Portugal dominiert die erste Halbzeit, bleibt vor dem Tor aber ohne Erfolg. Kurz nach der Pause geht Kroatien in Führung, ehe Ronaldo per Elfmeter ausgleicht. In der Nachspielzeit köpft Gonçalo Ramos Portugal zum Sieg, während ein später kroatischer Ausgleich wegen Abseits nicht zählt.
Um die schlechten Erinnerungen an die Partie gegen Kolumbien abzuschütteln, legte Portugal von Beginn an mit hohem Tempo los. Die Mannschaft presste früh, setzte Kroatien massiv unter Druck und drängte den Gegner tief ins eigene Defensivdrittel.
Keine fünf Minuten waren gespielt, als Rafael Leão, der João Félix in der Startelf ersetzte, nach einem Pass von Nuno Mendes über die linke Seite durchbrach. Er legte zurück auf Bruno Fernandes, dessen Direktabnahme Livaković stark parierte.
João Neves, Bruno Fernandes und vor allem Vitinha störten konsequent den einstudierten Spielaufbau von Modrić und Kovačić. So übernahm die Seleção schnell die Kontrolle. Die Angriffe auf den kroatischen Strafraum häuften sich folgerichtig.
In der 16. Minute wurde Portugal nach einer Ecke gefährlich, einer Spielsituation, in der Kroatien besonders anfällig wirkte. Renato Veiga kam unbedrängt zum Kopfball, setzte den Ball aber über die Latte.
Kroatien fand im portugiesischen Mittelfeld kaum Räume und lauerte fast ausschließlich auf Konter. In der gesamten ersten Halbzeit brachte das Team lediglich zwei harmlose Abschlüsse von Ante Budimir zustande, einen Schuss und einen Kopfball. Beide blieben ohne Gefahr, der Stürmer war weitgehend isoliert.
Defensiv verdichtete Kroatien das Zentrum und zwang Portugal immer wieder auf die Flügel. Dort ragte neben Leão vor allem Pedro Neto heraus, mit präzisen Flanken und unermüdlicher Defensivarbeit an der Seite von João Cancelo. Phasenweise wirkte er wie ein gelernter Rechtsverteidiger.
Zweite Halbzeit wird zum Spektakel
Nach der Pause präsentierte sich Kroatien deutlich mutiger. Zunächst parierte Diogo Costa einen starken Solo-Vorstoß von Kovačić. Kurz darauf war Perišić erfolgreicher: Nach einer Hereingabe von der rechten Seite durch Stanišić brachte der Routinier die Mannschaft von Zlatko Dalić in Führung und erzielte sein erstes Tor bei diesem Turnier.
Der kroatische Schwung führte kurz darauf zu einem weiteren Treffer durch Matanović, der jedoch wegen einer Abseitsstellung des Vorbereiters Vlašić zurückgenommen wurde. Danach verlor Kroatien überraschend die Konzentration und ließ Portugal zurück ins Spiel kommen. Ein erster Warnschuss war Leãos wuchtiger Lattentreffer.
Nach gut einer Stunde und den Einwechslungen von Nélson Semedo, Bernardo Silva und Gonçalo Ramos traf Cristiano Ronaldo nach einem Steilpass von Pedro Neto erstmals ins kroatische Netz. Der bis dahin blasse Kapitän stand jedoch im Abseits, das Tor zählte nicht.
Beim zweiten Anlauf durfte der portugiesische Kapitän dann jubeln. Vlašić hatte Renato Veiga bei einer Ecke im Strafraum gehalten, Ronaldo verwandelte den fälligen Elfmeter sicher zum Ausgleich. Es war sein erstes Tor in einer K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft und insgesamt sein 146. Treffer im Nationaltrikot.
Kroatien reagierte mit Druck und erspielte sich drei klare Chancen, zwei durch Kovačić und eine durch Matanović. Pfosten und Diogo Costa retteten Portugal in dieser Phase vor dem erneuten Rückstand.
Der portugiesische Torhüter hatte bereits gegen Kolumbien geglänzt. In Toronto kamen nun weitere fünf Paraden hinzu. Diogo Costa bestätigt sich damit als eine der Schlüsselfiguren auf Portugals Weg durch dieses Turnier.
Zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit entwischte Sušić der portugiesischen Abwehr und jubelte über das 2:1. Der Mittelfeldspieler von Inter stand jedoch im Abseits, der Treffer wurde aberkannt.
Dann folgte eine Szene, die bis vor Kurzem kaum denkbar gewesen wäre: Ronaldo musste für Francisco Conceição vom Platz. Der Kapitän, der im zweiten Durchgang deutlich aktiver war als vor der Pause, reagierte sichtbar verärgert auf die Entscheidung von Roberto Martínez. Dem Spielfluss der Seleção schadete die Auswechslung jedoch nicht.
Ohne ihren größten Star drehte Portugal die Partie in der Nachspielzeit. Eine maßgenaue Flanke von Rafael Leão fand Gonçalo Ramos, der sich zwischen Pongračić und Gvardiol hochschraubte und Livaković mit einem technisch perfekten Kopfball keine Chance ließ. Damit untermauerte Ramos seinen Ruf als Edeljoker und befeuerte zugleich die Diskussion, wer im nächsten Spiel im Sturmzentrum beginnen soll.
Der neue Stürmer des AC Mailand steht nun bei vier WM-Toren, alle erzielt in K.-o.-Spielen. Das unterstreicht seine Stärke auf den größten Bühnen und gegen Top-Gegner.
Die Portion Drama war damit noch nicht aufgebraucht. Gvardiol stellte nach einem Zuspiel von Perišić erneut auf unentschieden, die Kroaten jubelten ausgelassen. Doch die Freude schlug in bittere Enttäuschung um: Die VAR-Überprüfung ergab, dass Matanović den Ball minimal berührt hatte, bevor er zu Pašalić gelangte, der aus einer Abseitsposition eingriff.
Im Achtelfinale kehrt Portugal nach Texas zurück und trifft am kommenden Montag um 20.00 Uhr portugiesischer Zeit auf Spanien, diesmal im Stadion von Dallas.
Gedenken an Diogo Jota auf dem Rasen
Am ersten Todestag von Diogo Jota zog Cristiano Ronaldo nach Abpfiff das Trikot mit der Nummer 21 an, das einst dem früheren Flügelspieler der Nationalmannschaft gehört hatte.
Auf dem Rasen zeigte CR7 zum Himmel und kämpfte mit den Tränen. Die portugiesischen Fans im Stadion von Toronto begleiteten die Geste mit langem Applaus.
"Wir haben für uns, für Diogo und für Portugal gewonnen!!! VAMOS!!!!", schrieb der portugiesische Kapitän auf Instagram.
Auch die übrigen Spieler und der gesamte Stab beteiligten sich an der Ehrung. Gemeinsam stellten sie sich zu einem Mannschaftsfoto auf, um den Tribut an Jota festzuhalten, der am 3. Juli 2025 in Spanien bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.
Nach dem emotionalen Duell mit portugiesischer Aufholjagd schlug Trainer Roberto Martínez eine symbolische Brücke zwischen dem Ergebnis und der Rückennummer, die Jota getragen hatte.
"Es war das typische Diogo-Spiel. 2:1, also die 21, gegen Kroatien, die letzte Mannschaft, gegen die er im Jamor getroffen hat. Viele Zeichen. Diogo hat uns viel Kraft und Energie geschickt. Jetzt ist er sehr glücklich und stolz", sagte der Coach bei Sport TV.