Nach der Großstörung vor Mitternacht teilt die Bahn mit, dass der Zugverkehr langsam wieder anläuft. Die Reisenden müssen jedoch noch mit "langen Verspätungen, Teilausfällen und Ausfällen" rechnen.
Eine Störung im Kommunikationssystem hat das deutsche Bahnnetz am späten Dienstagabend dazu gezwungen, den gesamten Zugverkehr einzustellen. Überall im Land waren Passagiere gestrandet.
Züge blieben in den Bahnhöfen stehen. Reisende stellten sich in langen Schlangen an den Informationsschaltern an und suchten nach Wegen, doch noch an ihr Ziel zu kommen.
Die Deutsche Bahn teilte kurz vor ein Uhr in der Nacht mit – fast zweieinhalb Stunden nachdem sie die Störung erstmals gemeldet hatte –, das Problem sei behoben. Der Betrieb werde nun "Schritt für Schritt" wieder aufgenommen.
Das Unternehmen sprach von einer deutschlandweiten Störung des digitalen Kommunikationssystems GSM‑R. Es dient der internen Kommunikation im Bahnnetz.
Die lange Suche nach der Ursache des Problems
Später erklärte die Bahn, die Ursache sei gefunden. Details nannte sie nicht.
Die Bahnchefin Evelyn Palla erklärte in der "Bild": "Wir konnten mit einem Notfallsystem die Lage stabilisieren. Die Ursache müssen wir jetzt klären."
Während der Störung verteilte der Konzern Taxi‑ und Hotelgutscheine an Fahrgäste. Wo es möglich war, blieben Züge in den Bahnhöfen geöffnet, damit Reisende dort warten konnten. Die Bahn entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten.
Viele Betroffene mussten ihre Reisen spontan neu planen oder alternative Lösungen organisieren. Zahlreiche internationale Fahrgäste berichteten bei ihrer Ankunft an großen Knotenpunkten wie dem Berliner Hauptbahnhof von vielen "unzufriedenen Gesichtern."
"Der Zugbegleiter war sehr freundlich, aber er meinte nur: Wir wissen es nicht", sagte Reyna Ghoshal, eine Reisende aus Atlanta im US‑Bundesstaat Georgia. "Wir haben vorsichtshalber einen Bus für acht Uhr gebucht, aber im Grunde wissen wir nicht, was los ist."
Die angeschlagene Deutsche Bahn
In den vergangenen Jahren haben Beschwerden über Verspätungen und Störungen im deutschen Bahnverkehr deutlich zugenommen.
Die bundeseigene Deutsche Bahn saniert nach Jahren mangelnder Investitionen derzeit wichtige Strecken grundlegend. Die Arbeiten beeinträchtigen den Verkehr, sollen die Zuverlässigkeit aber langfristig verbessern.
Das deutsche Bahnnetz hat in der Vergangenheit nur selten den gesamten oder fast gesamten Verkehr eingestellt und dann meist wegen Unwettern, nicht wegen technischer Probleme.
GSM‑R, kurz für Global System for Mobile Communications–Railway, stellt Sprach‑ und Datendienste für den Bahnbetrieb bereit. Dazu gehört auch die Kommunikation zwischen dem Zugpersonal und den Leitstellen.
Nach Angaben der Europäischen Eisenbahnagentur wird das System seit dem Jahr 2000 europaweit als gemeinsamer Standard für den Bahnverkehr eingeführt.