Seit Jahrzehnten verbringen orthodoxe jüdische Gemeinden den Sommer ruhig in den Alpen.
Normalerweise geht es im französischen Ferienort Les Deux Alpes ruhig zu. Vor einigen Tagen stand er jedoch im Zentrum einer Kontroverse, nachdem ein Video in den sozialen Netzwerken viral gegangen war. Darin lehnt sich eine Wirtin an den Tresen ihrer kleinen Bar und sagt zu einem orthodoxen Juden: „Die jüdische Gemeinschaft, ihr seid zu viele. Irgendwann haben die Leute die Nase voll.“
Die Behörden haben nach dem Vorfall Ermittlungen aufgenommen. Zugleich hat das Ereignis die Stimmung in dem Ort stark belastet. Seit Jahrzehnten kommen dort jeden Sommer orthodoxe jüdische Familien in die Ferien.
„Es gibt andere Menschen, die selbst, wenn man mit den Kindern durch die Straße geht, die Kinder beschimpfen, nur weil sie Kippot tragen“, berichtet Hannah Lasry, jüdische Touristin.
Innenminister Laurent Nuñez verurteilte die antisemitischen Äußerungen rasch. Nach Anhörungen wurde das Verfahren „zur Prüfung“ an die Staatsanwaltschaft in Grenoble weitergeleitet, teilte diese zu Wochenbeginn mit.
Les Deux Alpes beherbergt seit mehreren Jahren das Sommerseminar Beth Loubavitch aus der ultraorthodoxen chassidischen Habad-Loubavitch-Bewegung. Es ist ein großes Treffen des französischsprachigen Judentums und zieht drei Wochen lang stets Hunderte Menschen an. Entstanden ist das Seminar Ende der 1960er-Jahre, als Hunderttausende Juden aus Nordafrika nach Frankreich kamen. Seitdem wechselt es von Ort zu Ort in den Alpen.