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Spanien: Tierärztemangel auf dem Land spitzt sich zu

Auf dieser Aufnahme vom 15. Juni 2009 streichelt Andrea Rivera aus Nebraska einen Esel, nachdem sie ihn auf einem Hof in Santoalla do Monte in Galicien gefüttert hat.
Auf dieser Aufnahme vom 15. Juni 2009 streichelt Andrea Rivera aus Nebraska einen Esel, nachdem sie ihn auf einem Hof in Santoalla do Monte in Galicien gefüttert hat. Copyright  Lalo R. Villar / AP
Copyright Lalo R. Villar / AP
Von Javier Iniguez De Onzono
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Schlechte Bezahlung, fehlende Vereinbarkeit und weite, dünn besiedelte Gebiete mit Nachfrage nach Tierprodukten schaffen eine schwierige Lage und erschweren Fachkräften das Bleiben im ländlichen Spanien.

Tierärzte in Ungarn, der Slowakei und Litauen – die 17., 18. und 23. größte Volkswirtschaft der EU – verdienen mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in Spanien. Grundlage sind Zahlen einer Befragung der FVE, der Föderation Europäischer Tierärzte. Sie weist für die 266 freiwilligen Teilnehmenden ein Medianjahresgehalt von rund 26.400 Euro brutto.

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Diese Werte fallen jedoch deutlich optimistischer aus als die Angaben im spanischen Tarifvertrag für das Berufsbild. Für Stellen etwa als Labortechniker sieht die Vereinbarung lediglich 19.403,17 Euro Jahresgehalt vor – Zulagen nicht eingerechnet.

Außerdem geben 60 % der spanischen Tierärzte, die ins Ausland gegangen sind, an, dies zu tun, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Laut der Studie leisten die Befragten im Schnitt etwa acht Überstunden im Monat – gut zwei Prozentpunkte mehr als im EU-Durchschnitt.

Die Arbeitsbedingungen dieser Fachkräfte erklären einen Teil der Lage der Branche im ländlichen Raum. Bei einem Arbeitstreffen in Rovaniemi in Finnland im Rahmen der FVE-Generalversammlung stellte die spanische Tierärztekammer OCV das Referat „Die spanische Herausforderung: Was im ländlichen Raum funktioniert und was nicht“ vor. Darin beschrieb sie die Folgen des strukturellen Mangels.

„Weil wir immer weniger werden, tragen die Kolleginnen und Kollegen eine höhere Arbeitslast, müssen mehr Höfe betreuen und legen jeden Tag mehr Kilometer zurück. Die Bedingungen sind extrem hart, sie erschweren den Generationswechsel. Außerdem müssen wir die Wirtschaftlichkeit prüfen.“ So fasste OCV-Präsident Gonzalo Moreno einen weiteren Aspekt der Initiative „España vaciada“ zusammen: riesige Landstriche, deren Bevölkerungsdichte in manchen Regionen mit der finnischen Lappland vergleichbar ist.

Das hat direkte Folgen für die Wirtschaft, besonders in Regionen wie Kastilien und León oder Aragón: Spanien ist derzeit der größte Viehproduzent der Europäischen Union. Das Land exportiert jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen und hält damit 26 % des EU-Gesamtvolumens – vor Deutschland.

Die Schlachthofvereinigung Amacyl aus Kastilien und León schätzt, dass der Mangel an Tierärzten die Arbeitszeit in solchen Betrieben um bis zu 45 % verkürzt, auch in angrenzenden Branchen wie der Milchindustrie.

Der fehlende fachliche Kontrollblick bleibt nicht ohne Folgen für Unternehmen und Branche – und trifft auch die Tiere. Das Online-Medium „eldiario.es“ berichtete in dieser Woche über die Einleitung eines Verfahrens gegen den Schlachthof Vicente de Lucas Fuentetaja, wenige Minuten von Segovia entfernt, nach der Tötung von 200 Hirschkälbern, die zusammengedrängt unter offensichtlicher Angst und Stress gehalten wurden. Kontrollen ergaben, dass die Tiere noch Minuten nach den Schüssen beim Schlachtvorgang lebten.

In diesem Jahr prangerte die Organisation ARDE den Zustand einer riesigen Schweinemastanlage im Ort Castellote (Provinz Teruel) an. Dort lebten mehrere schwer verletzte Tiere zwischen verwesenden Kadavern auf dem Betriebsgelände.

Weitere Gruppen wie Ecologistas en Acción warnen vor einem paradoxen Effekt: Die Ausweitung solcher Großbetriebe gefährdet wegen der starken Umweltbelastung die Wiederbesiedlung der Dörfer – und damit auch die Ansiedlung neuer Tierärztinnen und Tierärzte.

Die OCV verweist zudem auf eine weitere spanische Paradoxie. Spanien bietet die umfassendste tiermedizinische Ausbildung in der EU – mit derzeit fünfzehn Fakultäten und einer weiteren, die die Universität Salamanca plant. Dennoch wollen viele Absolventinnen und Absolventen nicht im ländlichen Raum arbeiten oder finden dort keine Stelle. Schätzungsweise 35 % der Studienabgänger verfolgen ihre Karriere im Ausland.

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