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Virale Posts zum ESC in Wien im Faktencheck: Wurde der Sieg bei der Eurovision gekauft?

Dara aus Bulgarien singt „Bangaranga“ und jubelt auf der Bühne, nachdem sie das Finale des 70. Eurovision Song Contest am Sonntag, 17. Mai 2026, in Wien gewonnen hat.
Dara aus Bulgarien singt „Bangaranga“ und feiert, nachdem sie das Finale des siebzigsten Eurovision Song Contest 2026 in Wien gewonnen hat. Copyright  AP Photo
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Von Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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Online verbreiten sich Vorwürfe, der Eurovision Song Contest (ESC) sei manipuliert worden. Die Abstimmungsregeln und PR-Aktionen sind in den sozialen Netzwerken verstärkt in den Fokus der Kritik geraten.

Ein Post auf X ist wenige Tage ESC-Finale in Wien viral gegangen. Darin wurde behauptet, der Eurovision Song Contest 2026 sei heimlich zugunsten von Finnland "manipuliert" worden.

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Der Post, der zunächst auf TikTok kursierte, wurde mehr als eine Million Mal aufgerufen und war vermeintlich die Aussage eines Sicherheitsmitarbeiters des ESC.

"Ich kann über einen geheimen Account frei sagen, dass der Gewinner bereits feststeht", hieß es in dem viralen Beitrag. Finnland habe den Veranstaltern rund 16 Millionen Euro gezahlt, um sich den Sieg zu sichern.

Der Vorwurf zerplatzte jedoch im Finale. Finnland galt zwar bei Wettanbietern und vielen Fans als Favorit, landete nach Bekanntgabe des Televotings aber nur auf dem 6. Platz. Der Sieg ging an die bulgarische Popsängerin Dara.

Der anonyme Account hinter der Beschuldigung hat keinerlei überprüfbare Verbindung zum ESC. Es gab zuvor keine Beiträge, keine Screenshots, keine Dokumente und keine nachprüfbaren Informationen, die das Konto mit den Veranstaltern des Wettbewerbs in Verbindung bringen.

Ein Sprecher der in Genf ansässigen Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den Eurovision Song Contest ausrichtet, erklärte im Vorfeld des Finales, es handle sich um "Fake News".

So funktioniert das Eurovision-Voting

Die Behauptung im Post widerspricht direkt dem offiziellen Abstimmungssystem der EBU.

Laut Rundfunkunion setzt sich das Endergebnis beim ESC aus dem Televoting des Publikums und den Wertungen professioneller Jurys in allen teilnehmenden Ländern zusammen.

Zu den nationalen Jurys gehören jeweils sieben Fachleute aus der Musikbranche. Sie bewerten die Auftritte der Länder bei einer Generalprobe vor dem Live-Finale.

Das Publikum stimmt während der Live-Show per Telefon, SMS oder online ab – jeweils gegen Gebühr. Für das eigene Land dürfen Zuschauerinnen und Zuschauer keine Stimme abgeben.

Nach Angaben der EBU werden die Stimmen zunächst über Telekommunikationsanbieter, Zahlungsdienstleister und nationale Voting-Partner ermittelt. Unabhängige Stellen prüfen die Ergebnisse anschließend.

In diesem Jahr reagierte die EBU auf Kritik von Sendern an aggressiven Werbekampagnen für einzelne Acts. Sie reduzierte die Zahl der Stimmen, die jede Person abgeben kann, von 20 auf 10, und führte neue Regeln ein, die "staatlich unterstützte Kampagnen" eindämmen sollten.

Wurde Bulgariens Dara im Hintergrund von anderen finanziert?

Es blieb nicht bei dieser einen Fake News. The Cube, das Faktencheck-Team von Euronews, fand zahlreiche Posts in sozialen Netzwerken, die von einem manipulierten Wettbewerb sprachen oder behaupteten, verschiedene Länder hätten sich den Sieg erkauft.

Nachdem Dara den ESC gewonnen hatte, verbreiteten Nutzer auf Reddit und X unbelegte Behauptungen, Israel stehe hinter der bulgarischen Bewerberin und hätte auch mehrere andere finanziert.

Organisiert werden die ESC-Beiträge in erster Linie von den nationalen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der jeweiligen Länder.

In diesem Fall zeigen öffentlich einsehbare Unterlagen: Das bulgarische Fernsehen BNT und Daras bulgarisches Label Virginia Records haben die Teilnahme Bulgariens am ESC organisiert und finanziert. Dazu gehörten die nationale Vorauswahl, die Inszenierung des Auftritts und die Teilnahmegebühren. Für ihren Hit "Bangaranga" arbeitete Dara mit internationalen Songwriterinnen, Songwritern und Produzenten zusammen.

Es gibt keine glaubwürdigen Hinweise auf nicht offengelegte Finanzierungen des bulgarischen Beitrags durch die israelische Regierung.

Falsche Behauptungen inmitten von Kontroversen

Die meisten Anschuldigungen, der ESC sei manipuliert, verbreiteten sich in den sozialen Medien. Dabei standen das Abstimmungssystem und die Werbekampagnen rund um den Wettbewerb ohnehin stark unter Beobachtung.

In den vergangenen beiden Jahren haben Recherchen der "New York Times" und der Faktencheck-Einheit der EBU, Eurovision News Spotlight, staatlich unterstützte Werbekampagnen aus Israel untersucht. Diese sollten Zuschauerinnen und Zuschauer in ganz Europa dazu bewegen, für den israelischen Beitrag zu stimmen.

Der israelische Sender KAN erklärte zu der Debatte, man sei überzeugt, dass keine ESC-Regeln verletzt worden seien.

Zusätzliche staatliche Unterstützung für ESC-Acts über die Beiträge der öffentlich-rechtlichen Sender hinaus ist nicht ungewöhnlich. Vor allem Tourismusbehörden und Kultureinrichtungen sponsern regelmäßig Promotionreisen und Öffentlichkeitsarbeit von Künstlerinnen und Künstlern.

Die EBU betonte, sie sei trotz Beschwerden mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender über mangelnde Transparenz beim Televoting und über Werbekampagnen überzeugt, dass der Wettbewerb 2025 ein "gültiges und belastbares Ergebnis" geliefert habe.

In der Folge verschärfte die EBU ihre Regeln für die Anzahl der Stimmen aus dem Publikum und führte Maßnahmen ein, die von ihr als "unverhältnismäßig" eingestufte staatlich unterstützte Kampagnen eindämmen sollen.

Es war nicht das erste Mal, dass die EBU die Wettbewerbsregeln wegen eines Streitfalls anpasste. Im Jahr 2022 strich sie die Jurywertungen im zweiten Halbfinale aus sechs Ländern – Aserbaidschan, Georgien, Montenegro, Polen, Rumänien und San Marino –, nachdem sie dort "unregelmäßige Abstimmungsmuster" festgestellt hatte.

Die betroffenen Sender wiesen den Vorwurf zurück. Die Kontroverse führte dazu, dass die Organisatoren die professionellen Jurys in den Halbfinals der Jahre 2023 bis 2025 vorübergehend aussetzten. Für den diesjährigen Wettbewerb wurden Jurywertungen im Halbfinale wieder eingeführt.

Doch anders als die viralen Posts behaupten, gibt es bis heute keinen glaubwürdigen Beleg dafür, dass der ESC-Sieg heimlich im Voraus feststeht und Länder sich den Sieg durch Zahlungen an die EBU sichern können.

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