Deutschlands Wirtschaft, die größte Volkswirtschaft der EU, hat lange auf billiges russisches Gas gesetzt. Seit dem Russland-Ukraine Krieg, der 2022 begann, brachen die Lieferungen ein und trafen die deutsche Industrie hart.
In Deutschland wächst die Sorge, weil die Gasspeicher kurz vor dem Herbst nur etwa zur Hälfte gefüllt sind. Nun bemüht sich das Land um Gasgeschäfte mit Algerien, um seine Gasversorgung breiter aufzustellen – das betonte Deutschlands Außenminister am Dienstag in Algier. Dort schloss er sich einer Wirtschaftsdelegation an, die das nordafrikanische Land besucht.
„Wir müssen diversifizieren… wir brauchen langfristige Gasverträge“, betonte Johann Wadephul dem ZDF am zweiten Tag seiner Reise.
Nach eigenen Angaben trifft Wadephul Algeriens Energieminister Mourad Adjal. Vertreter deutscher Unternehmen, die nach langfristigen Verträgen suchen, sind ebenfalls in Algerien.
Mit Blick auf algerische Lieferverträge mit Spanien und Italien sagte Wadephul: „Ich hoffe, dass Deutschland nun ebenfalls einen Teil seiner Gasversorgung hier absichern kann. Das ist unser zentrales Interesse.“
Die größte Volkswirtschaft der EU stützte sich bis zum Krieg in der Ukraine lange auf günstiges russisches Gas.
Seitdem hat Berlin russische Energie weitgehend durch norwegisches Pipelinegas und amerikanisches Flüssigerdgas ersetzt. Die Preise für LNG liegen jedoch meist höher und schwanken stärker als bei langfristigen Pipelineverträgen.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran erhöht den Druck auf die Gaspreise zusätzlich. In Deutschland wächst aus diesem Grund die Sorge vor einer möglichen Energieknappheit im kommenden Winter.
Derzeit sind die deutschen Gasspeicher nur zu 53 % gefüllt. Im EU-Durchschnitt liegen die Vorräte bei 65 %, wie Zahlen des Aggregated Gas Storage Inventory zeigen.
Die Regierung schreibt vor, dass die meisten Speicher bis zum ersten November zu mindestens 80 % gefüllt sein müssen.
„Da es für keine der beiden Krisen eine schnelle Lösung in Sicht gibt, ist klar, dass wir diversifizieren müssen“, sagte Wadephul. „Wir brauchen mehr Lieferanten.“
Nach der Gaskrise 2022 führte die Bundesregierung verbindliche Mindestfüllstände für Gasspeicher ein, damit will sie starke Ausschläge der Spotgaspreise abfedern. Wenn nötig tritt der Staat selbst als Käufer auf. Spotgaspreise sind die Preise, zu denen Erdgas kurzfristig am Großhandelsmarkt gehandelt wird – im Gegensatz zu langfristig vereinbarten Preisen.