Die Ausschreitungen folgten auf die Festnahme eines dreißigjährigen sudanesischen Asylsuchenden, dem versuchter Mord nach einem Messerangriff im Norden von Belfast vorgeworfen wird. Das Opfer, ein Mann Mitte vierzig, erlitt schwere Verletzungen im Gesicht, am Rücken und an den Augen und verlor sein linkes Auge.
In der Nacht griff die Gewalt weiter um sich. Vermummte Randalierer setzten einen Linienbus in Brand, zündeten Autos und Müllcontainer an und attackierten Wohnhäuser sowie Geschäftsräume. Drei Häuser brannten vollständig aus, zudem wurden ein arabischer Supermarkt und eine türkische Bar angegriffen. Innerhalb von fünf Stunden gingen bei der Feuerwehr 256 Notrufe ein. Die Einsatzkräfte rückten zu 62 einzelnen Einsätzen aus und zogen zusätzliches Personal heran, um die Flammen zu bekämpfen.
Einige Familien mussten ihre Wohnungen unter Polizeischutz verlassen, als ihre Häuser angegriffen wurden. Am nächsten Morgen kehrten die Bewohner zurück, um eingeschlagene Fenster, verrußte Fassaden und ausgebrannte Fahrzeuge zu begutachten. Der Anwohner Jamie Corry berichtete, mehrere Familien hätten nicht nur ihr Zuhause verloren, sondern auch Gegenstände mit hohem ideellen Wert.
Die Unruhen erfassten mehrere Orte, darunter Ost-Belfast, Portadown, Newtownabbey, Ballyclare, Antrim und Teile von Derry. Der öffentliche Nahverkehr war dort teilweise lahmgelegt. Zwei Polizeibeamte erlitten Verletzungen.
Spitzenpolitiker verurteilten die Gewalt scharf. Nordirlands Justizministerin Naomi Long sprach von „grauenhaften und beschämenden Szenen“. Regierungschefin Michelle O’Neill nannte die Angriffe „blanke Gewalt“ und „widerliche Feigheit“. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, Spannungen nicht weiter anzuheizen und keine Gemeinschaften ins Visier zu nehmen, während die Ermittlungen laufen.
Das Verkehrsunternehmen Translink nahm den Betrieb am 10. Juni wieder auf, warnte Fahrgäste jedoch vor Verspätungen durch Trümmer und Schäden entlang der Strecken. Die Polizei bleibt in erhöhter Alarmbereitschaft, da weitere Ausschreitungen befürchtet werden.