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Wackelt Japans Anti-Atomwaffen-Kurs 81 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg?

Aufnahme vom 13. September 1945: Die katholische Urakami-Kathedrale in Nagasaki liegt nach der Atombombenexplosion in Trümmern.
Auf dieser Archivaufnahme vom 13. September 1945 steht die katholische Urakami-Kathedrale in Nagasaki, Japan, zerstört nach der Atombombenexplosion. Copyright  Stanley Troutman / AP Photo
Copyright Stanley Troutman / AP Photo
Von Gael Camba
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Nagasaki erinnert an die US-Atombombe vor 81 Jahren, doch der strikte Anti-Atomwaffen-Kurs des Landes ist mittlerweile in Japan umstritten.

Japan hat die Jahrestage der Atombombenabwürfe von 1945 begangen. Gleichzeitig drängen Politiker des Landes auf eine neue Debatte über Atomwaffen – und stellten damit die seit Jahrzehnten fest verankerte pazifistische Haltung des Landes in Frage.

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In der Verfassung Japans verzichtet der Staat auf offensive militärische Gewalt. Aufeinander folgende Regierungen halten seit Jahrzehnten am Versprechen fest, keine Atomwaffen zu besitzen, herzustellen oder ins Land zu lassen.

Dieses Versprechen gerät inzwischen unter Druck. Ostasiatische Nachbarn, allen voran China, rüsten militärisch auf. Zugleich wachsen die Zweifel an der Verlässlichkeit von Tokios wichtigstem Sicherheitsgaranten, den USA.

"Diskussion ohne Tabus" über Atomwaffen

Ministerpräsidentin Sanae Takaichi weigert sich bislang, klar zu sagen, ob sie an den sogenannten drei nichtnuklearen Prinzipien festhalten will. Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi forderte im Juli 2026 eine "Diskussion ohne Tabus" über das Thema.

Im Dezember 2025 hatte ein hochrangiger Regierungsbeamter in einem vertraulichen Gespräch mit lokalen Medien gefordert, Japan solle eigene Atomwaffen besitzen.

Die Äußerung gelangte an die Öffentlichkeit. Große Medienhäuser wie der nationale Sender NHK und die Zeitung Asahi Shimbun griffen sie auf – und lösten breite Kritik aus.

Kritik von Anti-Atomwaffen-Aktivisten

"Wenn ich das zynisch betrachte, denke ich unweigerlich, dass sie diesen Kurs vielleicht wirklich ändern will“, sagt der 82-jährige Aktivist Satoshi Tanaka, der den Angriff auf Hiroshima 1945 überlebt hat und seit Jahrzehnten gegen Atomwaffen kämpft.

Am Donnerstag hatte das Land den 81. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima begangen. Am Sonntag folgte die Gedenkfeier für den Angriff auf Nagasaki.

Bei den Atombomben-Angriffen der USA im August 1945 wurden mehr als 210.000 Menschen gestötet, viele davon starben an den Folgen der radioaktiven Strahlung.

Es ist bis heute der einzige Einsatz von Atomwaffen in einem bewaffneten Konflikt, und es sind die entscheidenden Momente am Ende des Zweiten Weltkriegs.

China kritisiert "neuen Militarismus" Japans

Die Regierung Takaichi arbeitet derzeit an einer umfassenden Neuausrichtung der nationalen Verteidigungsstrategie. Hintergrund sind die wachsenden militärischen Ambitionen Chinas.

Die konservative Ministerpräsidentin hat Japans selbst auferlegtes Verbot von Waffenexporten bereits aufgehoben und den Verteidigungsetat erhöht. Gleichzeitig drängt sie auf eine Verfassungsänderung.

In Peking stoßen diese Schritte auf scharfe Kritik. China wirft Japan "neuen Militarismus“ vor und beschuldigt Takaichi, sich den Forderungen der äußersten Rechten zu beugen.

Auch viele Überlebende der Bombenangriffe von 1945 sind verunsichert. Sie haben Japans pazifistische politische Kultur nach dem Krieg entscheidend mitgeprägt.

Ein riesiger Rauchpilz steigt auf, nachdem die zweite im Krieg eingesetzte Atombombe über der Hafenstadt Nagasaki in Japan explodiert ist, 9. August 1945.
Ein riesiger Rauchpilz steigt auf, nachdem die zweite im Krieg eingesetzte Atombombe über der Hafenstadt Nagasaki in Japan explodiert ist, 9. August 1945. AP Photo

Tanaka, der Überlebende aus Hiroshima, zeigt sich frustriert darüber, dass führende Politiker wie Takaichi vor allem auf militärische Stärke setzen und die Diplomatie vernachlässigen.

„Es wird so viel über nationale Sicherheit gesprochen. Aber wie steht es um Frieden durch Diplomatie?“, fragt er.

Trotz der Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis 2024 für ihren Einsatz diskutieren sie inzwischen, ob sie ihren nationalen Verband überhaupt weiterführen können, denn die Mitglieder werden immer älter.

Bis März 2026 lebten in Japan landesweit etwas mehr als anerkannte 91.000 Überlebende der Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Vor zehn Jahren waren es noch über 164.000. Ihr Durchschnittsalter liegt inzwischen bei 86,7 Jahren.

Es geht um glaubhafte Abschreckung

In der politischen Debatte geht es inzwischen vor allem um die Zukunft der nichtnuklearen Prinzipien aus dem Jahr 1967.

Anhänger Takaichis meinen, der letzte der drei Grundsätze müsse geändert werden. Die USA sollen demnach Atomwaffen nach Japan bringen dürfen, um eine glaubwürdige Abschreckung in der Region zu sichern.

Hirofumi Yoshimura, Chef der Japan Innovation Party und Koalitionspartner in Takaichis Regierung, findet, dass über den Grundsatz im Rahmen des Sicherheitsbündnisses zwischen den USA und Japan gesprochen werden sollte.

„Natürlich müssen wir daran arbeiten, eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen“, sagte Yoshimura am Jahrestag des Angriffs auf Hiroshima vor Journalistinnen und Journalisten.

„Doch wenn wir überlegen, wie wir die Wirksamkeit der erweiterten nuklearen Abschreckung im Rahmen unseres Bündnisses mit den Vereinigten Staaten sichern, finde ich, dass wir weiterhin am Grundsatz ‚weder besitzen noch herstellen‘ von Atomwaffen festhalten sollten“, sagte er.

„Beim Grundsatz ‚nicht ins Land bringen lassen‘ sehe ich allerdings Spielraum für Diskussionen.“

Pazifisten sind beunruhigt

Nach der jährlichen Gedenkzeremonie in Hiroshima stellte sich Takaichi in einer im Fernsehen übertragenen Gesprächsrunde den Überlebenden.

Auf Nachfragen legte sich die Premierministerin jedoch nicht fest, ob sie den nuklearen Kurs des Landes ändern könnte.

„Unser Land hält derzeit an den ‚drei nichtnuklearen Prinzipien‘ fest“, antwortete sie auf eine direkte Frage Tanakas. Was sie künftig vorhat, ließ sie offen.

„Das“, sagte Tanaka am Freitag, „erklärt nur die derzeitige Lage. Es sagt nichts über die Zukunft. Es macht mir nur noch mehr Sorgen. Ich bin beunruhigt.“

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