Die gegenseitigen Angriffe zwischen USA und Iran sind auch in dieser Nacht fortgesetzt worden. Als Antwort auf neue US-Schläge meldete Irans Revolutionsgarde Angriffe auf US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait. Mehrere Tote sind in dieser Woche zu beklagen.
Nach Angaben der iranischen Behörden sind bei den jüngsten US-Luftangriffen auf den Iran mindestens 14 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Mehrere Verkehrs- und Seeverkehrseinrichtungen sollen beschädigt worden sein. Beide Seiten haben auch in dieser Nacht ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt.
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) erklärte, die Angriffe seien durchgeführt worden, um die Fähigkeit der iranischen Streitkräfte zu schwächen, "die Freiheit der Schifffahrt" in der Straße von Hormus zu bedrohen, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssigerdgases fließt.
"Die Vereinigten Staaten machen den Iran für die jüngsten ungerechtfertigten Angriffe auf die Handelsschifffahrt verantwortlich", erklärte CENTCOM in einer Stellungnahme.
Als Reaktion darauf teilte die iranische Revolutionsgarde (IRGC) an diesem Donnerstag mit, sie habe US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait mit Raketen und Drohnen angegriffen: "wichtige Infrastruktur und Einrichtungen" auf US-Stützpunkten in Arifjan und Ali Al Salem in Kuwait sowie in Juffair und Sheikh Isa in Bahrain.
In Bahrain und Kuwait heulten in der Nacht Luftschutzsirenen, nachdem der Iran Vergeltung für erneute US-Angriffe auf das Land angekündigt hatte. Die Streitkräfte Kuwaits erklärten an diesem Donnerstag, die Luftabwehr fange "feindliche Raketen- und Drohnenangriffe" ab.
Die iranische Revolutionsgarde drohte mit weiteren Schlägen gegen andere Stützpunkte in der Region, sollten die US-Angriffe anhalten.
Das iranische Außenministerium brandmarkte an diesem Donnerstag die jüngste Welle von US-Luftangriffen als "ein eklatantes Kriegsverbrechen" und "aggressive Handlungen" des US-Militärs.
US-Angriffe auf mehrere Orte der iranischen Südküste
Irans Staatsmedien berichteten nach der Ankündigung einer neuen Angriffswelle durch das US-Zentralkommando von Explosionen an mehreren Orten entlang der Südküste. Der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA zufolge waren über der Insel Kisch Kampfjets zu hören, und Explosionen hätten die Hafenstädte Bandar Abbas, Konarak und Chabahar erschüttert, von denen Teile zeitweise ohne Strom gewesen seien.
Das Gesundheitsministerium des Iran bilanzierte an diesem Donnerstag, dass die US-Luftangriffe in den vergangenen Tagen fünf Provinzen getroffen hätten und dabei 14 Menschen ums Leben gekommen sowie 78 weitere verletzt worden seien. 47 der Verletzten befänden sich weiterhin im Krankenhaus.
Die iranischen Behörden meldeten zudem Schäden an mehreren wichtigen Infrastruktureinrichtungen. Der Leiter der Hafen- und Seeverkehrsverwaltung erklärte, einer der Anlege-Pontons im Hafen von Sirik habe bei den nächtlichen Luftangriffen schwere Schäden davongetragen.
Die iranische Eisenbahnbehörde gab bekannt, dass der Personenverkehr auf der Strecke Teheran–Mashhad eingestellt wurde, nachdem ein Abschnitt der Bahnstrecke beschädigt worden war. Reparaturteams wurden zum Unfallort entsandt und Vorkehrungen getroffen, um die gestrandeten Fahrgäste anderweitig nach Mashhad zu befördern.
In der Provinz Golestan teilte ein Korps der Revolutionsgarde mit, dass am frühen Donnerstagmorgen eine Marschflugrakete eine Brücke getroffen habe. Es habe keine Opfer gegeben. Das Nachrichtenportal Axios berichtete unter Berufung auf einen US-Beamten zudem, dass amerikanische Flugzeuge am Mittwoch zwei Eisenbahnbrücken im Iran angegriffen hätten.
