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„Respect the City“: Dubrovnik bändigt Overtourismus und bewahrt seinen Charme

Bürgermeister Franković: „Ich hoffe, dass in 30 Jahren jemand zurückkehrt und ein unverändertes Dubrovnik vorfindet“
Bürgermeister Franković: „Ich hoffe, dass in 30 Jahren jemand dasselbe Dubrovnik vorfindet“ Copyright  City of Dubrovnik
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Von Fakhriya M. Suleiman
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Dubrovniks Bürgermeister Mato Franković erklärt Euronews Travel, wie die Stadt mit Daten und gestaffelten Ankünften den Tourismus neu steuert, um die Altstadt zu bewahren.

Seit fast einem Jahrzehnt versucht Dubrovnik, eine der größten Herausforderungen des modernen Tourismus zu meistern: Wie bleibt eine Stadt ein gefragtes Reiseziel, ohne an ihrem eigenen Erfolg zu ersticken? Und das in einer Zeit, in der der Ansturm kaum nachlässt.

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In dieser Zeit hat die Stadtverwaltung den Kurs gewechselt. Sie reagiert nicht mehr nur im Krisenmodus auf Massentourismus, sondern setzt auf langfristig tragfähiges Management.

Von Jahresbeginn bis Mitte Juli zählte Dubrovnik bereits fast 650.000 Ankünfte und rund zwei Millionen Übernachtungen. Besonders viele Gäste kommen aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Frankreich, Deutschland, Polen, Irland, Spanien, Kanada und Australien. Auch als Ziel für inländische Reisende bleibt die Stadt attraktiv.

An Besuchern fehlt es also nicht. Die Stadtspitze konzentriert sich deshalb darauf, das Wachstum des Tourismus so zu steuern, dass das Erbe der Stadt geschützt bleibt und die Lebensqualität der Einwohner nicht leidet.

„Bei uns geht es nicht nur um blanke Zahlen“, sagt Mato Franković, der Bürgermeister von Dubrovnik, im Gespräch mit Euronews Travel. „Wichtig ist auch, wie sich diese Zahlen über den Tag und die Woche verteilen.“

Nach seinen Worten ist der Tourismus früher weitgehend unkoordiniert gewachsen.

„Jahrelang hat niemand den Tourismus in Dubrovnik wirklich gesteuert, er ist einfach ‚passiert‘“, so Franković.

Bürgermeister Franković: „Respekt vor Dubrovnik erwarten wir von allen“
Bürgermeister Franković: „Respekt vor Dubrovnik erwarten wir von allen“ City of Dubrovnik

„Früher legten an manchen Tagen fünf oder sechs Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig an und brachten unzählige Tagesgäste aus der Umgebung mit“, erinnert er sich. „Da wurde uns klar, dass wir den Tourismus anders organisieren müssen. Also haben wir ihn in mehrere Bereiche aufgeteilt.“

Der gebürtige Dubrovniker steht seit 2017 an der Stadtspitze. Einen Großteil seiner Tourismusstrategie baut er auf die Initiative „Respect the City“ (RtC), die im selben Jahr startete. Auslöser war der enorme Druck auf die zum UNESCO-Welterbe gehörende Altstadt.

„Respekt vor Dubrovnik erwarten wir von allen: von den Bürgerinnen und Bürgern, von Menschen, die hier arbeiten, und von allen, die Dubrovnik genießen wollen – das ist unsere Botschaft“, sagt er.

Zwischen Beliebtheit und Bewahrung

In den 2010er-Jahren traf die Altstadt, diese lebendige Bühne der Geschichte Dubrovniks an der dalmatinischen Küste, die volle Wucht des Booms.

Mehr Anläufe von Kreuzfahrtreisen, günstige Flugtickets und ein weltweit gestiegenes Profil – befeuert durch den Erfolg der HBO-Serie Game of Thrones – sorgten für überfüllte Sommer. Die „Perle der Adria“ hatte Mühe, die Spitzenbelastungen zu bewältigen. „Teilweise konnte man kaum noch gehen oder die Stadt in Ruhe genießen“, erzählt Franković.

Statt den Tourismus als ein einziges, großes Paket zu behandeln, teilt die Stadt ihn heute in verschiedene Bereiche auf: Kreuzfahrten, Tagesbesucher und Übernachtungsgäste.

Im Rahmen von RtC dürfen am Stadthafen höchstens zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig festmachen – mit zusammen maximal 4.000 Passagieren. Zudem muss jeder Anlauf mindestens acht Stunden dauern.

Mit diesen längeren Liegezeiten, so Franković, verteilen sich die Gäste besser in der Stadt und im Umland. Sie strömen nicht mehr alle gleichzeitig in das historische Zentrum.

„Wir sehen, dass Besucher heute häufiger Ausflüge in andere Gegenden unternehmen“, sagt er. „Natürlich wollen alle irgendwann in die Altstadt, aber der Andrang findet nicht mehr zur selben Zeit statt wie früher, als sechs Schiffe gleichzeitig für nur vier Stunden anlegten.“

Zahlen der Hafenbehörde von Dubrovnik zeigen, dass der Kreuzfahrttourismus stabil bleibt. Für 2026 rechnet die Stadt mit mehr als 661.000 Kreuzfahrtpassagieren bei 461 Schiffsanläufen.

