Galicien setzt neue KI-Kameras und Satelliten ein, die Waldbrände in wenigen Minuten aufspüren sollen. So will die Region Katastrophen wie im August vermeiden.
Galicien setzt verstärkt auf künstliche Intelligenz sowie ein erweitertes Netz aus Satelliten und Kameras, um Waldbrände früher zu erkennen. Die Region, seit Langem als einer der brandgefährdetsten Landstriche Europas bekannt, hat im vergangenen Jahr die verheerendste Feuersaison seit Jahrzehnten erlebt.
Die Regionalregierung setzt nun auf ihren „größten Brandschutzplan in ihrer Geschichte (Quelle auf Englisch)“ – mit KI, einer neuen App, zusätzlichen Einsatzkräften und einer Investition von 213 Millionen Euro.
Im Jahr 2025 haben Waldbrände in Galicien mehr als 118.000 Hektar Land zerstört – eine größere Fläche als Berlin. Wegen dieser Dimension sprechen Behörden von „Megabränden“. Nach Angaben der Regionalregierung entwickelte sich das Feuer von Larouco in der Provinz Ourense zum größten einzelnen Brand in der bekannten Geschichte der Region.
Dichte Wälder, eine alternde Landbevölkerung und aufgegebene Flächen machen Galicien seit Jahren zu einer der am stärksten von Bränden betroffenen Regionen Europas – neben Portugal und Griechenland.
Wie KI hilft
Die neuen KI-Systeme erhalten einen kontinuierlichen Bildstrom – von Kameras am Boden und zum Teil von Satelliten im Orbit. Modelle, die auf die Erkennung von Mustern trainiert wurden, suchen darin nach typischen Merkmalen eines entstehenden Feuers: aufsteigende Rauchwolken, Wärmequellen oder bestimmte Farb- und Bewegungsmuster in der Landschaft.
Schlägt das System bei einem Verdacht an, löst es automatisch einen Alarm aus. Fachkräfte prüfen die Meldung, bevor Einsatzteams ausrücken.
Das Ziel: Die Zeitspanne zwischen Entzündung und Entdeckung soll von Stunden auf Minuten schrumpfen. Wird ein Feuer in den ersten Minuten entdeckt, bleibt es meist auf eine kleine Fläche begrenzt. Ein Brand, der über Nacht oder in einem abgelegenen Tal unbemerkt lodert, kann sich dagegen über Tausende Hektar ausbreiten, bevor jemand reagiert.
Bei der Vorstellung des aktualisierten Waldbrandplans erklärte Regionalpräsident Alfonso Rueda laut Galicia Press, die Neuerungen sollten „sich an die neuen Arten von Bränden“ mit „enormer Intensität“ anpassen, wie sie in den vergangenen Sommern aufgetreten seien.
Galicien hat diese Funktionen vor Beginn der Hochrisikosaison, die am 1. Juli startete, in Xeocode integriert, die interne Plattform zur Steuerung der Brandbekämpfung.
Das System nutzt sogenannte Convolutional Neural Networks, eine KI-Modellart, die Muster in Bildern besonders gut erkennt. So spürt es Rauchschwaden auf, die von einer der 241 Überwachungskameras auf besonders gefährdete Gemeinden in der Region gerichtet sind.
In zwei Jahren Pilotbetrieb zeigte sich, dass das System Brände aus mehr als 15 Kilometern Entfernung erkennen kann – bei günstigen Wetterbedingungen sogar aus bis zu 25 Kilometern.
Waldbrandbekämpfung: Andere Länder setzen auf KI
Galicien steht mit dem Einsatz von KI und Raumfahrttechnologie gegen Feuer nicht allein.
Der Ansatz spiegelt einen breiteren Wandel in vielen brandgefährdeten Regionen Europas und darüber hinaus wider. Das Jahr 2025 war laut EU-Statistik die bislang zerstörerischste Waldbrandsaison: Mehr als 1.079.000 Hektar brannten in 25 der 27 Mitgliedstaaten.
Am weitesten geht Griechenland. Das Land ist zum ersten Staat geworden, der eine eigene Satellitenkonstellation fest in sein nationales System zur Brandbekämpfung einbindet.
Vier Nanosatelliten, jeweils kleiner als ein Stück Handgepäck und gebaut vom deutschen Unternehmen OroraTech, überfliegen das Land zweimal täglich. Ihre Wärmesensoren sollen Brände melden, die nur vier Meter Durchmesser haben.
Wird ein Feuer entdeckt, schickt das System KI-ausgewertete Daten zu Lage, Ausdehnung und Intensität direkt an die nationale Einsatzleitung. Diese kann so Prioritäten setzen, wenn gleichzeitig mehrere Brände ausbrechen.
Die Modelle sind zudem darauf trainiert, Fehlalarme herauszufiltern – etwa sonnenaufgeheizte Felswände, Solaranlagen oder überhitzte Fabrikdächer –, bevor überhaupt ein Alarm bei den Rettungsdiensten ankommt.
Portugal, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten die größte insgesamt verbrannte Fläche in Europa verzeichnet, integriert Satellitendaten inzwischen ebenfalls in seine nationale Brandbekämpfung. Damit setzen immer mehr südeuropäische Staaten mit hoher Brandgefahr auf dieselbe Kombination aus Kameras, Satelliten und maschinellem Lernen, die nun auch Galicien ausbaut.