EU-Kommission rügt chinesische Onlineplattform: Untersucher finden auf der Seite gefährliche Babyspielzeuge und mangelhafte Ladegeräte, Risikoprüfungen gelten als unzureichend.
Die EU-Kommission hat dem chinesischen Online-Händler Temu eine Geldstrafe von 200 Millionen Euro auferlegt, nachdem Ermittler auf der Plattform zahlreiche gefährliche Babyspielzeuge und fehlerhafte Ladegeräte gefunden hatten.
Nach Angaben der Kommission verstößt Temu damit gegen den Digital Services Act (DSA). Die Plattform habe die Risiken durch illegale und unsichere Produkte, die an europäische Verbraucher verkauft werden, nicht ausreichend erkannt und eingedämmt.
Die Strafe folgt auf eine förmliche Untersuchung, die die Kommission im Oktober 2024 eingeleitet hatte. Sie prüfte, ob Temu seine Pflichten als eingestufte Very Large Online Platform nach EU-Recht erfüllt.
Teil der Untersuchung war ein verdeckter Testkauf, den eine unabhängige Prüforganisation durchführte. Demnach bestand ein großer Teil der über Temu gekauften Ladegeräte nicht einmal einfache elektrische Sicherheitsprüfungen. Auch viele Babyspielzeuge stellten mittlere bis hohe Sicherheitsrisiken dar, enthielten Chemikalien über den zulässigen Grenzwerten oder hatten kleine abnehmbare Teile, an denen Kinder ersticken können.
Die Kommission kritisierte zudem, dass Temu die Rolle des eigenen Plattform-Designs bei der Verbreitung unsicherer Produkte unterschätzt. Empfehlungsalgorithmen und von Influencern getragene Werbeprogramme könnten illegale Angebote zusätzlich verstärken, stellten die Ermittler fest. Diesen Aspekt habe Temu bislang kaum untersucht.
„Risikobewertungen sind keine bloßen Formularübungen. Sie bilden das Rückgrat des DSA“, sagte Henna Virkkunen, Exekutivvizepräsidentin der EU-Kommission für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie. „Temus Risikobewertung unterschätzt konkrete Gefahren, bleibt vage, stützt sich nicht auf belastbare Belege und ist nicht umfassend.“
„Damit bleiben Aufsichtsbehörden, Nutzer und die Öffentlichkeit im Unklaren darüber, wie groß der mögliche Schaden durch illegale Produkte auf Temu tatsächlich ist. Jetzt ist es an Temu, das Gesetz einzuhalten.“
Temu erklärte, man respektiere die Ziele des Digital Services Act und die Bedeutung klarer und einheitlicher Regeln für die digitale Wirtschaft. Zugleich widerspreche das Unternehmen der Entscheidung der EU-Kommission und halte die Höhe der Strafe für „unverhältnismäßig“, teilte Temu in einer Stellungnahme an Euronews Next mit.
Man werde „weiter konstruktiv mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten“, um einen verantwortungsvollen Marktplatz zum Nutzen von Verbrauchern, Unternehmen und lokalen Gemeinschaften zu entwickeln, hieß es weiter.
„Wir prüfen die Entscheidung sorgfältig und loten alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aus“, so Temu.
Temu hat nun bis zum 28. August 2026 Zeit, einen Maßnahmenplan vorzulegen. Darin muss das Unternehmen darlegen, wie es seine Defizite bei der Risikobewertung beheben will, wie es Artikel 75 des DSA verlangt. Der Europäische Ausschuss für digitale Dienste hat danach einen Monat für die Prüfung. Anschließend bleiben der Kommission einen weiteren Monat, um den Plan endgültig zu billigen und einen Zeitplan für die Umsetzung festzulegen.
Hält sich Temu nicht an die Nichtbefolgungsentscheidung, drohen zusätzlich zur nun verhängten Geldstrafe regelmäßige Zwangsgelder. Die Kommission kündigte an, den Konzern weiter eng zu begleiten und die Einhaltung des DSA insgesamt zu überwachen.
Die Meldung wurde um eine Stellungnahme von Temu ergänzt.