Wegen fehlender Niederschläge wird die Trockenheit in Ungarn immer besorgniserregender. Besonders dramatisch ist die Lage am Velencer See - in der Tiefebene zwischen dem Plattensee und Budapest. Was plant die neue Regierung?
Die Dürre in Ungarn wird immer schlimmer. In den am stärksten betroffenen Gebieten der Tiefebene zwischen Budapest und dem Plattensee fehlen dem Boden etwa 120 Millimeter Feuchtigkeit.
Die agrarmeteorologische Analyse von HungaroMet warnt, dass der April 2026 aus landwirtschaftlicher Sicht besonders schlecht war, da es kaum Niederschläge gab.
Kritische Trockenheit in fast allen Landesteilen Ungarns
In den letzten 90 Tagen lagen die Niederschläge 20 bis 70 Millimeter unter dem Durchschnitt. Die Bodenoberfläche ist praktisch überall porös: Die obersten 20 bis 30 Zentimeter des Bodens sind im ganzen Land kritisch trocken, und die 30 bis 60 Zentimeter dicke Schicht befindet sich in einem zunehmend besorgniserregenden Zustand.
Im vergangenen Jahr waren in Ungarn 550.000 Hektar von Dürreschäden betroffen, und die Versicherer zahlten fast 40 Milliarden Forint - das sind etwa 113 Millionen Euro - an Entschädigungen. In diesem Jahr könnte es noch schlimmer werden, denn 90 % des Landes sind bereits von der Trockenheit bedroht. In einigen Gebieten Ungarns hat es seit einem Monat nicht mehr geregnet. Nun ist auch die Lage in der landwirtschaftlichen Produktion kritisch geworden.
Die Uhr tickt
Um die Schäden zu begrenzen und einen Sofortplan für die Wasserbewirtschaftung zu erstellen, hat Péter Magyar den neuen Umweltminister zum Handeln aufgefordert. László Gajdos rief schon vor seiner Amtsübernahme alle dazu auf, wegen der Trockenheit keine Rasenflächen zu mähen, denn gemähter Rasen muss mehr gewässert werden.
Die neue Regierung in Budapest will die neue Wasserschutzprogramme unter Einbeziehung der Bevölkerung und der örtlichen Landwirte umsetzen.
Ein Sprecher der Nationalen Wasserdirektion erklärte Euronews, dass effektiv ein Jahr der Niederschläge innerhalb der vergangenen fünf Jahre fehle. Attila Szegi sagte, die Infrastruktur müsse flexibler gestaltet werden, um die vorhandenen Wasserressourcen besser zu nutzen. Doch die Beteiligung der Bevölkerung sei dabei entscheidend.
"Wir waren mit den Sárrét-Wasser-Wächtern entlang der rumänischen Grenze im Kleinen Sárret unterwegs, wo die Wasserbehörde seit über einem Jahr mit dieser NGO zusammenarbeitet, um das Wasser in dem Gebiet zurückzuhalten", erklärte er. "Hier nutzen wir die Wasserressourcen der Flüsse Sebes-Körös und Berettyó, um mit öffentlichen Mitteln Wasser zu liefern, und die Bürger leisten erhebliche Hilfe, zum Beispiel beim Ausbaggern der Kanäle, bei der Wasserbewirtschaftung und, in Abstimmung mit unseren Kollegen, wenn möglich, auch bei der Ableitung von Wasser in die Landschaft".
Der wärmste See Europas in Gefahr
Nicht nur in der Tiefebene gibt es eine Wasserkrise. Die Flüsse, Seen und sogar die Grundwasserstände in Ungarn sind kritisch niedrig. Am deutlichsten wird der Wassermangel am Velencer See. Der "kleine Bruder des Plattensee" gilt wegen seiner hohen Wassertemperaturen schon jetzt als der wärmste See Europas.
Es gibt Uferabschnitte, an denen man bis zu 20 Meter vom Ufer entfernt auf dem trockenem Boden gehen kann. Wenn es Wasser gäbe, würde der See von zwei Stauseen gespeist, dem Pátka- und dem Zámolyi-Stausee. Diese sind aber praktisch trocken.
Da es keine Reserven gibt und die periodische Wasserzufuhr gering ist, ist die einzige natürliche Wasserquelle des Sees der Kaiserwasser genannte Bach.
Der Bürgermeister von Gárdony, Árpád Pál Eötvös, erklärt Euronews, dass die Wasserknappheit schon seit langem ein Thema unter den lokalen Entscheidungsträgern ist. Die Umleitung von Wasser aus der Donau sei nur eine vorübergehende Lösung; langfristig könnte nur ein neues Pipelinesystem die Situation des Sees lösen.
"Da die Stadt seit 50 bis 60 Jahren auf den Tourismus setzt, braucht sie den Velencer See und das Wasser im See, das jetzt zusehends knapp wird. Wir haben diese Saison mit 81 Zentimetern begonnen, und jetzt beträgt der Wasserstand des Velencer Sees leider nur noch 66 Zentimeter. Der niedrigste Wasserstand lag bei 53 Zentimetern. Das werden wir wahrscheinlich Ende Juni erreichen", erklärt er dem Euronews-Reporter.
Árpád Eötvös Pál beklagt, dass er mehrere Programme zur Rettung der Wasserressourcen des Sees initiiert hat, aber nicht alle Bürgermeister des Seengebiets mit ihm kooperiert haben. Als er versuchte, sich gemeinsam mit den Bürgermeistern der Region für den See einzusetzen, "unterzeichneten die unabhängigen Bürgermeister den Brief, aber die Fidesz-Bürgermeister nicht". Die einzige Erklärung dafür sei, dass die Betroffenen den Behörden nicht offen entgegentreten wollten.
Der aktuelle Wasserstand liegt etwa 60 bis 70 Zentimeter unter dem, was optimal wäre. Nach dem Wahlsieg von Tisza hoffen die Bürgermeister der Region auf Viktória Bögi als Vertreterin ihres Wahlkreises, da sie den Schutz des Sees zu einer der obersten Prioritäten in ihrem Wahlkampf gemacht hatte.