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Leif-Erik Holm: Der "nette" AfD-Mann in Mecklenburg-Vorpommern

Leif-Erik Holm bei einem Wahlkampftermin
Leif-Erik Holm bei einem Wahlkampftermin Copyright  AfD/Leif-Erik Holm
Copyright AfD/Leif-Erik Holm
Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Leif-Erik Holm (56) könnte die AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zum nächsten historischen Erfolg führen. Wie aus dem beliebten Radiomoderator ein Spitzenpolitiker der Rechtsaußenpartei wurde und was er für das Bundesland will.

Etwa eine Woche ist es noch bis zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Für die AfD könnte es ein weiterer historischer Sieg werden, nach dem haushohen Gewinn mit rund 44 Prozent in Sachsen-Anhalt.

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Denn hier an der Ostsee regiert seit 28 Jahren die SPD. Doch den Sozialdemokraten hat die AfD Anfang des Jahres in Umfragen den ersten Platz abgerungen. Es steht gut für die Rechtsaußenpartei und ihren Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm.

Mit der Parteimitgliedschaft begann für den gebürtigen Schweriner eine zweite Karriere: Aufgewachsen Holm in Klein Trebbow auf, einem 1000-Seelen-Dorf in der Nähe von Schwerin, lies er sich zunächst in der DDR zum Elektromonteur ausbilden, leistete dann seinen Wehrdienst.

Holm ist studierter Volkswirt, war aber lange Radiomoderator

Nach der Wende folgte ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Berlin. Währenddessen begann Holms jahrelange Laufbahn bei Radiosendern. Als Moderator dürfte er bereits damals viele seiner zukünftigen Wähler erreicht haben. Gearbeitet hat Holm unter anderem für den NDR, dessen Staatsvertrag die AfD kündigen möchte, um den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk umfassend zu reformieren.

Als im April 2013 die AfD Mecklenburg-Vorpommern gegründet wurde, trat Holm ein. Damals fokussierte die Partei sich primär auf Eurokritik und Wirtschaft. Trotz inhaltlichem Wandel blieb Holm der Partei treu. Ebenfalls 2013 trat Holm das erste Mal als Spitzenkandidat der Partei in Mecklenburg-Vorpommern bei der Bundestagswahl an. Es war ein Erfolg für die damals weitestgehend unbekannte Partei: 5,6 Prozent, mehr als die AfD bundesweit holte.

Doch die Rechtsaußenpartei scheiterte an der Fünfprozenthürde und verpasste so den Einzug in den Bundestag. Holm ging leer aus. Damals versuchte er, zurück zum Radio zu gehen, wie er der Wochenzeitung Die Zeit 2016 erzählte. Seine Sender lehnten wegen seines politischen Engagements ab. "Dann habe ich gesagt: Dann mache ich halt Politik. Dann hat das Schicksal es so gewollt", so Holm.

Seine Familie musste ein Jahr lang vom Ersparten leben

Holm, der verheiratet ist und vier Kinder hat, lebte damals rund ein Jahr lang von seinem Ersparten, wie er dem Spiegel berichtete. Bernd Lucke, Mitgründer der AfD, habe ihm schließlich einen Job vermittelt als Leiter des Berliner Büros der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch.

Die damalige AfD-Chefin, Frauke Petry, mit dem damaligen Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Leif-Erik Holm, 2016
Die damalige AfD-Chefin, Frauke Petry, mit dem damaligen Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Leif-Erik Holm, 2016 Copyright 2016 The Associated Press. All rights reserved.

Holm ist eines der langjährigsten Mitglieder seines Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern. Ein Jahr nach dessen Gründung ließ er sich zum Landesvorsitzenden wählen und führt seitdem den Verband an, mit kurzer Unterbrechung im Jahr 2014. Für seine Partei zog Holm in den Landtag sowie in den Bundestag ein und kandidierte vor wenigen Jahren erfolglos für den Bürgermeister-Posten Schwerins. Aktuell ist er Bundestags-Abgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.

Der "nette" AfD-Mann kann auch anders

In der AfD stellt Holm einen Gegenentwurf zu polarisierenden Parteigrößen wie Björn Höcke dar. Er stehe für den Typ "Schwiegersohn", schrieb unlängst das Handelsblatt. Sein Image: "nett". Immer wieder titeln Medien so über den AfD-Politiker. Ein "netter Junge" nennt ihn auch sein ehemaliger Arbeitgeber beim hessischen Sender FFH, wie die Frankfurter Neue Presse 2018 schrieb.