Die RtC-Initiative richtet den Blick aber auch darauf, wie sich Tagesgäste und Übernachtungsgäste in der Stadt bewegen.

Reisebusunternehmen, die Besucher aus Bosnien und Herzegowina, Montenegro oder von nahegelegenen kroatischen Inseln bringen, müssen ihre Ankunftszeiten über ein Online-Buchungssystem im Voraus reservieren. So kann die Stadt die Busse über den Tag verteilen und die Kapazitäten an Veranstaltungen und schwankende Nachfrage anpassen.

Für Gäste, die länger bleiben, ist der Dubrovnik Pass zugleich Eintrittskarte und Steuerungsinstrument. Er ermöglicht den Zugang zu den Museen der Stadt und zum öffentlichen Nahverkehr und hilft Dubrovnik außerdem, Besuchszeiten für stark gefragte Sehenswürdigkeiten zu steuern.

„Weil der Pass digital ist, können wir Besucher direkt informieren und ihnen zum Beispiel für die Altstadt die besten Besuchszeiten empfehlen“, erklärt Franković.

„Daran feilen wir besonders: Wir wollen Situationen vermeiden, in denen Hunderte Menschen gleichzeitig durch die Stadt drängen. Die Gäste sollen Zeiten wählen können, in denen sie Dubrovnik mit ihren Familien wirklich genießen“, sagt er.

Die Stadt stützt sich dafür immer stärker auf Daten. In der Altstadt zählen Sensoren die Zahl der Menschenströme. Die Universität Dubrovnik wertet diese Tourismusdaten aus, erkennt Trends und empfiehlt weitere Verbesserungen beim Besuchermanagement.

Wie es mit nachhaltigem Tourismus weitergeht

Trotz der weltweiten Anziehungskraft Dubrovniks bleiben nach Franković noch immer Ecken der Stadt und ihres Umlands weitgehend unbeachtet. „Es gibt viele bisher unentdeckte Bereiche – nehmen Sie nur den Berg Srđ“, sagt er.

Der Hügelzug erhebt sich über Dubrovnik und bietet weite Blicke über die Altstadt, die Adria und die umliegenden Inseln. Die Plattform AllTrails für Outdoor-Aktivitäten empfiehlt Wandernden, gegen Ende des Tages aufzubrechen, um den Sonnenuntergang zu erleben.

Blick von Berg Srđ auf die Altstadt
Blick von Berg Srđ auf die Altstadt Copyright Mike Starling/Euronews Travel

Statt neue Hotspots zu erschließen, will die Stadt Besucher motivieren, bestehende Angebote besser zu nutzen – und zugleich deren Qualität zu erhöhen.

Nach diesem Prinzip plant Dubrovnik auch die weitere Entwicklung. Unterentwickelte Tourismuszonen sollen nach und nach günstigen Wohnraum für Einheimische und Beschäftigte weichen, damit sie die Stadt nachhaltig bewohnen können. Dieses Problem, betont Franković, kennen viele Orte weit über Kroatien hinaus.

Viele europäische Städte kämpfen mit Overtourism. Die größere Gefahr sieht Franković jedoch in der Flut an Ferienwohnungen.

„Kurzzeitvermietungen töten Städte, weil sie Schritt für Schritt die Bewohner verdrängen und lebendige Viertel in Touristen-Apartmentzonen verwandeln“, warnt er. „Am Ende wirkt alles wie ein austauschbares Disneyland-Erlebnis – und wer will schon eine Geisterstadt besuchen?“

„Das ist nicht, was Menschen suchen – sie wollen die Bewohner sehen und treffen“, sagt Franković. „Wenn wir das laufen lassen, werden die Bürger aus den Innenstädten in weit entfernte Vororte gedrängt. Ich hoffe, dass dies in Zukunft kein Dauerproblem bleibt und Einheimische nicht mehr um guten Wohnraum kämpfen müssen. In unserer Umgebung gibt es viele heute verlassene Dörfer, die das Potenzial haben, wieder lebendige Wohngebiete zu werden.“

In der Altstadt etwa leben heute nur noch rund 1.500 Menschen. 1991 waren es noch etwa 5.000.

Der Ansatz Kroatiens stößt anderswo in Europa auf großes Interesse. Laut Franković tauschen sich Städte inzwischen zunehmend über ihre Erfahrungen aus, und sein Büro arbeitet eng mit vielen Partnern in der Region zusammen.

Für die Zukunft wünscht er sich nicht, dass Dubrovnik unbedingt größer wird. Wichtiger ist ihm, dass die Stadt erkennbar sie selbst bleibt. Er hofft auf ein landesweit verlässliches Schienennetz – und darauf, dass der besondere Charme des Landes erhalten bleibt.

„Ich wünsche mir, dass jemand in 30 Jahren zurückkehrt und dasselbe Dubrovnik vorfindet: dieselbe Schönheit, die bewahrte historische Altstadt und ein klares Meer.“

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