Loader
Finden Sie uns
Werbung

Vorwürfe gegen Schiedsrichter nach Ägyptens WM-Aus im Faktencheck

Der französische Schiedsrichter François Letexier geht nach dem WM-Achtelfinale Argentinien gegen Ägypten in Atlanta am Dienstag, dem siebten Juli 2026 vom Platz.
Schiedsrichter François Letexier aus Frankreich verlässt am Dienstag, dem siebten Juli 2026, in Atlanta den Platz nach dem WM-Achtelfinale Argentinien gegen Ägypten. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von James Thomas & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Screenshots kurzzeitig geänderter Wikipedia-Einträge zu François Letexier sollen den Vorwurf untermauern, Ägyptens Spiel gegen Argentinien sei manipuliert gewesen.

Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2026 steuert auf die entscheidende Phase zu. Streitfälle aus den früheren Runden sorgen weiterhin im Netz für irreführende Behauptungen und gefälschte Bilder.

WERBUNG
WERBUNG

Ägyptens Ausscheiden aus dem Turnier am 7. Juli hat etwa eine Welle unbelegter Vorwürfe in sozialen Netzwerken gegen den französischen Schiedsrichter François Letexier ausgelöst.

Begonnen hat alles nach Argentiniens drei-zu-zwei-Sieg gegen Ägypten. In der Partie fielen mehrere umstrittene Entscheidungen; Argentinien drehte das Spiel, nachdem es zunächst mit zwei Toren zurückgelegen hatte. Der ägyptische Fußballverband reichte anschließend eine formelle Beschwerde bei der FIFA ein und warf Letexier und seinem Team „schwere Schiedsrichterfehler“ vor.

Zu den strittigen Szenen gehörte ein ägyptischer Treffer, den der Videobeweis (VAR) zurücknahm, nachdem Mittelfeldspieler Marwan Attia dafür bestraft worden war, dass er Lisandro Martínez auf den Fuß getreten war. Außerdem sind viele Ägypter überzeugt, dass Mohamed Salah im Strafraum Argentiniens gefoult wurde, kurz bevor die Südamerikaner auf 3:2 erhöhten.

Ägypten forderte, Letexier für den Rest des Turniers nicht mehr einzusetzen.

Kritik an den Entscheidungen weitete sich im Netz zu umfassenden Verschwörungen aus. Einige Nutzer behaupteten ohne Belege, Letexier habe jüdische Wurzeln, und Israel habe den Ausgang des Spiels beeinflusst. Andere nahmen dies zum Anlass, um der FIFA zu unterstellen, sie habe das Turnier zugunsten Argentiniens manipuliert.

Das Faktencheck-Team von Euronews, The Cube, hat die Vorwürfe überprüft.

Wikipedia als Werkzeug für Desinformation

Mehrere Beiträge auf X verbreiteten anhand eines Screenshots seiner Wikipedia-Seite die Behauptung, Letexier sei in eine orthodox-jüdische Familie hineingeboren worden.

Insgesamt erzielten diese Beiträge auf X und TikTok tausende Aufrufe, basierten aber auf keinerlei belastbaren Belegen.

Die öffentlich einsehbare Bearbeitungshistorie von Wikipedia zeigt: Der Satz „François Letexier wurde am 23. April 1989 in der Gemeinde Bédée in der Bretagne im Nordwesten Frankreichs in eine orthodox-jüdische Familie hineingeboren“ tauchte erst am 8. Juli auf – wenige Stunden nach der Partie zwischen Argentinien und Ägypten.

Als Quelle wurde ein Artikel des französischen Magazins Le Point (Quelle auf Französisch) angegeben. Dieser Text beschreibt Letexiers Karriere als Schiedsrichter und seinen Aufstieg im französischen Fußball. Hinweise auf seine Religion, Herkunft oder Familie enthält er nicht.

Es gibt zudem keine seriösen Berichte, die die Behauptung über Letexier stützen.

Nach dem Spiel tauchten weitere falsche Einträge auf seiner Wikipedia-Seite auf. Aus der Bearbeitungsgeschichte geht hervor, dass Nutzer behaupteten, der Schiedsrichter sei „von Argentinien und der FIFA bezahlt“ worden und das Achtelfinalspiel gegen Ägypten sei gekauft gewesen. Auch diese Änderungen wurden wieder gelöscht.

Da Nutzer die Screenshots machten und verbreiteten, bevor die falschen Angaben entfernt wurden, konnten sie sich rasch im Netz verbreiten und wirkten auf den ersten Blick glaubwürdig.

Bild zeigt François Letexiers Wikipedia-Seite vor den Änderungen (links) und einen X-Beitrag, der die unbelegte Bearbeitung hervorhebt (rechts).
Bild zeigt François Letexiers Wikipedia-Seite vor den Änderungen (links) und einen X-Beitrag, der die unbelegte Bearbeitung hervorhebt (rechts). Source: Wikipedia edit history, @drhossamsamy65

Neben der Manipulation von Wikipedia verbreiteten andere Nutzer in sozialen Medien weitere unbelegte Behauptungen über Letexier.

Ein Beitrag mit mehr als zwei Millionen Aufrufen behauptete, „Behörden hätten François Letexiers Bankkonto geprüft und festgestellt, dass er in den letzten 24 Stunden vor dem Spiel eine mysteriöse Zahlung von mehr als 500.000 Dollar erhalten habe“.

Solche Meldungen kursierten auf X auf Französisch, Spanisch und Englisch – ohne irgendeine Quellenangabe.

The Cube fand zudem keine Mitteilung der FIFA, der französischen Behörden oder eines etablierten Medienhauses, die den Vorwurf stützen würde.

Ein weiterer viraler Post auf X behauptete, Letexier sei nach der Beschwerde des ägyptischen Verbands aus dem Turnier genommen worden.

Die FIFA bestätigte, dass sie die Beschwerde aus Ägypten erhalten hat. Es gibt aber bislang keine offizielle Ankündigung einer Untersuchung gegen Letexier und sein Team.

Nach der Kontroverse stellte sich Pierluigi Collina, der Schiedsrichterchef der FIFA, hinter die Unparteiischen. „Konstruktive Diskussionen über Entscheidungen gehören immer zum Fußball, aber unbegründete Anschuldigungen haben in unserem Sport keinen Platz“, sagte er.

„Niemand kann die Integrität der Schiedsrichter bei der FIFA-Weltmeisterschaft infrage stellen“, fügte er hinzu.

Die Vorwürfe gegen Letexier fügen sich ein in ein breiteres Narrativ und in Online-Verschwörungstheorien, denen zufolge die FIFA Argentinien bevorzugt und ihre Regeln nicht konsequent anwendet.

Sie sind Teil eines größeren Desinformationsmusters rund um die Weltmeisterschaft: von KI erzeugte Bilder, manipulierte Videos und falsche Behauptungen mit rassistischem Unterton verbreiten sich während des Turniers massenhaft im Netz und richten sich nach umstrittenen Spielen gegen Mannschaften und einzelne Spieler.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

WM löst Welle rassistischer Falschinformationen im Netz aus

Größter WM-Star der KI? Ein falscher Erling Haaland

Massenhafte Fakes: Haben Sie sich von diesen KI-WM-Bildern täuschen lassen?