Der Buçaco-Nationalwald ist nun der erste zertifizierte Therapiewald auf der Iberischen Halbinsel. Einer von nur vier Standorten weltweit, neben Kur- und Heilwäldern in Deutschland und Österreich.
Weltweit gibt es nur vier zertifizierte Heilwälder, der jüngste davon liegt in Portugal. Die Mata Nacional do Bussaco hat nun offiziell das Siegel als "Heilwald" erhalten. Sie ist der erste dieser Art auf der Iberischen Halbinsel und folgt auf die zertifizierten Kur- und Heilwälder von Lahnstein und Bad Nauheim in Deutschland sowie des Benediktinerstifts Göttweig in Österreich.
Nach mehreren Jahren der Umsetzung hat das Zertifizierungsbüro von "Healing Forest" der Mata do Bussaco Mitte Juli die Zertifizierung erteilt. Damit würdigt die in Rostock ansässige, vom Bundesland Mecklenburg-Vorpommern geförderte Organisation die besonderen Eigenschaften dieses Waldes in Westportugal, der zwischen Porto und Coimbra in der Gemeinde Luso liegt.
"Diese Zertifizierung, die uns in die Gruppe der vier Therapiewälder weltweit und als ersten auf der Iberischen Halbinsel einordnet, verschafft uns einen Status von internationaler Bedeutung und bringt eine große Verantwortung mit sich", betonte der Präsident der Stiftung Mata do Bussaco, Gonçalo Breda Marques.
Die Mata do Bussaco umfasst 105 Hektar. Nach Angaben der gleichnamigen Stiftung verfügt das Gebiet über eine der besten dendrologischen Sammlungen Europas mit rund 250 Baum- und Straucharten.
"Es zählt zu den reichsten Nationalwäldern in Bezug auf Natur-, Architektur- und Kulturerbe und lässt sich in vier Landschaftseinheiten unterteilen: Arboretum, Gärten und Farntal, Reliktwald und Markgrafen-Kiefernwald", heißt es auf der Website der Stiftung.
Die Zertifizierung ist sowohl für Patientinnen und Patienten, als auch für ausgebildete Waldtherapeutinnen und -therapeuten von Bedeutung. Gleichzeitig stärkt sie das Profil der Region als Ziel für Gesundheitstourismus.
Was macht einen Wald zum Heilraum?
Nach Angaben von "Healing Forest" sind Heilwälder Waldgebiete, die gezielt für therapeutische Zwecke bei bestimmten Indikationen gestaltet wurden. Qualifizierte Therapeuten begleiten dort Behandlungen oder spezielle Programme. Diese Angebote können den Verlauf bei stark einschränkenden Erkrankungen positiv beeinflussen und konventionelle Therapien ergänzen.
Damit ein Wald als Heilwald gilt, muss er bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehören natürliche Strukturen, die Lärm dämpfen sowie Sicht- und Windschutz bieten, Wege mit unterschiedlichen Anforderungen und Schwierigkeitsgraden sowie Bereiche, die speziell für therapeutische Anwendungen und Entspannungsübungen vorgesehen sind.
Der Zertifizierungsprozess verläuft in mehreren Schritten. Zunächst reichen die Verantwortlichen Basisinformationen und Unterlagen zum Gebiet ein. Danach folgt eine technische Inspektion vor Ort durch ein Team des Zertifizierungsbüros, das das therapeutische Potenzial bewertet. Auf dieser Grundlage erfolgt die Prüfung nach den festgelegten Kriterien, bevor das Zertifikat mit einer festen Laufzeit vergeben wird. Im Fall der Mata do Bussaco gilt die Zertifizierung bis 2031.
Solche naturbasierten Praktiken im Freien können laut "Healing Forest" zahlreiche, wissenschaftlich belegte Vorteile bringen. Dazu zählen die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten, weniger Stress, Angst und depressive Symptome, niedrigere Blutdruckwerte, ein gestärktes Immunsystem und eine bessere Schlafqualität. Ein Großteil der Forschung dazu stammt aus den vergangenen zehn Jahren aus asiatischen Ländern.
Waldbaden
Die Idee, dass ein intensives Eintauchen in eine Waldlandschaft der Gesundheit guttut, ist nicht neu. Das sogenannte Waldbaden ist die direkte Übersetzung des japanischen Begriffs shinrin-yoku und entstand 1982 in Japan als Teil eines nationalen Gesundheitsprogramms, das die Stressbelastung der Bevölkerung senken sollte.
Das Konzept ähnelt einer von "Guides" angeleiteten Achtsamkeits- oder Wellness-Praxis, ohne dass zwangsläufig eine konkrete medizinische Indikation vorliegen muss. Es gilt als Gesundheitsmaßnahme – ähnlich wie die Empfehlung zu ausgewogener Ernährung oder regelmäßiger körperlicher Bewegung.
Die Waldtherapie ist dagegen klinisch stärker formalisiert. Sie wird von ausgebildeten Waldtherapeutinnen und -therapeuten angeleitet und steht zum Teil im Zusammenhang mit konkreten medizinisch-therapeutischen Empfehlungen, etwa bei Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, psychosomatischen, orthopädischen oder neurologischen Erkrankungen.
Der Forest Therapy Hub zählt zu den Einrichtungen, die diese Fachkräfte ausbilden und zertifizieren. Ziel der Waldtherapie sei es, "positive Zustände der psychischen Gesundheit zu fördern und die körperliche und soziale Gesundheit zu verbessern, indem die Verbindung zur Natur, zwischenmenschliche Beziehungen und der soziale Zusammenhalt gestärkt werden".