Norwegens Stürmer Erling Haaland ist auf KI-Videos zu sehen und manipulierte Bilder zum angeblichen Betrug Argentiniens gehen um die Welt. Ein Überblick zu Fake News der Fußball-WM 2026, die viral gingen.
Nach dem Schlusspfiff der Fußball-WM 2026 ist Spanien ist durch den 1 : 0 Sieg im Finale gegen Argentinien in New Jersey neuer Weltmeister.
Im Netz lief jedoch ein eigenes Turnier, mit einer Flut von KI-generierten Videos, manipulierten Bildern und irreführenden Clips, die parallel zu den großen Spielen kursierten. Viele erreichten ein Millionenpublikum, bevor sie widerlegt wurden.
Die Beiträge verfolgten ganz unterschiedliche Ziele: vom Spaß über politische Botschaften bis hin zu Kritik an Spielern und ihren Teams. Andere schienen vor allem auf Klicks und Werbeeinnahmen abzuzielen.
Das Team von THE CUBE, dem Faktencheck auf Euronews, hat einige der Falschmeldungen und irreführenden Inhalte unter die Lupe genommen.
Liebling der KI Videos: Erling Haaland
Kein Spieler stand für den Boom von KI-Content bei dieser Weltmeisterschaft so sehr wie der norwegische Stürmer Erling Haaland.
Eines der wohl viralsten Videos zeigt ihn in einem Restaurant, er schaut kurz zu seinem Spiegelbild hoch und zuckt zusammen. Der Clip kam an einem einzigen Tag auf mehr als 30 Millionen Aufrufe. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Video, bei dem das Gesicht ausgetauscht wurde und das auf dem ursprünglichen Post eines chinesischen Content-Creators basiert.
Den Fans von Haaland schien das wenig auszumachen. Das Video sammelte anschließend noch einmal rund zehn Millionen weitere Aufrufe in den sozialen Netzwerken.
Spielern falsche Zitate untergeschoben
Nicht alle falschen Posts über Haaland waren jedoch harmlos.
Auf X kursierte ein Video, das den Stürmer von Manchester City nach Norwegens Niederlage gegen England am 11. Juli zeigt. Der Beitrag war mit der Zeile versehen: "Ich werde Argentinien unterstützen, weil England ihr Gebiet illegal besetzt hat“.
Spanische Untertitel im Video wiederholten die Aussage und verwiesen auf Argentiniens Anspruch auf die Falklandinseln, ein britisches Überseegebiet im Südatlantik.
Der Clip erreichte tausende Aufrufe. Die Bildunterschrift ist jedoch frei erfunden.
Im echten Interview nach dem Spiel antwortete Haaland auf die Frage, wen er im weiteren Turnierverlauf unterstützen werde: "Ich glaube, einige meiner City-Teamkollegen spielen für England, Frankreich und Spanien. Deshalb möchte ich natürlich, dass England gut abschneidet“.
Und weiter: "Ich habe, glaube ich, ein Trikot der englischen Nationalmannschaft bekommen, bevor ich als Kind ein Norwegen-Trikot hatte. Also möchte ich, dass England erfolgreich ist, denn es ist ein schönes Land und ein schönes Trikot“.
Haaland ist nicht der einzige Spieler, dem im Netz falsche Zitate untergeschoben werden.
Nach dem Duell zwischen Norwegen und England wurde Mittelfeldspieler Jude Bellingham in viral verbreiteten Posts mit Aussagen wie "Messi ist mein Idol" und "Die FIFA ist manipuliert und korrupt" zitiert. In den Aufzeichnungen seiner Interviews nach dem Spiel tauchen diese Sätze jedoch nicht auf.
Vorwürfe der Manipulation für Argentinien lösen Flut von Fakes aus
Einer der größten Verschwörungsmythen rund um die Weltmeisterschaft behauptete, das Turnier sei zugunsten eines argentinischen Titelgewinns manipuliert worden. Auf sozialen Netzwerken fand diese Erzählung ein großes, generationsübergreifendes Publikum.
"Meine zwei Teenager-Söhne sind überzeugt, dass die Weltmeisterschaft für Argentinien manipuliert wurde“, schrieb eine Person auf LinkedIn.
Die Geschichte gewann an Fahrt nach Argentiniens Spiel gegen Ägypten am 7. Juli, das die Südamerikaner mit 3 : 2 für sich entschieden.
Während der Partie stießen mehrere Entscheidungen des Schiedsrichters auf heftige Kritik. Der ägyptische Fußballverband legte daraufhin formell Beschwerde bei der FIFA ein und warf dem Referee François Letexier und seinem Team "schwere Fehler in der Spielleitung“ vor.
Danach weiteten sich die Theorien über fragwürdige Entscheidungen hinaus aus. Nutzerinnen und Nutzer verknüpften unabhängige Ereignisse und prominente Personen, um den Eindruck zu erwecken, Argentinien erhalte externe Unterstützung.
Einer der angeblichen Hintermänner: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
In einem Gespräch im "Mojo Podcast“ bezeichnete Netanjahu Argentinien als "sehr gute Mannschaft“. Seine Sympathie gelte dabei weniger Stürmerstar Lionel Messi als dem argentinischen Präsidenten Javier Milei, den er als "großen Freund“ Israels lobte.
Ein KI-generiertes Bild sollte diese Nähe illustrieren: Es zeigt Netanjahu im Argentinien-Trikot beim Spiel gegen Österreich. Der Beitrag auf X erzielte tausende Aufrufe, basierte jedoch vollständig auf künstlicher Bildbearbeitung. Netanjahu war bei dem Spiel nicht im Stadion.
Andere Posts nahmen Messi selbst ins Visier und deuteten seine angebliche Nähe zu Israel als weiteren Hinweis auf eine manipulierte Weltmeisterschaft.
"Warum hat Messi Israel zweimal im Jahr 2022 besucht, DEMSELBEN JAHR, in dem Argentinien die Weltmeisterschaft gewonnen hat?“, fragte ein Nutzer in einem X-Beitrag mit mehr als 80.000 Aufrufen.
Trotz solcher Behauptungen gibt es keine öffentlich zugänglichen offiziellen Quellen, die sie stützen. Die Accounts, die diese Narrative verbreiten, legen keine konkreten Beweise vor.
Stattdessen tauchten frei erfundene "Belege“ auf, etwa ein KI-Bild von FIFA-Präsident Gianni Infantino, der Messi vermeintlich Dopingmittel in den Arm spritzt.
Ein weiteres Bild, das auf X tausende Aufrufe bekam, sollte zeigen, wie der Schiedsrichter des Spiels Argentinien gegen England, Ismail Elfath, nach der Partie um ein Foto mit Messi bittet.
Tatsächlich stammt das Foto aus dem Jahr 2022 und zeigt einen Moment vor einem Spiel zwischen Argentinien und Frankreich.
Ein anderer viral verbreiteter Clip, der allein auf X mehr als acht Millionen Mal angesehen wurde, schien zu zeigen, wie Messi im Spiel gegen die Schweiz eine Verletzung vortäuscht.
Doch sichtbare Unstimmigkeiten, etwa falsche Trikots der Schweizer Spieler, machen klar: Der Clip ist komplett KI-generiert.