeren Ausfälle der Bankensysteme den Zugang zu digitalen Transaktionen, einschließlich Geldüberweisungen und Kartenzahlungen, ins Hintertreffen geraten. Der stellvertretende Ministerpräsident versicherte jedoch, dass das Finanzsystem in Polen stabil bleibe, auch wenn es zu vorübergehenden Unterbrechungen kommen könne.

"Ich glaube nicht, dass die Polen jemals den Zugang zu ihrem eigenen Bargeld verlieren werden", meinte Gawkowski. etwaige Unterbrechungen der Dienstleistungen seien nur von kurzer Dauer und mit vorübergehenden Ausfällen der technischen Infrastruktur vergleichbar.

Er bezog sich auch auf Forderungen nach der Abschaffung des elektronischen Zahlungsverkehrs und bewertet diese als ungerechtfertigt.

"Polen ist einer der europäischen Vorreiter im digitalen Zahlungsverkehr, und die Entwicklung von Systemen wie BLIK ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Wirtschaft".

BLIK ist ein sicheres mobiles polnisches Zahlungssystem, das sofortiges Bezahlen in stationären und Online-Shops sowie Bargeldabhebungen an Geldautomaten ohne Zahlungskarte ermöglicht.

Es funktioniert auf der Grundlage eines 6-stelligen Einmalcodes, der in der Bank-App auf dem Telefon generiert wird und 2 Minuten lang gültig ist. BLIK ermöglicht auch Sofortüberweisungen an eine Telefonnummer.

Das Unternehmen Polish Payments Standard ist für die Entwicklung des Systems verantwortlich.

Im Jahr 2025 wickelten die Blik-Nutzer 2,9 Milliarden Transaktionen im Wert von 441,5 Milliarden PLN ab.

Polens neue Cybersicherheitsstrategie

Schließlich stellt der stellvertretende Ministerpräsident die Annahmen der Cybersicherheitsstrategie der Republik Polen bis 2029 vor, die vom Ministerrat am 10. März 2026 verabschiedet wurde.

Das Dokument soll das nationale Cybersicherheitssystem stärken und die Widerstandsfähigkeit des Landes gegenüber digitalen Bedrohungen erhöhen. Es sieht unter anderem vor, das Schutzsystem von 400 auf 40.000 Einrichtungen zu erweitern.

"Wir verstärken die Koordinierung der Cybersicherheit, damit sich die polnischen Bürger sicher fühlen", resümiert der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski im Interview mit Euronews.

Cutter • Pawel Glogowski

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