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Klimawandel lässt Hagelkörner wachsen: Europa zunehmend bedroht

Tony Illenden vom Husky-Hail-Hunter-Team der Northern-Illinois-Universität sammelt am 6. Juni 2025 bei Morton, Texas, im Rahmen von Projekt ICECHIP Hagel.
Tony Illenden, Mitglied des Husky-Hail-Hunter-Teams der Northern Illinois University, sammelt am sechsten Juni 2025 nahe Morton, Texas, im Rahmen des Projekts ICECHIP Hagel. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Europa erleidet enorme Wirtschaftsschäden durch Hagelstürme. Klimafachleute warnen: Steigende Temperaturen lassen die Körner größer und zerstörerischer werden.

Die Erderwärmung dürfte größere Hagelkörner hervorbringen, die Fahrzeuge, Solaranlagen und andere Infrastruktur schwer beschädigen können.

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Der vom Menschen verursachte Klimawandel durch das Verbrennen klimaschädlicher fossiler Brennstoffe lässt mehr energiereiche, labile Luftmassen entstehen. Diese begünstigen die Bildung von Hagel und schweren Gewittern weltweit.

Nach einer in dieser Woche im Wissenschaftsjournal Nature (Quelle auf Englisch) veröffentlichten Studie wird die Zahl der Hagelkörner, die größer sind als eine große Murmel, bis zum Ende des Jahrhunderts um 38 bis 47 Prozent zunehmen – je nachdem, wie viele Treibhausgase die Welt weiter ausstößt. Gewitter mit kleineren Hagelkörnern werden demnach um vier bis acht Prozent seltener.

Hagel verursacht astronomische Schäden

Hagel tötet Menschen nur selten, kommt aber die Gesellschaft teuer zu stehen. Weltweit verursachen Hagelschäden bereits rund 80 Milliarden Dollar (68 Milliarden Euro), sagt Studienmitautor John Allen, Meteorologieprofessor an der Central Michigan University.

In Europa zählen Hagelstürme zu den zerstörerischsten Wetterereignissen. In den vergangenen fünf Jahren haben sie infolge des Klimawandels bereits um erstaunliche 267 Prozent zugenommen – von 3.217 Hagelstürmen im Winter 2019/2020, so der Versicherer Chaucer.

Eine Studie aus dem Jahr 2026 (Quelle auf Englisch), die in Science Direct erschienen ist, warnt, dass die Hagelsaisons 2022 und 2023 jeweils Rekordschäden von mehr als fünf Milliarden Euro verursacht haben.

Hagel richtet inzwischen mehr Schaden an als Tornados und koste im Schnitt „mehr als ein paar Hurrikane pro Jahr“, ergänzt Allen.

„In den vergangenen Jahren haben wir Rekord-Hagelkörner beobachtet. Das beunruhigt mich sehr, denn unsere gebaute Umwelt ist kaum gegen Hagel gewappnet. In Bauvorschriften für Wohnhäuser, in den USA wie auch international, spielt dieses Risiko bislang praktisch keine Rolle.“

Computersimulationen von Allen zeigen, dass der Anteil größerer Körner mit dem Klimawandel weiter steigt. Gerade diese Brocken verursachen den größten Schaden, betonen er und andere Fachleute.

Hagel als größte Bedrohung für Solaranlagen

Je schwerer ein Hagelkorn ist, desto schneller stürzt es zu Boden – und desto mehr Wucht trifft es auf Dächer und andere Bauwerke.

Andreas Prein, Klimaforscher an der ETH Zürich, erklärt, kleinere Hagelkörner könnten Ernten verwüsten. Erreiche der Hagel jedoch Größen um fünf Zentimeter, drohten „massive Schäden“ an Autos, Dächern, Solarmodulen und weiterer Infrastruktur.

Betreiber von Solarparks müssen häufig nachweisen, dass sich ihre Module auf einen Neigungswinkel von 70 Grad stellen lassen. So soll der Hagel die Schutzglasscheiben nicht zerschlagen, deren Reparatur teuer ist. Die rasant wachsende europäische Solarbranche flächendeckend mit fernsteuerbaren Neigemechanismen auszustatten, sei jedoch „eine enorme Herausforderung“, so der Versicherer Chaucer.

Ein einzelnes Einschlagloch im Dach lasse sich noch flicken, erläutert Allen. Prasseln aber viele große Hagelbrocken darauf, muss das Dach meist komplett und teuer erneuert werden.

In einer wärmeren Atmosphäre befindet sich mehr Wasserdampf, erklärt Allen. „Dadurch steht der Atmosphäre mehr Energie zur Verfügung, und wir bekommen stärkere Aufwinde. Das führt zu mehr Gewittern mit Aufwinden, die großkörnigen Hagel produzieren können.“

Gleichzeitig kann wärmere Luft kleinere Hagelkörner unterwegs schmelzen lassen. In tropischen Regionen könnte die Zahl der Hagelgewitter dadurch sogar zurückgehen.

Europa bleibt vor klima-bedingtem Hagel nicht verschont

Viele frühere Studien konzentrierten sich auf Hagel in den USA, wo er besonders häufig auftritt. Fachleute warnen jedoch, dass Europa, Kanada und Argentinien durch die Erderwärmung den stärksten Zuwachs an Großhagel erleben dürften.

„Das ist nicht nur ein US-Problem“, warnt Allen. „Ja, auch hier sehen wir hohe Schäden, aber weltweit scheinen die Verluste durch Hagel in den vergangenen Jahren regelrecht zu explodieren.“

Eine Studie aus dem Jahr 2025 (Quelle auf Englisch) der Universität Newcastle und des britischen Wetterdienstes Met Office kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel Europas größten Hagel „zusätzlich anheizt“. In einem Szenario mit hohen Emissionen, in dem Europa seine Treibhausgasemissionen nicht senkt, könnten schwere Hagelereignisse insgesamt zwar seltener werden. Wenn sich jedoch Gewitter mit Hagel bilden, könnten die Körner regional deutlich größer ausfallen.

Deutliches Klimasignal

Die Autorinnen und Autoren der Studie untersuchten Hagelkörner mit mehr und mit weniger als 30 Millimetern Durchmesser – also etwa zwischen Murmel und Golfball, in etwa so groß wie eine 50-Cent-Münze in den USA.

Das Team analysierte drei Szenarien, die sich nach den CO₂-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas richten. In einem etwas optimistischeren Fall mit geringerer Kohlenstoffverschmutzung nimmt die Häufigkeit größeren Hagels um 38 Prozent zu.

In einem deutlich pessimistischeren Szenario, in dem die Temperaturen noch einmal fast um ein Grad Celsius höher liegen, steigt dieser Wert sogar auf 47 Prozent.

„Das ist ein deutliches Klimasignal“, sagt Walker Ashley, Meteorologieprofessor an der Northern Illinois University. „Doch das Ausmaß der Katastrophenschäden hängt nicht nur von der Gefahr selbst ab.“

Ziehen mehr Menschen, Wohngebiete, Solarparks und Infrastruktur in hagelgefährdete Regionen, steigt auch das Schadensrisiko.

„Der Klimawandel dürfte in einigen Regionen das Potenzial für größeren und zerstörerischeren Hagel erhöhen“, ergänzt Ashley. „Wie hoch die Schäden künftig tatsächlich ausfallen, hängt aber ebenso stark davon ab, wo und was Menschen bauen, wie widerstandsfähig diese Strukturen sind und wie sich die Landnutzung verändert.“

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