Freihandelszone Chabahar ebenfalls betroffen
Der Leiter der Freihandelszone Chabahar im Südosten des Landes erklärte, dass die Behörden nach einem US-Angriff auf Teile von Chabahar damit begonnen hätten, die hunderte in Lagerhallen gelagerten Fahrzeuge zu abzutransportieren. Der Kontrollturm für den Seeverkehr in der Freihandelszone sei bei dem Angriff ins Visier genommen und beschädigt worden. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA hatte zuvor berichtet, dass es nach den Angriffen in Teilen von Chabahar zu mehrstündigen Stromausfällen gekommen sei.
Der Hafen von Chabahar liegt außerhalb der Straße von Hormus und ist der einzige Tiefwasserhafen des Iran mit direktem Zugang zum Indischen Ozean. Er ist für den regionalen Handel von strategischer Bedeutung, insbesondere weil er eine alternative Route zur Straße von Hormus bietet. Beobachtern zufolge könnte jede Störung des Hafenbetriebs Auswirkungen über den Iran hinaus haben und regionale Handelswege sowie eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte Indiens beeinträchtigen.
Die Luftangriffe haben auch den Schiffsverkehr im Persischen Golf beeinträchtigt. Laut Bloomberg, das Schiffstrackingdaten auswertete, ist der Verkehr durch die Straße von Hormus nach mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit US-Luftangriffen stark zurückgegangen. Rund 14 Frachtschiffe hätten die Wasserstraße am Mittwoch passiert, der niedrigste Stand seit dem Rahmenabkommen zwischen Iran und USA von Mitte Juni. Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt in den Wochen nach der Vereinbarung bei etwa 34 Schiffen pro Tag. Größere Schiffe haben die Passage laut dem Bericht – von wenigen Ausnahmen abgesehen – weitgehend gemieden.
Khameneis Trauerzug erreicht Mashhad
Die neuen Militäraktionen fielen mit den Trauerfeierlichkeiten für den ehemaligen Obersten Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, zusammen.
Ein Flugzeug mit seiner Leiche landete an diesem Donnerstag auf dem Flughafen von Maschhad. Die Beisetzung war laut den iranischen Behörden in der Nähe des Imam-Reza-Schreins geplant.
Trauerzüge fanden über mehrere Tage hinweg im Iran und im Irak statt, unter anderem in den heiligen Städten Nadschaf und Kerbela.
Diplomatische Bemühungen gehen weiter
Die Luftangriffe lösten im Iran heftige politische Reaktionen aus. Die staatsnahe Zeitung "Kayhan" forderte die Behörden auf, die Verhandlungen und das Rahmenabkommen mit den USA offiziell zu beenden, und argumentierte, dass "Raketen nun die Zukunft bestimmen".
Der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Amir Saeid Iravani, warf der Regierung in Washington vor, gegen die Charta der Vereinten Nationen und die im Islamabad-Memorandum festgelegten Verpflichtungen verstoßen zu haben. Die Luftangriffe stellten einen Verstoß die Charta der Vereinten Nationen und einen Bruch der ersten Klausel des Abkommens dar.
Unterdessen wurden die diplomatischen Bemühungen in der Region fortgesetzt. Der Premierminister von Katar erörterte telefonisch mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi die jüngste Eskalation.
Trump droht: Bei neuen Angriffen auf Schifffahrt wird Lage "viel schlimmer"
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gedroht, dass sich die Lage "deutlich verschlimmern" würde, sollte der Iran weiterhin Schiffe in der Straße von Hormus angreifen. Am Vortag hatte er nach Angriffen auf drei Schiffe auf dieser wichtigen Schifffahrtsroute neue Luftangriffe auf den Iran angeordnet.
Den Waffenstillstand mit dem Iran hatte Trump am Rande des NATO-Gipfeltreffens in Ankara für beendet erklärt. Daraufhin hatten die Vermittler Pakistan und Katar sowie die Vereinten Nationen zu einer Deeskalation aufgerufen.
Trump hat jedoch auch erklärt, dass die jüngsten Gefechte nicht zu einer "langfristigen" Militäraktion führen würden, und zugleich Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Irans Chefunterhändler teilte an diesem Donnerstag mit, die Straße von Hormus werde nur unter "iranischen Regelungen" geöffnet sein. "Die Vereinigten Staaten haben immer noch nicht begriffen, dass Schikane und Wortbruch nicht länger ohne Folgen bleiben", schrieb Mohammad Bagher Ghalibaf auf X. "Lassen Sie mich klarstellen: Wenn Sie zuschlagen, werden Sie einen Gegenschlag erhalten."