Die WM 2030 in Portugal, Spanien und Marokko sorgt für Kritik seitens der Partei Livre: Sie wirft Marokko vor, bei Massenmigration nach Ceuta „verletzliche Menschen“ auszunutzen.
Die Partei Livre fordert, dass die Fußball-WM 2030, die Portugal, Spanien und Marokko gemeinsam ausrichten sollen, ohne das nordafrikanische Land stattfindet. Sie reagiert damit auf die Ereignisse der vergangenen Tage in Ceuta.
Die fünf Abgeordneten der linksgerichteten portugiesischen Partei haben einen offenen Brief an Premierminister Luís Montenegro und an den Präsidenten des Portugiesischen Fußballverbands, Pedro Proença geschickt. Darin werfen sie Marokko Verstöße gegen das Völkerrecht vor und erklären, es sei „nicht länger vertretbar, dass Marokko gemeinsam mit Portugal und Spanien die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 mitorganisiert“.
Die von Jorge Pinto und Isabel Mendes Lopes geführte Partei wirft Marokko vor, den Massenexodus in die spanische Exklave Ceuta organisiert zu haben, der die vergangenen Tage geprägt hat. Diese Migrationswelle habe bisher nachweislich 75 Todesopfer gefordert; der jüngste Bericht der Behörden in Ceuta spricht jedoch von 88 Toten.
Portugal dürfe, so das Schreiben, „nicht zur Normalisierung von Grenzgewalt, zur Verletzung der Menschenrechte und zur politischen Instrumentalisierung von Menschen in verletzlichen Situationen beitragen“. In dem Schreiben heißt es weiter, die Regierungen von Portugal und Spanien müssten gemeinsam mit der EU und der UEFA klarstellen, dass – wie ursprünglich vorgesehen – allein zwischen Portugal und Spanien die Voraussetzungen für die Ausrichtung des Turniers gegeben seien.
Erfüllen beide Länder alle Kriterien für die Co-Organisation der Weltmeisterschaft 2030, dürften sie dafür nicht bestraft werden und sollten als Gastgeber erhalten bleiben. Die Partei fordert die Regierung und den Portugiesischen Fußballverband zudem auf, mit ihren spanischen Pendants Kontakt aufzunehmen, um eine gemeinsame Position zu finden.
Partei: „Jahrzehnte von Menschenrechtsverletzungen“
Es ist nicht das erste Mal, dass die Partei Livre die Beteiligung Marokkos an der gemeinsamen Ausrichtung der WM kritisiert.
Bereits während des Bewerbungsverfahrens verwies sie auf die marokkanische Politik gegenüber der Westsahara und erinnerte an „Jahrzehnte systematischer Menschenrechtsverletzungen durch das marokkanische Regime gegen die eigene Bevölkerung sowie an die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts, die gewaltsame Repression des sahrauischen Volkes und die Nichterfüllung des zugesagten Referendums über die Selbstbestimmung“.
Zur Massenmigration von Zehntausenden Menschen nach Ceuta am Wochenende hat die Partei nach eigenen Worten keine Zweifel an der aktiven Rolle Marokkos und beschuldigt das Königreich der „Instrumentalisierung marokkanischer Staatsbürger in Ceuta, darunter auch junger Menschen, Frauen und Kinder, für einen Angriff auf die Grenzen zu Spanien – mit tragischen Folgen“.
In einem Interview mit dem Sender RTP am Dienstagnachmittag sagte Jorge Pinto, die jüngsten Ereignisse seien „der letzte Tropfen“ gewesen. Er bezeichnete sie als „Teil einer Reihe von Angriffen auf die europäischen Grenzen“ und verglich die Instrumentalisierung von Migranten mit früheren Vorfällen, bei denen Ähnliches „durch Erdoğan, Putin oder Lukaschenko“ geschehen sei.
Zugleich erinnerte er an die Annäherung Marokkos an die USA unter Donald Trump und an die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu und übte scharfe Kritik an der Führung der FIFA unter Gianni Infantino. Der offene Brief verweist zudem darauf, dass „die Ausrichtung des Turniers bereits Ländern wie Russland, Katar und den Vereinigten Staaten von Amerika übertragen wurde – in einem Verfahren, dessen Transparenz von zahlreichen Akteuren infrage gestellt wurde“.
Die gemeinsame Bewerbung Portugals und Spaniens für die Ausrichtung der WM 2030 sollte ursprünglich auch die Ukraine einschließen. Weil das kriegsgeplagte Land keine WM-Spiele ausrichten kann, rückte Marokko als Partner nach. Das Land baut in Casablanca ein Stadion, das als größtes Fußballstadion der Welt geplant ist, mit 115.000 Plätzen. Es soll den Namen des früheren Monarchen Hassan II. tragen und ist Marokkos große Hoffnung für das WM-Finale.