Auf seinem TikTok-Kanal zeigt Holm sich im Winter beim Schlittenfahren und Weihnachtsbaumabsägen. Im Sommer sitzt er auf Heuballen und läuft mit der Familie durchs Feld. In Ostdeutschland ist der AfD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, der einzige, der nicht von den jeweiligen Landesverfassungsschutz-Abteilungen der Innenministerien, als rechtsextremistisch eingestuft wurde.

Doch auf Parteiveranstaltungen kommt Holms deutlich weniger nette Seite hervor. Manuela Schwesig (SPD) wolle er "endlich nach Hause schicken", so der AfD-Abgeordnete Ende August bei einem Wahlkampftermin in Grimmen über die SPD-Spitzenkandidatin und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist seine größte Kontrahentin. Zuhause, damit dürfte Holm Schwesigs brandenburgische Herkunft meinen. Ein Video der Rede veröffentlichte Holm auf seinem Youtube-Kanal. "Eine Lüge nach der anderen" würde die aktuelle Ministerpräsidentin des Bundeslandes erzählen. Bei einem anderen Wahlkampftermin bezeichnete er sie als "Pinocchio Schwesig". Auch Merz sei ein "Pinocchio".

"Blaue Wende" dank Optimismus?

Ähnlich wie Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, setzt Holm in seinem Wahlkampf auf eine gewisse Portion Ostalgie. Immer wieder lässt er sich auf Motorrädern der DDR-Marke Simson ablichten, macht mit Unterstützern Ausfahrten und erklärt auf der Bühne vor Unterstützern: "Ich wollte eigentlich übrigens heute Abend mit dem Moped hier reinfahren."

Sein Slogan: "Bereit für die blaue Wende." Sein Ziel: "Optimismus in unser Land zurückbringen". Möglich machen sollen das laut dem Wahlprogramm der AfD zur Landtagswahl unter anderem Bürokratieabbau, eine Flexibilisierung der Arbeitzeit und elternfreundliche Politik, darunter ein "Baby-Begrüßungsgeld" in Höhe von 3.000 Euro. Im Ausland lebende Deutsche sollen animiert werden zurückzukehren. Sie dürfen nicht durch "billigere Konkurrenz" aus dem Ausland verdrängt werden.

Auch für die Abschiebung "krimineller und vollziehbar ausreisepflichtiger Migranten" macht die Partei sich stark. Ende 2025 lebten in dem Bundesland 3.560 Personen mit abgelehntem Schutzstatus, die vollziehbar ausreisepflichtig sind, so das Statistische Bundesamt.

Es brauche "Maßnahmen zur strikten Begrenzung und Reduzierung muslimischer Migration in Mecklenburg-Vorpommern", heißt es. Auch Islamverbände sollen in die Verantwortung gezogen werden und etwa eigene Meldestellen für extremistische Tendenzen einrichten.

Um die Wirtschaft anzukurbeln und Energie günstiger zu machen, fordert die AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Gaskraftwerke in dem Bundesland zu bauen. "In Verbindung mit einer Wiedereröffnung von Nord Stream" könnten diese "unschlagbare Argumente für Investitionen in MV liefern". Außerdem sollen Kernkraftwerke "so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden."

Wie viel die Partei von ihrem Programm in Mecklenburg-Vorpommern wirklich umsetzen könnte, würde sich erst nach der Wahl zeigen. Insbesondere Punkte zur Energie und zu Migration dürften außerhalb ihres Wirkungsradius sein. Schließlich ist das im Wesentlichen Bundespolitik.

Zudem scheint, anders als in Sachsen-Anhalt, eine AfD-Regierung außer Reichweite. Derzeit steht die Partei im Ostsee-Bundesland bei 37 Prozent, so eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF – zu wenig für eine Alleinregierung. Für eine Koalition dürfte es an möglichen Partnern fehlen. Die SPD ist auf Platz zwei mit 34 Prozent, gefolgt von Die Linke (10 %). CDU (7 %), Grüne (5 %) und BSW (4 %) könnten Stand jetzt an der Fünfprozenthürde scheitern.

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