Der erbitterte Streit um ein milliardenschweres Immobilienprojekt an mehreren albanischen Küsten- und Naturgebieten befeuert irreführende Behauptungen im Netz.
Rund um das umstrittene albanische Immobilienprojekt, das mit Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in Verbindung steht, kursiert inzwischen eine ganze Welle falscher Behauptungen. Es geht um die unbewohnte Insel Sazan und einen Abschnitt der Küstenlandschaft von Vjosa-Narta.
Befürworter betonen, das Projekt könne den Tourismus ankurbeln und neue Investitionen anziehen. Kritiker warnen hingegen, es bedrohe eines der wichtigsten Naturgebiete des Landes und spiele ausländischen Investoren in die Hände.
Zu den Falschbehauptungen gehört ein Video, das in sozialen Netzwerken verbreitet wird und angeblich das brennende Wohnhaus des albanischen Premierministers Edi Rama während der Proteste zeigt.
Tatsächlich stammt die Aufnahme aus dem Februar 2026. Sie zeigt Demonstrierende aus dem Umfeld der Demokratischen Partei, die die frühere Villa von Enver Hoxha anzünden, dem kommunistischen Staatschef, der Albanien mehr als 40 Jahre lang regierte.
Eine der am weitesten verbreiteten Behauptungen lautet, der albanische Immobiliendeal werde vom Staat Israel unterstützt oder stehe in enger Verbindung zu ihm.
Belege dafür gibt es keine. Genährt werden die Spekulationen durch irreführende Bezüge auf Kushners jüdische Herkunft, seine frühere Rolle in den Friedensgesprächen zwischen Israel und Hamas sowie Investitionen seines Hedgefonds Affinity Partners in Israel.
Ein weit verbreitetes Bild in den sozialen Medien zeigt einen Stacheldrahtzaun mit zwei Flaggen, einer israelischen und einer albanischen. Es wird als neue Grenze auf der Insel Zvërnec ausgegeben. Das stimmt nicht: Das Foto wurde digital bearbeitet, die Schilder mit den Flaggen und der angeblichen Grenze wurden nachträglich eingefügt.
Andere Videos wollen „israelische Siedler“ zeigen, die Land in Albanien übernehmen und von der Bevölkerung vertrieben werden. Der virale Clip stammt in Wahrheit aus dem Norden Albaniens: Er zeigt Proteste gegen ein anderes Luxusresort in Baks-Rjoll bei Velipojë und wurde im Februar 2026 aufgenommen.
Premierminister Rama wies zudem die Behauptung zurück, das Projekt sei Teil eines Plans, Palästinenser in Albanien anzusiedeln. Dieses Gerücht taucht seit Jahren immer wieder auf.
Er sagte Euronews: „Es gibt die Erzählung, das sei ein geheimer Deal zwischen [Israels Premierminister] Bibi Netanyahu und mir über Jared Kushner, um Palästinenser in diesen Teil Albaniens zu bringen. Das ist reine Fantasie.“
Mitten in dieser Welle an Desinformation hat das von Kushners Firma Affinity Partners unterstützte Resortprojekt jedoch eine echte Korruptionsermittlung ausgelöst.
Die albanische Antikorruptions-Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein umstrittenes Gesetz, das das Parlament 2024 verabschiedete. Es schwächt den Schutz der empfindlichsten Ökosysteme des Landes.
Im Fokus stehen besonders schnelle Genehmigungen, womöglich gefälschte Eigentumstitel und fragwürdige Landübertragungen rund um das Projekt. Geplant ist es im ökologisch sensiblen Feuchtgebiet von Vjosa-Narta, einem wichtigen Lebensraum unter anderem für nistende Meeresschildkröten und Zugvögel.