Europol meldet einen großen Schlag gegen iranische Cybernetze: Ermittler löschten Tausende IRGC-nahe Accounts und sperrten das X-Hauptkonto der Gruppe in der EU.
Europol hat mehr als 14.200 Onlinebeiträge, Konten und Links mit Bezug zu Irans Islamischer Revolutionsgarde (IRGC) löschen lassen. Auch das Hauptkonto der IRGC auf X mit mehr als 150.000 Followern wurde eingeschränkt. Anlass war, dass die EU die Organisation im Februar als Terrorgruppe eingestuft hat.
Die Aktion der EU-Meldeeinheit für Internetinhalte von Europol lief vom 13. Februar bis zum 28. April. Beteiligt waren Strafverfolgungsbehörden aus 19 Staaten.
Ermittler berichten, die IRGC habe ein stark strukturiertes digitales Netzwerk aufgebaut, das große soziale Netzwerke, Streamingdienste, Blogplattformen und unabhängige Websites umfasst. Inhalte erschienen auf Arabisch, Englisch, Französisch, Persisch, Spanisch und Bahasa Indonesia.
Zu dem während der Aktion gefundenen Material gehörten politische Botschaften, verknüpft mit religiösen Märtyrererzählungen, sowie von KI erzeugte Videos. Darin wird die IRGC gelobt und zu Vergeltung im Namen von Irans verstorbenem oberstem religiösen Oberhaupt Ali Khamenei aufgerufen.
Nach Angaben von Europol nutzte die IRGC Hosting-Anbieter in zahlreichen Staaten, darunter Russland und die USA. So blieben die Websites trotz der Maßnahmen der Behörden online.
Ermittler fanden zudem Hinweise, dass die digitalen Aktivitäten mit Hilfe von Kryptowährung finanziert wurden. Das Netzwerk konnte so klassische Finanzkontrollen und internationale Sanktionen umgehen.
Die EU hat die IRGC am 19. Februar offiziell als Terrororganisation eingestuft. Damit erhielten Strafverfolgungsbehörden eine rechtliche Grundlage, um gegen ihre Online-Infrastruktur vorzugehen.
Europol erklärte, die Aktion sei Teil der übergeordneten Strategie für die innere Sicherheit, ProtectEU. Die Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen und Mitgliedstaaten solle fortgesetzt werden.
Weitere Details zu den aufgedeckten Methoden und Taktiken sollen im kommenden Bericht „EU Terrorism Situation and Trend Report“ von Europol veröffentlicht werden.
An der Operation beteiligt waren Behörden aus Österreich, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien, Schweden, der Ukraine und den USA.