Im Atomkraftwerk an der Nordseeküste haben sich Quallen im Filtersystem gesammelt. Für das AKW Gravelines ist das Problem nicht neu.
Ein „massiver Zufluss von Quallen“ hat zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Gravelines außer Betrieb gesetzt.
Der Betreiber EDF, dessen Atomkraftwerk am Ufer der Nordsee steht, teilte mit, dass sich die Produktionseinheiten Nummer drei und vier automatisch abgeschaltet haben. Auslöser ist der Eintrag von Quallen in das Filtersystem der Anlage.
Laut dem Unternehmen hat die „Situation keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen, den Schutz des Personals oder die Umwelt“.
Bereits im vergangenen Jahr haben sich vier Reaktoren aus einem ähnlichen Grund abgeschaltet. Es dauerte rund zehn Tage, bis alle wieder an das nationale Stromnetz gingen.
Quallen tauchen an der Küste im Norden Frankreichs regelmäßig und saisonal auf. Meldungen über große Schwärme in diesem Gebiet häufen sich jedoch inzwischen jeden Sommer, teils als Folge des Klimawandels.
Frankreichs Atompark: Rekord bei Ausfällen
Der Vorfall gilt als geringfügig, doch die Abschaltung von drei Reaktoren des Kraftwerks Gravelines, des größten in Westeuropa, trifft die Stromproduktion hart.
Im Moment läuft nur ein Reaktor der Anlage, die Produktionseinheit Nummer sechs. Der fünfte Reaktor befindet sich planmäßig zu Wartungszwecken im Stillstand.
Im größeren Kontext verzeichnet der französische Atompark einen Höchststand an Ausfällen durch Trockenheit und Hitze, wie Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP zeigen. Zwei Blöcke des Kraftwerks Chooz in den Ardennen stehen zum Beispiel still. Der Pegel der Maas, die das Werk mit Kühlwasser versorgt, liegt derzeit zu niedrig für eine Nutzung.
Hitze und Trockenheit setzen Atomkraftwerken in ganz Europa zu. Ungarn hat am zweiten August angekündigt, sein einziges Atomkraftwerk wegen eines zu niedrigen Pegels der Donau abzuschalten. Zum ersten Mal seit 44 Jahren hat das Land die Anlage aus eigenem Entschluss vom Netz genommen.